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Malaysia-Airlines-Flug 370
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Der Malaysia-Airlines-Flug 370 (Flugnummern MH370 und via Codesharing mit China Southern Airlines CZ748) war ein internationaler Linienflug von Kuala Lumpur nach Peking, bei dem eine Boeing 777 der Malaysia Airlines am 8. MĂ€rz 2014 aus der Überwachung der Flugverkehrskontrolle des Flughafens von Kuala Lumpur verschwand und plötzlich ihren Kurs Ă€nderte. Bislang wurde keine offizielle Ursache fĂŒr das Verschwinden von MH370 genannt. Die aus Radar- und Satellitendaten gewonnenen Erkenntnisse legen – zumindest fĂŒr die vom Radar erfasste Flugphase und die aus Satellitendaten abgeleitete anschließende Wende nach SĂŒden – vorsĂ€tzliches Handeln durch einen Piloten oder FlugzeugentfĂŒhrer nahe. Da das Hauptwrack bisher nicht gefunden werden konnte, gilt Flug MH370 bis heute als vermisst.

Contents

‱ Flugzeug
‱ Theorien
‱ Folgen
‱ Rezeption

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Überblick

Die Behörden vermuteten zunĂ€chst einen Flugzeugabsturz im Golf von Thailand. Wie im Lauf der folgenden Tage bekannt wurde, hatte aber die Linienmaschine ihren Kurs gewechselt und bis zu sieben Stunden nach ihrem Verschwinden aus der zivilen LuftraumĂŒberwachung automatische Signale an einen Satelliten gesendet. Dabei war die Satellitenverbindung zeitweise unterbrochen; etwa eine Stunde nach dem Verschwinden loggte sich das Flugzeug aber wieder in die Bodenstation ein. Die Flugunfallermittler nehmen an, dass an der Grenze zum vietnamesischen Luftraum die Kommunikationssysteme ausgeschaltet wurden und jemand an Bord die Maschine zunĂ€chst zurĂŒck in Richtung Malaysia steuerte, daraufhin entlang der thailĂ€ndischen Grenze und um die Insel Penang herum ĂŒber die Straße von Malakka.cite-ref-pmstatement-1-0[1] Die Boeing 777 umrundete anschließend Indonesien und flog vermutlich auf Autopilot in sĂŒdlicher Richtung ĂŒber dem Indischen Ozean weiter, bis der Flug westlich von Australien endete. Aufgrund von Indizien halten die Ermittler es fĂŒr wahrscheinlich, dass die Maschine in den Ozean stĂŒrzte, nachdem der Treibstoff ausgegangen war; das Suchgebiet grenzte man so ein. In der Luftverkehrskontrolle der beteiligten LĂ€nder herrschte stundenlang völlige Verwirrung, und es bleibt unklar, inwieweit das malaysische MilitĂ€r, das jedenfalls untĂ€tig blieb, ĂŒber den Vorfall informiert wurde. Der Abschlussbericht wurde am 30. Juli 2018 veröffentlicht. Zusammen mit diesem Bericht gab man die französische Behördenanalyse zum Flaperon, das am 29. Juli 2015 als erstes TrĂŒmmerteil auf der Insel RĂ©union entdeckt wurde, nach jahrelanger Verzögerung frei. Die Analyse der SchĂ€den an dieser FlĂŒgelklappe lĂ€sst vermuten, dass MH370 zum Zeitpunkt des Absturzes noch unter der Kontrolle eines Piloten stand.

Trotz der teuersten Suchaktion in der Geschichte der Luftfahrt mit Kosten von fast 150 Mio. Eurocite-ref-2[2] wurden das Wrack und der Flugschreiber bis heute nicht gefunden. Zahlreiche Staaten beteiligten sich an der Aktion, die sich zunĂ€chst auf die an Malaysia angrenzenden GewĂ€sser sowie ab dem 17. MĂ€rz 2014 auf den sĂŒdlichen Indischen Ozean konzentrierte. Seitdem koordinierte Australien die Suche nach dem verschollenen Zivilflugzeug. Bis zum 28. April 2014 suchte man 4,5 Millionen kmÂČ MeeresoberflĂ€che ab und gab es dann auf, nach treibenden TrĂŒmmern Ausschau zu halten. Vom 21. Mai bis 5. November 2014 kartographierte man ein durch die Satelliten- und Radardaten berechnetes Seegebiet von 150.000 kmÂČ, um eine umfangreiche Tiefseesuche nach dem Wrack durch Sonar und Unterwasserfahrzeuge vorzubereiten. Diese Tiefseesuche begann am 6. Oktober 2014 und wurde am 17. Januar 2017 ergebnislos eingestellt, nachdem 120.000 kmÂČ Meeresboden durchkĂ€mmt worden waren.cite-ref-3[3] Das Privatunternehmen Ocean Infinity unterzeichnete am 10. Januar 2018 einen Vertrag mit der malaysischen Regierung, auf Basis einer Bezahlung nur im Erfolgsfall (no cure, no fee) in dem Gebiet weiter nördlich nach dem Wrack zu suchen. Diese Arbeiten begannen am 21. Januar 2018 (MEZ) und wurden mit AnkĂŒndigung vom 29. Mai 2018 ebenfalls eingestellt, ohne dass man einen Hinweis auf das Wrack entdeckt hĂ€tte.cite-ref-infinity-4-0[4] Im Februar 2025 begann Ocean Infinity nach fast einem Jahr der Verhandlungen mit Malaysia erneut eine Suchaktion nach dem Hauptwrack, die auf 18 Monate angelegt ist.cite-ref-5[5]

Zwar hat man von einigen verschollenen Verkehrsflugzeugen bis heute keine physischen Hinweise gefunden, doch ist MH370 der einzige bis heute vermisste moderne Großraumjet, der zum Unfallzeitpunkt fĂŒr einen Passagierflug eingesetzt wurde, und zugleich derjenige, der am lĂ€ngsten als spurlos verschwunden galt. Erst im Juli 2015, ĂŒber 18 Monate nach dem Verschwinden, wurde ein erstes angespĂŒltes TrĂŒmmerteil vor Afrika gefunden. Die bis dahin historisch lĂ€ngste Suche bis zum Auffinden der ersten TrĂŒmmerteile eines solchen Passagierjets hatte bei dem 2007 verunglĂŒckten Adam-Air-Flug 574 zehn Tage gedauert. Der Vorfall gilt daher als eines der grĂ¶ĂŸten RĂ€tsel der Luftfahrtgeschichte.cite-ref-6[6]

Flugzeug

Das Flugzeug vom Typ Boeing 777-200ER mit dem Luftfahrzeugkennzeichen 9M-MRO und der Seriennummer 28420 war mit zwei Triebwerken vom Typ Rolls-Royce Trent 892 ausgestattet. Es bot Platz fĂŒr 282 Passagiere (35 in der Business Class, 247 in der Economy) und hatte eine Reichweite von etwa 12.800 km. Die Maschine wurde am 31. Mai 2002 ausgeliefert. Sie war somit zum Zeitpunkt des Zwischenfalls mit elf Jahren und neun Monaten nicht besonders alt.cite-ref-7[A 1] Das linke Triebwerk war neuer als das rechte, und die Triebwerke verbrauchten unterschiedlich viel Kerosin. Die Registrierungsurkunde musste 2006 ersetzt werden.cite-ref-8[E 1] Das Flugzeug war am 9. August 2012 in einen Flugunfall verwickelt, als es beim Taxiing auf dem Flughafen Shanghai-Pudong mit dem Heck eines anderen Flugzeugs kollidierte, wobei die rechte TragflĂ€chenspitze abriss.cite-ref-9[A 2] Die Maschine wurde am 23. Februar 2014 einem A-Check unterzogen, bei dem sich keine AuffĂ€lligkeiten zeigten. Das Flugzeug hatte ĂŒber 53.400 Betriebsstunden und 7526 FlĂŒge absolviert.

Passagiere und Besatzung

| NationalitÀt | Anzahl |
|---|---|
| China Volksrepublik Volksrepublik China | 152 |
| Malaysia Malaysia 1 | 0 50 |
| Indonesien Indonesien | 00 7 |
| Australien Australien | 00 6 |
| Indien Indien | 00 5 |
| Frankreich Frankreich | 00 4 |
| Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 00 3 |
| Iran Iran 2 | 00 2 |
| Kanada Kanada | 00 2 |
| Neuseeland Neuseeland | 00 2 |
| Ukraine Ukraine | 00 2 |
| Hongkong Hongkong 3 | 00 1 |
| Niederlande Niederlande | 00 1 |
| Taiwan Republik China (Taiwan) | 00 1 |
| Russland Russland | 00 1 |
| Gesamt (15) | 239 |
| 1 davon 12 Besatzung 2 benutzten gestohlene ReisepĂ€sse eines Italieners und eines Österreichers [ 8 ] 3 zunĂ€chst unter Festlandchina gefĂŒhrt, dann als BĂŒrgerin Hongkongs [ 9 ] | 1 davon 12 Besatzung 2 benutzten gestohlene ReisepĂ€sse eines Italieners und eines Österreichers [ 8 ] 3 zunĂ€chst unter Festlandchina gefĂŒhrt, dann als BĂŒrgerin Hongkongs [ 9 ] |

An Bord befanden sich zwölf Besatzungsmitglieder und 227 Passagiere aus 15 Nationen.

Die zwölfköpfige Besatzung setzte sich ausschließlich aus Malaysiern zusammen. Der 52-jĂ€hrige FlugkapitĂ€n Zaharie Ahmad Shah war seit 1981 fĂŒr Malaysia Airlines tĂ€tig und mit ĂŒber 18.000 Flugstunden sehr erfahren. Er war als PrĂŒfer autorisiert, Flugsimulatortests fĂŒr Piloten durchzufĂŒhren. Der 27-jĂ€hrige Erste Offizier Fariq Abdul Hamid war seit 2007 bei Malaysia Airlines beschĂ€ftigt und konnte 2813 Flugstunden vorweisen. Dieser Flug war fĂŒr den Ersten Offizier sein erster auf einer Boeing 777 nach erfolgreichem Abschluss seiner Typenumschulung, also der erste Flug ohne zusĂ€tzlichen Kopilotentrainer. Der KapitĂ€n war auf diesem Flug der Trainer des ersten Offiziers.cite-ref-13[A 3]

Rund zwei Drittel der 227 Passagiere waren Staatsangehörige der Volksrepublik China. Zu diesen gehörte eine Gruppe von 19 KĂŒnstlern, die von einer Ausstellung ihrer Arbeiten in Kuala Lumpur zurĂŒckkehrte, sowie ein bekannter Kung-Fu-Stuntman. 38 Passagiere stammten aus Malaysia.cite-ref-14[10] Unter den Passagieren befanden sich außerdem 20 chinesische und malaysische Angestellte von Freescale Semiconductor.cite-ref-15[11]

Zu den Passagieren zĂ€hlten weiter zwei junge Iraner, die mit gestohlenen PĂ€ssen unterwegs waren. Sie tĂ€uschten die IdentitĂ€ten eines Österreichers und eines Italieners vor, deren PĂ€sse zuvor in Thailand gestohlen worden waren. Die beiden MĂ€nner hatten AnschlussflĂŒge von Peking nach Amsterdam und von dort WeiterflĂŒge nach Frankfurt am Main und Kopenhagen gebucht. Auch weil ein Dritter die FlĂŒge der beiden in einem thailĂ€ndischen ReisebĂŒro gebucht und bar bezahlt hatte, erwogen die Ermittler zunĂ€chst einen terroristischen Hintergrund.cite-ref-16[12] Allerdings gab die internationale Polizeiorganisation Interpol wenige Tage nach dem Verschwinden der Maschine bekannt, dass es sich offenbar lediglich um illegale Immigranten handelte.cite-ref-bbc-no-terror-link-11-1[8] Interpol Ă€ußerte UnverstĂ€ndnis darĂŒber, dass die beiden Passagiere an Bord gehen konnten, obwohl die PassdiebstĂ€hle in der Stolen and Lost Travel Documents Database hinterlegt waren.cite-ref-17[13]

Die Aussagen dazu, ob weitere Personen mit falschen PĂ€ssen an Bord waren, widersprechen sich. Der Direktor der zivilen Luftfahrtbehörde berichtete am 10. MĂ€rz, es gebe Bedenken wegen fĂŒnf Passagieren, die nicht mitgeflogen seien.cite-ref-18[14] Der Chef der malaysischen Polizei teilte dagegen am folgenden Tag mit, alle Passagiere, die den Flug gebucht hatten, seien auch mitgeflogen; man prĂŒfe die Möglichkeit, ob ein Syndikat die beiden gestohlenen PĂ€sse bereitgestellt habe.cite-ref-19[15] Ein chinesischer StaatsbĂŒrger, dessen Reisepassnummer mit derjenigen eines Passagiers anderen Namens in der Passagierliste ĂŒbereinstimmte, hat das Flugzeug nie betreten, wie die chinesische Polizei feststellte.cite-ref-20[16]

Ende Mai 2016 wurde bekannt, dass zahlreiche malaysische Beamte am Flughafen in Kuala Lumpur, die möglicherweise etwas mit einem Syndikat von Menschenschmugglern zu tun hatten, das System zur elektronischen ÜberprĂŒfung von PĂ€ssen wiederholt sabotiert hatten. Die Computer seien auch von außen gehackt worden; man könne dies an sich von selbst bewegenden Cursorn sehen.cite-ref-21[17] Diese Manipulationen und SystemabstĂŒrze, bei denen die PĂ€sse nur manuell gestempelt wurden, kamen seit 2010 immer wieder vor.cite-ref-22[18] Erst im Juli 2014 fĂŒhrte man angesichts der SicherheitsmĂ€ngel bei MH370 ein elektronisches System ein, um die Passnummern mit Interpol abzugleichen.cite-ref-23[19]

Flugverlauf

RegulÀre Flugphase und Abbruch der Kommunikation

Die Maschine hob am 8. MĂ€rz 2014 um 00:42 Uhr Ortszeit (16:42 Uhr UTC am 7. MĂ€rz 2014)cite-ref-24[A 4] vom internationalen Flughafen in Kuala Lumpur ab. Sie hĂ€tte gegen 06:20 Uhr (dieselbe Zeitzone, 22:20 Uhr UTC) am 4350 Kilometer entfernten Zielflughafen in Peking ankommen sollen.cite-ref-report-25-0[20] Vor dem Abflug hatte der KapitĂ€n von MH370 mit 49.100 kg eine fĂŒr den Flug ĂŒbliche Menge Treibstoff angefordert, was einer Höchstflugdauer von gut siebeneinhalb Stunden entspricht. Zwei Minuten nach Erteilen der Starterlaubnis forderte ihn die Luftkontrolle auf, die standardisierte Abflugstrecke aufzugeben und geradewegs zu Wegpunkt IGARI zu fliegen. Gegen 01:01 Uhr war die Reiseflughöhe von 10.700 Metern (35.000 Fuß) laut einer Funknachricht erreicht.

Um 01:07 Uhr wurde der letzte ACARS-Bericht der aktuellen Flugzeugdaten – der nichts Ungewöhnliches und einen normalen Flug nach Peking zeigtecite-ref-26[21] – an die Bodenstation gesendet. Die nĂ€chste Übertragung hĂ€tte um 01:37 Uhr folgen mĂŒssen, blieb aber aus. ACARS sendet Positions- und Statusberichte in AbstĂ€nden sowie Fehlermeldungen oder Mitteilungen ĂŒber ungewöhnliche Vorkommnisse, wie etwa das Abschalten des Transponders oder FlugplanĂ€nderungen, in Echtzeit. Sekunden nach der letzten ACARS-Übertragung um 01:07 Uhr gab der KapitĂ€n unaufgefordert zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten die Reiseflughöhe durch und erhielt vom Boden aus ĂŒber Funk eine BestĂ€tigung. Als der halbstĂŒndliche ACARS-Bericht ausblieb, hĂ€tte das Kontrollzentrum von Malaysia Airlines die Crew von MH370 ĂŒber Textnachricht oder Satellitenanruf kontaktieren mĂŒssen.cite-ref-27[A 5]cite-ref-pings-28-0[22] Die wiederholte Durchsage der Reiseflughöhe ist eine Anomalie, die gelegentlich vorkommt und deren Ursache nicht geklĂ€rt werden konnte. Mit Erreichen der Reiseflughöhe wird es grundsĂ€tzlich zulĂ€ssig, dass einer der zwei Piloten das Cockpit verlĂ€sst.cite-ref-29[F 1]

„Goodnight Malaysian 370“ waren um 01:19:30 Uhr die letzten per Funk an die malaysische Luftverkehrskontrolle in Kuala Lumpur ĂŒbertragenen Worte aus dem Cockpit, gesprochen vom KapitĂ€n, der ab dem Start mit dem Boden kommunizierte. Nach den Bestimmungen der Fluggesellschaft ĂŒbernimmt der erste Offizier wĂ€hrend des Taxiings den Funkverkehr und ĂŒbergibt diesen ab dem Take off, wenn ihm selbst die Rolle des Pilot Flying zugewiesen wurde. Einer Stimmenanalyse zufolge stand der KapitĂ€n nicht unter Stress oder war beunruhigt. Man hatte ihn unmittelbar zuvor aufgefordert, das vietnamesische Kontrollzentrum in Ho-Chi-Minh-Stadt zu kontaktieren. Dabei bestĂ€tigte er nicht die zuvor durchgegebene Funkfrequenz.cite-ref-30[A 6]cite-ref-cnn11-31-0[23]cite-ref-32[F 2]

Wenige Sekunden nachdem das Flugzeug den Wegpunkt IGARI (waypoint-igari6,9385° N, 103,584° O6.9385103.584) ĂŒberflogen hatte, verschwand um 01:20:36 Uhr zunĂ€chst das Mode-S-Symbol sowie um 01:21:13 Uhr das Positionssymbol von MH370 vom SekundĂ€rradar der Luftverkehrskontrolle in Kuala Lumpur. Etwa gleichzeitig, spĂ€testens um 01:22 Uhrcite-ref-33[24], wurde das Verschwinden des Positionssymbols auch vom SekundĂ€rradar in Vietnam (auf der sĂŒdlich vorgelagerten Insel Con Soncite-ref-34[E 2]) und in Thailand sowie vom MilitĂ€rradar erfasst. SpĂ€ter stellte sich heraus, dass dies eine Folge des inaktiven Transponders war, der vom Cockpit aus abgeschaltet werden kann. Auf einem malaysischen MilitĂ€rradar war zu sehen, wie die Maschine zu diesem Zeitpunkt zunĂ€chst weiterhin in Richtung des nĂ€chsten vorgesehenen Wegpunkts BITOD (waypoint-bitod7,2648° N, 104,1183° O7.2648333333333104.11833333333) nach rechts wendete, unmittelbar darauf aber konstant nach links drehte. Zu dieser Zeit war die Wetterlage gĂŒnstig, fast wolkenlos.cite-ref-35[A 7]

Eine Simulation dieser Wende ergab, dass sie von Hand und mit einem sehr steilen bank angle (Rollwinkel) von 30°–32° geflogen wurde. Anschließend war wieder der Autopilot aktiviert. Dieses Manöver kann ein Pilot allein durchfĂŒhren.cite-ref-36[F 3]

Flug ĂŒber die Straße von Malakka

Erst am 15. MĂ€rz 2014 bestĂ€tigten offizielle Stellen, dass nach dem Erlöschen des Transpondersignals ein unbekanntes Flugobjekt Spuren in den Radardaten der malaysischen StreitkrĂ€fte hinterlassen hatte, die in der nördlichen Straße von Malakka mit Flugrichtung Andamanen anzusiedeln waren. Durch den Abgleich mit Satellitendaten von Inmarsat konnte man diese Radarspuren eindeutig Flug MH370 zuordnen.cite-ref-pmstatement-1-1[1]cite-ref-37[A 8] Zuvor hatte das malaysische MilitĂ€r lediglich angegeben, es bestehe die Möglichkeit, dass MH370 umgekehrt sei. Am 18. MĂ€rz, zehn Tage nach Verschwinden des Flugzeugs, gab ein Sprecher der thailĂ€ndischen Luftwaffe bekannt, auch das thailĂ€ndische Radar habe zur fraglichen Zeit – ab 01:28 Uhr – ein unidentifiziertes Flugzeug mit Kurs auf die Straße von Malakka erfasst. Da es sich außerhalb des thailĂ€ndischen Luftraums bewegte, habe man nichts weiter veranlasst. Diese Beobachtungen seien zunĂ€chst nicht weitergegeben worden, da man nicht danach gefragt worden sei – obwohl die Suche dadurch verzögert worden sein könnte.cite-ref-38[25] Die letzte Sichtung durch malaysisches MilitĂ€rradar folgte schließlich um 02:22 Uhr von Penang in Malaysia aus, als das Signal „abrupt“ endete, kurz hinter dem Wegpunkt MEKAR. Mit Veröffentlichung des Zwischenberichts vom 8. MĂ€rz 2015 wurde außerdem bekannt, dass die Maschine viermal im Überwachungsraum des zivilen PrimĂ€rradars in Kota Bharu aufgetaucht war.cite-ref-39[A 9] Die Zuordnung zu einzelnen Radaren ist in dem Bericht nicht immer eindeutig.

Der malaysische Verteidigungsminister, amtierende Verkehrsminister und Cousin des Premierministers, Hishammuddin Hussein,cite-ref-hussein-40-0[26] beklagte noch am 19. MĂ€rz, dass noch immer nicht alle in Frage kommenden Staaten ihre Radaraufzeichnungen zur VerfĂŒgung gestellt hĂ€tten.cite-ref-41[27] Laut Zwischenbericht vom 8. MĂ€rz 2015 hatte sich das indonesische MilitĂ€r in Medan nicht zu der Frage geĂ€ußert, ob MH370 nach der Kehrtwende gesichtet wurde, obwohl die Boeing nach der mutmaßlichen sĂŒdlichen Wende in den Luftraum von Indonesien eindrang.cite-ref-42[A 10] Die indonesischen Radardaten hĂ€tten daher eine sĂŒdliche Flugroute ausschließen oder bestĂ€tigen können. In den Tagen nach dem Verschwinden hatte das indonesische MilitĂ€r angegeben, das Flugzeug weder in Banda Aceh im Nordwesten von Sumatra noch in Sabang auf der vorgelagerten nördlichsten Insel Weh â€žĂŒber indonesischem Territorium“ entdeckt zu haben.cite-ref-43[28] Etwas spĂ€ter relativierte ein Sprecher des indonesischen Ministeriums fĂŒr Sicherheitsangelegenheiten, es sei möglich, dass der Passagierjet ĂŒber den Andamanen in westlicher Richtung unterwegs war und erst außerhalb der Radarerfassung nach SĂŒden geflogen sei. Die beiden Radare könnten in dieser Nacht abgeschaltet gewesen sein, der Sprecher bezeichnete dies aber als „GerĂŒcht“.cite-ref-44[29] Das indische Radar auf den weit vorgelagerten Inselgruppen Andamanen und Nikobaren arbeitet dagegen nicht durchgehend und war zu dieser Zeit womöglich abgeschaltet.cite-ref-45[30]

Die Auswertung der Radardaten der Nachbarstaaten hatte laut Darstellung eines ranghohen malaysischen Beamten gegenĂŒber CNN vom 6. April zwingend ergeben, die Linienmaschine sei nördlich des indonesischen Luftraums geflogen, bevor sie nach SĂŒden geschwenkt sei. Dies könne mit der Absicht geschehen sein, dem indonesischen Radar auszuweichen.cite-ref-cnn-0407-46-0[31] Hishammuddin Hussein widersprach jedoch, dies sei „unwahr“.cite-ref-47[32] Es bleibt also unklar, wann genau das Flugzeug nach SĂŒden abbog. Die Frequenzverschiebungen der Satellitenkommunikation um 18:40 Uhr UTC (2:40 MYT) verstand man zunĂ€chst so, dass es vor diesem Zeitpunkt nach SĂŒden geflogen sein muss. Sie lassen sich aber auch durch einen Sinkflug zu dieser Zeit erklĂ€ren. In diesem Fall könnte MH370 nordöstlich des vom ATSB berechneten Suchgebiets abgestĂŒrzt sein.cite-ref-neil-48-0[33]

Eine britische Seglerin, deren Yacht sich zum fraglichen Zeitpunkt in der NĂ€he von Banda Aceh nordwestlich von Sumatra befand, berichtete im Mai 2014 dem australischen Koordinationszentrum, sie habe möglicherweise MH370 in etwa halber Höhe im Vergleich zu ĂŒblichen Verkehrsflugzeugen gesehen.cite-ref-49[34] Sollte die Beobachtung stimmen, wĂ€re sie vielleicht der letzte Mensch, der MH370 gesehen hat.

Die Boeing 777 flog in dieser Phase auffĂ€llig entlang ĂŒblicher Routen und Wegpunkte der zivilen Luftfahrt und Ă€nderte dabei ihren Kurs. Laut einem Bericht der australischen Verkehrssicherheitsbehörde ATSB (Australian Transport Safety Bureau) vom 26. Juni 2014 ist sie etwa zum Zeitpunkt des Verschwindens vom Wegpunkt IGARI westlich nahe den Punkten VAMPI, MEKAR, NILAM und möglicherweise IGOGU geflogen.cite-ref-50[B 1] Dagegen nahmen Medienberichte ab dem 14. MĂ€rz an, das Passagierflugzeug sei von VAMPI aus nördlich in Richtung des Wegpunkts GIVAL unterwegs gewesen und von dort aus nordwestlich in Richtung des Punkts IGREX, der nach Europa fĂŒhrt.cite-ref-51[35] Im Abschlussbericht gab das ATSB schließlich an, MH370 habe auf dem Weg nach Penang vier weitere Wegpunkte passiert oder sei nahe daran vorbeigekommen. Ein Flugsegment auf der Luftstraße N571 bis VAMPI ist durch die Route eines weiteren Flugzeugs, das sich 33 Seemeilen hinter MH370 befand – gemeint ist Emirates-Flug 343 –, sogar genau dokumentiert.cite-ref-52[E 3] Vermutlich Ă€nderte jemand an Bord mehrmals den Kurs, indem er den Flugcomputer umprogrammierte, in dem diese Wegpunkte eingegeben werden können.cite-ref-nyt-jetpath-53-0[36]

Mit der Vorabveröffentlichung einer Studie im Auftrag der australischen Regierung wurde Ende 2015 bekannt, dass Australien nur die digitalen Radaraufzeichnungen bis 02:01:49 Uhr mit Koordinaten und Höhenangaben, durchgehend in 10-sekĂŒndigen AbstĂ€nden, zur VerfĂŒgung standen, als das Flugzeug in Richtung des Wegpunktes VAMPI steuerte. FĂŒr den anschließenden Verlauf liegt lediglich ein Bericht ĂŒber eine Positionsangabe um 02:22:12 vor, die aufgrund der Fernsichttechnik als ungenau gilt.cite-ref-54[37] Allerdings zeigt eine an die Presse geleakte Aufnahme, die den Angehörigen am 21. MĂ€rz 2014 im Lido-Hotel in Peking prĂ€sentiert wurde, diesen vorletzten und letzten Radarblip sowie weitere Blips zwischen den Wegpunkten VAMPI und MEKAR, mit Zeitstempeln.cite-ref-55[38] Ein hochrangiger ATSB-Mitarbeiter spekulierte darĂŒber, dass fĂŒr den Flugverlauf nach 18:01 Uhr keine digitalen Aufzeichnungen, sondern vielleicht nur Videoaufnahmen oder SchnappschĂŒsse vorliegen.cite-ref-neil-48-1[33] Laut Abschlussbericht liegen durchgehende Daten des malaysischen MilitĂ€rradars bis 02:03:09 Uhr vor, dann wieder ab 02:15:25 Uhr bis 02:22:12 Uhr.cite-ref-56[F 4] Diese Angaben widersprechen dem im Lido-Hotel gezeigten Bild.

Man vermutet außerdem, dass die Maschine in dieser Phase ihres Flugs wiederholt Geschwindigkeit und Höhe geĂ€ndert hat. Die Höhenangaben gelten aber als beschrĂ€nkt zuverlĂ€ssig, da die mutmaßlichen Änderungen der Flughöhe nicht vom Transponder ĂŒbermittelt, sondern von teilweise weit entfernten militĂ€rischen und zivilen PrimĂ€rradaren gemessen wurden. Im Gegensatz zu hochprĂ€zisen Werten zur horizontalen Position verzerren bereits geringe atmosphĂ€rische Effekte die gemessene Flughöhe eines erfassten Objekts deutlich. So berichtete zunĂ€chst die New York Times vom 15. MĂ€rz 2014 unter Berufung auf amerikanische Behördenvertreter, welche die Radaraufzeichnungen eingesehen hatten, die Maschine solle laut MilitĂ€rradar kurz nach dem Verschwinden von ursprĂŒnglich 10.700 Meter Flughöhe bis auf 13.700 Meter aufgestiegen sein – deutlich höher als fĂŒr diesen Flugzeugtyp zulĂ€ssig. Nach der Kehrtwende sei sie dann ĂŒber Penang rapide und ungleichmĂ€ĂŸig bis auf etwa 7.000 Meter gesunken – deutlich unterhalb der normalen Reiseflughöhe.cite-ref-nyt1-57-0[39] Diese Daten sind auch deshalb unzuverlĂ€ssig, weil das Radar nicht genau auf die momentanen atmosphĂ€rischen VerhĂ€ltnisse kalibriert war. Daher bezweifelte man spĂ€ter einen ungleichmĂ€ĂŸigen Sinkflug; die Boeing 777 soll unbeschĂ€digt und kontrolliert geflogen sein.cite-ref-nyt2-58-0[40] Der offizielle Zwischenbericht machte zur Flughöhe aufgrund von Daten des zivilen PrimĂ€rradars nur punktuelle Angaben: dass MH370 sich um 01:30 Uhr nur wenig oberhalb der ursprĂŒnglichen Reisehöhe befand, in den nĂ€chsten 10 Minuten unstetig an Höhe verlor und außerdem deutlich schneller flog als vor dem Verschwinden (bis zu 529 kn ĂŒber Grund, gemessen um 01:39:59 Uhr).cite-ref-59[A 11] Die mit der Suche beauftragte australische Behörde ATSB verwarf die Ergebnisse des MilitĂ€rradars (zwischen 5.000 und 50.000 Fuß), da sie unvereinbar mit der Geschwindigkeit von MH370 sind, und legt zur Berechnung des Treibstoffverbrauchs in dieser Phase eine Höhe um 9.150 Meter (30.000 Fuß) zugrunde.cite-ref-height-60-0[41]cite-ref-61[F 5] Eine in ihrem Auftrag erarbeitete Studie kam zu dem Schluss, das Flugzeug sei bis zur vorletzten Radarsichtung von 18:02 Uhr etwas niedriger und schneller, spĂ€ter wieder etwas höher und langsamer unterwegs gewesen.cite-ref-62[42]

Auf diesem Flugabschnitt wurde ein Kontakt mit dem Mobiltelefon des Kopiloten registriert. Der Kopilot soll dieses wieder angeschaltet haben, nachdem er es vorschriftsgemĂ€ĂŸ vor dem Abflug ausgeschaltet hatte, allerdings ist nicht klar, ob er auch versucht hat, damit anzurufen.cite-ref-63[43] Anrufe von Personen aus dem Flugzeug wurden hingegen nicht registriert.cite-ref-64[44] Hishammuddin Hussein dementierte dabei entsprechende Pressemeldungen.cite-ref-65[45] Erst der Abschlussbericht des ATSB vom Oktober 2017 bestĂ€tigte erstmals offiziell die Richtigkeit dieser Angabe.cite-ref-66[E 4] Die Netzeinwahl des GerĂ€tes wurde um 01:52 Uhr, also ungefĂ€hr 30 Minuten nachdem das Flugzeug die vorgesehene Route verlassen hatte, von einem Mobilfunkmast auf Penang registriert.cite-ref-67[F 6]

Mutmaßlicher Flug in Richtung sĂŒdlicher Indischer Ozean

Ab dem 13. MĂ€rz 2014 wurde durch erste Presseberichte bekannt: Das Flugzeug hatte sĂŒdwestlich der indonesischen Insel Sumatra offenbar abermals die Richtung geĂ€ndert und war anschließend noch stundenlang weitergeflogen. In einer Stellungnahme am 15. MĂ€rz 2014 gab Malaysias Premierminister Najib Razak bekannt, dass noch um 08:11 Uhr am 8. MĂ€rz 2014 (00:11 Uhr UTC), also mehr als eine Stunde nachdem das Flugzeug planmĂ€ĂŸig in Peking hĂ€tte eintreffen sollen, ein vollstĂ€ndiger Handshake des Flugzeuges mit der Bodenstation ĂŒber einen Satelliten erfolgt sei. Dies bedeutet, dass die Bodenstation eine automatisch erzeugte stĂŒndliche Anfrage an die Satellitendateneinheit des Flugzeugs schickte, die diese automatisch erwiderte. Das allein ermögliche aber keine exakte Ortung. Den Laufzeiten des Signals (Burst Time Offset – BTO-Werte) zufolge habe sich das Flugzeug zu dieser Zeit in einem von zwei „Korridoren“ befunden. Der nördliche Korridor erstrecke sich ĂŒber Nordthailand bis nach Kasachstan, der sĂŒdliche fĂŒhre ĂŒber Indonesien auf das offene Meer des sĂŒdlichen Indischen Ozeans hinaus.cite-ref-pmstatement-1-2[1]

Am spĂ€ten Abend des 24. MĂ€rz berichtete der Premierminister, eine verfeinerte Analyse der aufgefangenen Satellitendaten habe ergeben, dass der Flug der verschollenen Boeing 777 im sĂŒdlichen Indischen Ozean, westlich von Perth, geendet habe. Von der letzten erschlossenen Position aus sei keine Landemöglichkeit mehr erreichbar gewesen.cite-ref-69[47]

Um den Kurs zu bestimmen, wurde die durch den Dopplereffekt hervorgerufene Frequenzverschiebung der vom Flugzeug ausgesandten Signale gemessen (BFO-Werte); daraus ließ sich die Bewegung der Maschine relativ zum Satelliten ermitteln. Die zusĂ€tzliche Speicherung der Frequenzverschiebungen hatte der Betreiber Inmarsat nach dem Unfall von Air-France-Flug 447 eingefĂŒhrt, da es schon damals sehr schwierig war, das Wrack zu orten.cite-ref-70[E 5] Die Satellitenverbindung ĂŒbermittelt unter anderem die ACARS-Daten, die aber bei MH370 nicht mehr gesendet wurden. Durch Abgleich mit den Signalen anderer B777-Flugzeuge und deren Dopplereffekten ergab sich der sĂŒdliche Korridor als einzige plausible Möglichkeit. Die jeweiligen AbstĂ€nde zum Satelliten waren durch die BTO-Werte von insgesamt fĂŒnf vollstĂ€ndigen Handshakes bekannt. Diese Handshakes oder Pings gab die Bodenstation automatisch ab, um die VerfĂŒgbarkeit der Verbindung zu testen. Durch zwei Anrufe ĂŒber Satellitentelefon wurde der stĂŒndliche Timer wieder zurĂŒckgesetzt. Da die beiden Anrufe ĂŒber andere KanĂ€le ĂŒbertragen wurden, liegen fĂŒr sie keine BTO-Werte vor. Es gibt aber BTO-Werte fĂŒr den vom Flugzeug veranlassten Logon ab 02:25 Uhr Ortszeit (18:25 UTC).cite-ref-71[C 1]

Diese Aufzeichnungen analysierten Fachleute in den folgenden Monaten weiter; sie verlegten in der Folge mehrmals das mutmaßliche Absturzgebiet. Allein anhand dieser Daten lĂ€sst sich nicht klĂ€ren, wo genau das Ende von MH370 auf der siebten Bogenlinie zu verorten ist, so dass sich ein riesiges Gebiet ergibt. Den unvollstĂ€ndigen Handshake um 08:19 Uhr Ortszeit (00:19 Uhr UTC), genauer gesagt einen vom Flugzeug ausgehenden Logon, erklĂ€rte man spĂ€ter so, dass zu diesem Zeitpunkt der Treibstoff ausgegangen und die Satellitenverbindung ausgefallen war, aber durch Notstrom nochmals selbsttĂ€tig hochgefahren wurde. Die Analyse fĂŒhrten Ermittler verschiedener LĂ€nder durch; sie hat zu einer wissenschaftlich begutachteten Publikation von Inmarsat-Mitarbeitern inklusive der mathematischen Grundlagen gefĂŒhrt. Eine Grundannahme fĂŒr das sĂŒdliche Suchgebiet war, dass jemand den Autopiloten bewusst auf eine gerade Linie in den sĂŒdlichen Indischen Ozean programmierte. Das frĂŒhere, nördliche Suchgebiet war unter der Voraussetzung eines Weiterflugs nach Beendigung einer bestimmten Flugroute gewĂ€hlt worden, die aber schlecht zu den ersten Ping-Ringen passt. Eine ausgleichende Position ist der Inmarsat Hotspot (inmarsat-hotspot34° 42â€Č S, 93° 0â€Č O-34.793), der unterstellt, dass zunĂ€chst der Wegpunkt ISBIX sĂŒdwestlich von Sumatra angesteuert wurde.cite-ref-72[B 2]cite-ref-73[C 2] Zum Zeitpunkt des Unfallflugs war das australische Überhorizontradar JORN außer Betrieb.cite-ref-74[48]

Theorien zum Flugende

Um das Suchgebiet einzugrenzen, ging das ATSB aufgrund einer Simulation davon aus, das Flugzeug sei, nachdem der Treibstoff ausgegangen war, in einen immer steileren Sinkflug ĂŒbergegangen und somit nahe der siebten Bogenlinie abgestĂŒrzt. Unter Pilotensteuerung hĂ€tte die Maschine allerdings noch bis zu etwa 230 km jenseits der siebten Bogenlinie im Gleitflug zurĂŒcklegen können. Die Teams suchten zunĂ€chst bis zu 40 km links und 60 km rechts der Bogenlinie.cite-ref-75[B 3] SpĂ€ter wurde das Gebiet auf 75 km (40 Seemeilen) Abstand in beide Richtungen erweitert.

Auf Grundlage einer Analyse von Boeing zum letzten, unvollstĂ€ndigen Handshake nimmt das ATSB außerdem an, dass die Satellitendateneinheit nach dem Ausfall beider Triebwerke wieder mit Strom aus dem Hilfstriebwerk (APU) versorgt wurde und sich daher nochmals in die Bodenstation einloggte. Demnach fiel zunĂ€chst das rechte Triebwerk aus; das Flugzeug konnte danach nicht höher als 29.000 Fuß gewesen sein. 15 Minuten spĂ€ter, gegen 08:17:30 Uhr, fiel auch der linke Motor aus, mit der Folge, dass Hilfstriebwerk und Ram-Air-Turbine ansprangen. Das Hilfstriebwerk hĂ€tte unter gĂŒnstigsten Bedingungen Strom fĂŒr bis zu 13:45 Minuten bereitgestellt. Es vergeht jeweils etwa eine Minute, bis die SDU wieder mit Strom versorgt wird und bis sie anschließend einen Logon initiiert. Um 08:19:29 Uhr wurde ein Logon aufgezeichnet; im Unterschied zum vorausgehenden Logon (ab 02:25 Uhr) gab es keine Nachricht des Flugunterhaltungssystems mehr, die um 08:21:06 Uhr zu erwarten gewesen wĂ€re. Entweder war dieses vom Cockpit aus abgeschaltet, das Hilfstriebwerk ausgefallen oder das Flugzeug schon abgestĂŒrzt oder aufgrund einer ungewöhnlichen Fluglage bereits außerhalb der Sichtlinie des Satelliten. Eine kontrollierte Wasserung sei in dem Szenario laut ATSB unwahrscheinlich.cite-ref-76[49]

FĂŒr einen steilen Absturz spricht der Wert des Dopplereffekts des Satellitensignals beim letzten, unvollstĂ€ndigen Handshake, da dieser auf eine schnelle vertikale Bewegung hindeutet. Allerdings wird zumindest der letzte von beiden Werten als eventuell durch den Logonvorgang verzerrt angesehen.cite-ref-77[C 3] Die Frequenzverschiebungen dieser beiden BFO-Werte hat man mit frĂŒheren Daten von 9M-MRO verglichen. Wie das internationale Ermittlerteam dabei feststellte, verursachte die AufwĂ€rmphase des Oszillators die Verschiebungen. Weitere Faktoren sind die Fehlertoleranz der BFO-Werte sowie die unbekannte Richtung des Flugzeuges. Trotz dieser Unsicherheiten kann die Sinkrate beim ersten BFO-Wert um 08:19:29 Uhr auf 3.800 bis 14.200 Fuß/Minute sowie die des zweiten um 08:19:37 Uhr auf 14.600 bis 25.000 Fuß/Minute eingegrenzt werden. Eine Untersuchung der beiden gut erhaltenen rechten FlĂŒgelklappen (siehe unten) ergab, dass das outboard flap sehr wahrscheinlich im FlĂŒgel eingezogen und das Flaperon vermutlich in neutraler Stellung war.cite-ref-78[50] Das deutet auf einen unkontrollierten Absturz hin.

In einem im Mai 2018 veröffentlichten Buch (MH370: Mystery Solved) argumentiert der pensionierte kanadische Flugunfallermittler Larry Vance, das ATSB habe wichtige Indizien zum Schadensbild der FlĂŒgelklappen unterschlagen, um die anfĂ€ngliche ErklĂ€rung mit einem unkontrollierten Absturz aufrechtzuerhalten. Seiner Ansicht nach wĂ€ren bei einem Aufschlag mit hoher Geschwindigkeit das rechte flaperon und outboard flap nicht so gut erhalten. Die ErosionsschĂ€den an den beiden trailing edges ließen außerdem vermuten, dass beide Klappen in Landekonfiguration in Kontakt mit dem Meerwasser kamen, nachdem zunĂ€chst die Triebwerke abgefallen waren. Beide TrĂŒmmerteile wiesen keine charakteristischen Merkmale auf, die fĂŒr Flutter-SchĂ€den sprechen könnten, mit denen die Vertreter der Theorie eines unkontrollierten Absturzes den Zustand der Klappen erklĂ€ren wollen. Stattdessen sei das Schadensbild charakteristisch fĂŒr ausgefahrene Klappen und waagerechte FlĂŒgelstellung beim Aufsetzen auf dem Wasser. Andere TrĂŒmmerteile, wie die Fragmente von Heckflosse und Leitwerken sowie die Teile aus dem Innenraum, unterstĂŒtzen diese Vorstellung nicht, können aber auch damit erklĂ€rt werden, dass das Leitwerk von TrĂŒmmern getroffen und Teile aus dem Innenraum hinausgespĂŒlt wurden. Der letzte, unvollstĂ€ndige Handshake sei nicht durch das Treibstoffende verursacht, sondern durch einen unbekannten manuellen Eingriff des Piloten in die Elektronik.cite-ref-79[51] Bei einer Anhörung im australischen Senat schloss Peter Foley, der die erfolglose Suche durch das ATSB geleitet hatte, aus, dass die FlĂŒgelklappen in Landekonfiguration standen, jedoch widersprach er nicht der Möglichkeit, dass MH370 kontrolliert und mit waagerechter FlĂŒgelposition auf der MeeresoberflĂ€che aufsetzte und sich so das Schadensbild an den Klappen erklĂ€ren lasse. Eine Wasserung vor Treibstoffende und mit funktionierender Hydraulik, wie sie von einem professionellen Piloten zu erwarten wĂ€re, sei allerdings angesichts des Reboots und der Dopplerwerte sehr unwahrscheinlich.cite-ref-80[52]

Die erst am 30. Juli 2018 freigegebene Schadensanalyse der Direction gĂ©nĂ©rale de l’armement (DGA), die im Auftrag der französischen Justiz das flaperon untersucht hatte (die schriftliche Fassung datiert auf den 26. Juli 2016), kommt zu Ă€hnlichen Ergebnissen: Die französischen Ermittler glauben ausschließen zu können, dass sich die Klappe noch wĂ€hrend des Fluges durch Flutter vom FlĂŒgel getrennt hat, da in diesem Fall das leading edge zuerst auf das Wasser aufgeschlagen wĂ€re und deutlich stĂ€rker beschĂ€digt sein mĂŒsste. Da die untere FlĂ€che des trailing edge nach oben weggedrĂŒckt wurde, liege es nahe, dass dieser Bereich möglicherweise sogar in zur Landung ausgefahrener Stellung zuerst auf das Wasser schlug und das flaperon dadurch am leading edge vom FlĂŒgel abbrach. Die Autoren beklagen, Boeing habe sich geweigert, ausreichend Daten zur VerfĂŒgung zu stellen, um diese Hypothese abschließend bestĂ€tigen zu können.cite-ref-81[53] Diese ErklĂ€rung setzt voraus, dass der Passagierjet zum Zeitpunkt des Absturzes von einem Piloten gesteuert wurde. Die Zeitung Le Monde hatte hierĂŒber bereits am 4. September 2014 berichtet, als die französischen Opferangehörigen ĂŒber Zwischenergebnisse informiert wurden.cite-ref-82[54] Der FlugkapitĂ€n einer Boeing 777 im asiatischen Raum und Ausbilder Simon Hardy – der in der Wende bei Penang einen emotionalen Abschiedsgruß an den Heimatort des FlugkapitĂ€ns von MH370 siehtcite-ref-83[55] – hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass der Pilot von MH370 nach der letzten Satellitenverbindung das Flugzeug abgefangen, in einen Gleitflug ĂŒberfĂŒhrt und auf diese Weise noch bis etwa 100 Seemeilen zurĂŒckgelegt haben könnte.cite-ref-84[56] Zudem hat Vincent Lyne nachweisen können, dass die beiden letzten BFO-Werte nicht notwendigerweise fĂŒr einen steilen Absturz sprechen, sondern damit erklĂ€rt werden können, dass sich MH370 bereits in einer ditching-Konfiguration mit ausgefahrenen FlĂŒgelklappen befand, die den BFO-Wert verzerrt haben.cite-ref-85[57]

Der Abschlussbericht zieht die Annahme, dass das flaperon zur Wasserung ausgefahren war, in Zweifel, da seitdem die weiteren oben beschriebenen Funde hinzugekommen sind, die zeigen, dass die Klappen nicht in Landekonfiguration waren. Demnach deuteten vielmehr gemeinsame SchĂ€den an flaperon und outboard flap darauf hin, dass beide gleich ausgerichtet waren. Dennoch zeigen auch die TrĂŒmmer aus dem Innenraum ein Auseinanderbrechen des Flugzeuges an, entweder beim Aufprall auf das Wasser oder noch in der Luft, wobei keines der TrĂŒmmerteile Spuren von Sprengstoff aufweist.cite-ref-86[F 7]

Reaktionen der Flugverkehrskontrolle

Die unmittelbaren Reaktionen auf den Verlust von Radar- und Funkkontakt haben zu Kritik an den malaysischen Behörden sowie zu juristischen Auseinandersetzungen durch Angehörige gefĂŒhrt. Die VorgĂ€nge sind bislang noch nicht untersucht oder aufgeklĂ€rt worden, der grobe zeitliche Ablauf ist aber bekannt. Die Kommunikationsprotokolle der Fluglotsen der beteiligten Luftverkehrskontrollen veröffentlichte man im Zwischenbericht vom 8. MĂ€rz 2015. Die Angaben des Kontrollzentrums von Malaysia Airlines und die LogbucheintrĂ€ge des diensthabenden Vorgesetzten der malaysischen Luftverkehrskontrolle in Kuala Lumpur hatte schon der erste vorlĂ€ufige Bericht zusammengefasst. Die verantwortliche Abteilung war zwischen 0 Uhr und 6 Uhr unterbesetzt, um 3 Uhr wechselte das Personal.cite-ref-87[A 12] Der Notfall wurde erst wĂ€hrend der Dienstzeit des neuen Controllers ausgerufen. Dieser war anscheinend ĂŒber den Vorfall kaum im Bilde.

Eine erste Anfrage der vietnamesischen Luftverkehrskontrolle in Ho-Chi-Minh-Stadt ĂŒber den Verbleib des Flugzeugs kam demnach um 01:39 Uhr, also nicht wie vorgeschrieben innerhalb von fĂŒnf Minuten nach der Übergabe. Ho-Chi-Minh-Stadt hatte zuvor vergeblich versucht, die Piloten ĂŒber Funk zu kontaktieren, und auch Flugzeuge in der NĂ€he darum gebeten, ohne dass jemand an Bord der Triple Seven geantwortet hĂ€tte. Laut Aussage des Fluglotsen verschwand MH370 beim Wegpunkt BITOD (im vietnamesischen Luftraum); dieser Irrtum klĂ€rte sich erst um 05:20 Uhr auf. Um 01:41 Uhr versuchte Kuala Lumpur MH370 erfolglos zu erreichen – der diensthabende Vorgesetzte löste aber nicht wie vorgeschrieben eine Alarmphase (Uncertainty Phase) aus, durch welche die LuftraumĂŒberwachung der Nachbarstaaten ĂŒber das vermisste Flugzeug benachrichtigt worden wĂ€re. Um 02:03 Uhr schickte das Kontrollzentrum von Malaysia Airlines via ACARS eine Textnachricht an das Flugzeug, mit der Aufforderung, Ho-Chi-Minh-Stadt zu kontaktieren. Der Uplink der Nachricht wurde gleich darauf als unterbrochen angezeigt, da die Verbindung mit der Satellitendateneinheit zu dieser Zeit nicht funktionierte. Die in zweiminĂŒtigem Abstand fĂŒr die nĂ€chsten 40 Minuten automatisch folgenden weiteren Versuche blieben ebenfalls ohne Antwort. Die automatische Downlink-Nachricht von ACARS zum Boden zeigte „gescheitert“ an. Im Zwischenbericht reicht das ACARS-Protokoll des Netzwerkanbieters SITA allerdings nur bis 02:15 Uhr; die Inmarsat-Daten belegen nur zwei solche Versuche,cite-ref-88[A 13]cite-ref-report-25-1[20]cite-ref-89[58]cite-ref-90[59] wohl deshalb, weil sich die Verbindung automatisch ausloggte. Ab 02:25 Uhr war die Satellitenverbindung zum Flugzeug jedenfalls wieder vorhanden. Wie sich erst nach Veröffentlichung des Abschlussberichts dank vorausgehender unabhĂ€ngiger Ermittlungen herausstellte, hatte das Verkehrsministerium eine zweite Nachricht des Kontrollzentrums von Malaysia Airlines in allen Berichten unterschlagen. Diese Nachricht wurde gegen 02:39 Uhr verschickt und lautete: „Liebe MH370, bitte bestĂ€tigen Sie die Testnachricht. GrĂŒĂŸe Operation Center“ (DEAR MH370. PLS ACK TEST MSG. RGDS/OC).cite-ref-91[60]

Bei einem Verlust von Radar- und Funkkontakt ist vorgeschrieben, zu klĂ€ren, welches Land weitere Maßnahmen zu ergreifen hat. Gleichwohl teilte Kuala Lumpur um 02:04 Uhr Ho-Chi-Minh-Stadt eine Angabe des Kontrollzentrums von Malaysia Airlines mit, wonach das Flugzeug sich ĂŒber Kambodscha und somit außerhalb des vietnamesischen Luftraums befinde. Ho-Chi-Minh-Stadt wandte sich daraufhin an die Luftverkehrskontrolle in Kambodscha, die angab, dass die Linienmaschine nicht in ihrem Luftraum sei. Um 02:06 Uhr meldete der ACARS-Positionsbericht, das Flugzeug sei nicht in das Satellitensystem eingeloggt gewesen. Gleichwohl bestĂ€tigte gegen 02:15 Uhr das Kontrollzentrum von Malaysia Airlines gegenĂŒber dem Vorgesetzten in Kuala Lumpur, dass MH370 in Kambodscha sei wie in dessen Logbuch vermerkt, und wies darauf hin, dass Signale ausgetauscht wĂŒrden. Um 02:19 Uhr bestĂ€tigte Ho-Chi-Minh-Stadt auf Anfrage von Kuala Lumpur, dass die vorgesehene Flugroute von MH370 nicht ĂŒber Kambodscha, sondern ĂŒber Vietnam fĂŒhren sollte. Unklar bleibt, ob die darauf folgende Anfrage Malaysia Airlines erreicht hat. Gegen 02:35 Uhr, also 10 Minuten nachdem die Satellitenverbindung wieder da war, bestĂ€tigte Malaysia Airlines auf Anfrage des Vorgesetzten in Kuala Lumpur, dass die Textnachricht das Flugzeug erreicht habe und dieses weiterhin einen Positionsbericht an die Fluggesellschaft sende, und ĂŒbermittelte die Koordinaten – wonach das Flugzeug auf der vorgesehenen Route im nördlichen vietnamesischen Luftraum verortet wurde. Kuala Lumpur forderte Malaysia Airlines dabei auf, MH370 via Satellitentelefon zu kontaktieren und sich anschließend wieder zu melden. Unmittelbar darauf gab Kuala Lumpur die Koordinaten an Ho-Chi-Minh-Stadt weiter, wo die Angabe geprĂŒft und spĂ€ter Kuala Lumpur mitgeteilt wurde, das Flugzeug habe nicht erreicht werden können. Um 2:40 Uhr rief Malaysia Airlines zum ersten Mal das Cockpit an. Da die Satellitenverbindung seit 02:25 Uhr wieder funktionierte, wurde der Anruf durchgestellt, aber nicht beantwortet. Gegen 03:30 Uhr teilte Malaysia Airlines Kuala Lumpur mit, dass der Positionsbericht auf einer Prognose der vorgesehenen Flugroute im Flight Explorer beruhe und „nicht verlĂ€sslich“ sei, um die Position von MH370 zu bestimmen. Dies ist ebenfalls im Logbuch des Vorgesetzten vermerkt. Um 03:56 Uhr meldete das Kontrollzentrum von Malaysia Airlines auf Anfrage dem neuen Fluglotsen von Kuala Lumpur, es gebe noch keine Neuigkeiten; man wolle aber versuchen, das Flugzeug zu kontaktieren.cite-ref-92[A 14]cite-ref-report-25-2[20]cite-ref-93[61] Es ist unbekannt, ob Malaysia Airlines die Luftverkehrskontrolle oder irgendeine andere Instanz jemals darĂŒber informiert hat, dass die beiden ACARS-Nachrichten nicht durchkamen und der Anruf durchging, aber nicht beantwortet wurde.

MilitĂ€rische Quellen gaben gegenĂŒber Reuters an, die MilitĂ€rbasis Butterworth in Penang (an der malaysischen WestkĂŒste) sei von der zivilen Luftkontrolle in Kuala Lumpur gegen 2 Uhr benachrichtigt worden, das Flugzeug werde vermisst. Man habe aufgrund der Angaben von Kuala Lumpur geglaubt, dass es technische Schwierigkeiten habe und deshalb in Richtung eines Flughafens unterwegs sei. Auf dem MilitĂ€rradar sei ein entsprechendes Flugobjekt entdeckt worden. Da es somit als „nicht feindlich“ bewertet wurde, habe man nichts veranlasst.cite-ref-milit-r-94-0[62] Es sei ĂŒber den Flughafen Penang auf das offene Meer hinaus weggeflogen, nachdem es den Flughafen Kota Bharu an der OstkĂŒste ĂŒberquert hatte.

Um 05:09 Uhr erkundigte sich das Kontrollzentrum von Singapur im Auftrag von Hongkong ĂŒber das Ausbleiben von MH370 im chinesischen Luftraum. Auf telefonische Anfrage von Kuala Lumpur um 05:20 Uhr teilte das Kontrollzentrum von Malaysia Airlines seine Vermutung mit, dass MH370 angesichts des letzten Funkkontakts den Luftraum von Malaysia nie verlassen habe. Der Fluglotse in Kuala Lumpur, der nach 3 Uhr seinen Dienst angetreten hatte, bestĂ€tigte diese Mitteilung. Er versprach, seinen Vorgesetzten zu wecken, um zu ĂŒberprĂŒfen, wann der letzte Kontakt stattgefunden hatte. Ho-Chi-Minh-Stadt hatte bereits um 04:25 Uhr erfolglos versucht, persönlich mit dem Vorgesetzten zu sprechen.cite-ref-95[A 15]

Der damalige Chef von Malaysia Airlines, Hugh Dunleavy, berichtete in einem Interview, dass er gegen 4 Uhr morgens eine Notfallnachricht erhalten und sich zum Kontrollzentrum in Kuala Lumpur begeben habe. Alle Verantwortlichen von Malaysia Airlines hĂ€tten in den ersten Stunden geglaubt, das Flugzeug sei vom Kurs abgelenkt worden und stundenlang weitergeflogen, aber nicht abgestĂŒrzt. Da keine Kommunikation mit MH370 zustande kam, sei er ĂŒberzeugt gewesen, dass es sich nicht um eine EntfĂŒhrung handeln konnte. Die Angehörigen hĂ€tten ihm das aber nicht geglaubt und seien von einer terroristischen EntfĂŒhrung ausgegangen, ĂŒber die die Airline sie im Unklaren lasse.cite-ref-96[63]

Die Luftverkehrskontrolle in Kuala Lumpur aktivierte um 05:30 Uhr, ĂŒber vier Stunden nach dem Verschwinden vom Radarschirm, das Rettungskoordinationszentrum (Koordinierung der Suche durch das MilitĂ€r). Dort rief man eine Stunde und zwei Minuten spĂ€ter ĂŒber das Aeronautical Telecommunications Network, ein internationales Netzwerk von Luftverkehrskontrollen der einzelnen LĂ€nder, den Notfall aus. Das entsprechende Dokument des Rettungskoordinationszentrums, das vom zivilen Luftfahrtamt eingegangen war, enthielt keinen offiziellen Stempel. Das erste malaysische Rettungsflugzeug startete um 11:30 Uhr. Nach den Vorschriften hĂ€tte der diensttuende Vorgesetzte das Rettungskoordinationszentrum innerhalb von drei Minuten nach der Ankunftszeit im vietnamesischen Luftraum – fĂŒr 01:22 Uhr geplant, tatsĂ€chlich um 01:21 Uhr – alarmieren und außerdem das MilitĂ€r verstĂ€ndigen sollen.cite-ref-97[A 16]cite-ref-report-25-3[20]

Nachdem die Linienmaschine ihre planmĂ€ĂŸige Ankunft in Peking um 06:20 Uhr Ortszeit (22:20 UTC) verpasst hatte, verlangte der Vorgesetzte in Ho-Chi-Minh-Stadt um 06:36 Uhr vergeblich, mit dem Vorgesetzten in Kuala Lumpur zu sprechen. Um 06:50 Uhr wollte auch Singapur mit dem Vorgesetzten sprechen – dieser sei beschĂ€ftigt, hieß es. Singapur bat außerdem darum, zu bestĂ€tigen, dass Malaysia Airlines weiterhin versuche, das vermisste Flugzeug zu kontaktieren.cite-ref-98[A 17] Um 07:13 Uhr versuchte das Kontrollzentrum von Malaysia Airlines zum zweiten Mal, MH370 ĂŒber Satellitentelefon zu erreichen.cite-ref-pings-28-1[22] Um 07:24 Uhr veröffentlichte die Fluggesellschaft auf ihrer Facebook-Seite schließlich eine PresseerklĂ€rung, dass MH370 um 02:40 Uhr, also zum Zeitpunkt des ersten erfolglosen Anrufs durch die Fluggesellschaft, den Kontakt zum Kontrollzentrum in Kuala Lumpur verloren habe und mittlerweile eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet worden sei.cite-ref-99[64] Zu diesem Zeitpunkt war MH370 noch in der Luft und in den Inmarsat-Satelliten eingeloggt. Der Anruf ging daher durch, wurde aber nicht beantwortet.cite-ref-pings-28-2[22]

Der Abschlussbericht vom 30. Juli 2018 bringt einige weitere Einzelheiten zu diesen VorgĂ€ngen, ohne den Sachverhalt lĂŒckenlos aufzuklĂ€ren. Den zustĂ€ndigen vietnamesischen Fluglotsen befragte man erst am 10. September 2014 zu dem Vorgang. Er konnte nicht erklĂ€ren, warum er nicht innerhalb von fĂŒnf Minuten MH370 kontaktiert hatte, gab aber an, sich auf Notfrequenz an andere Piloten gewandt zu haben – was nicht durch Aufzeichnungen zu belegen war. Möglicherweise ergab sich dadurch eine Verzögerung. Er konnte auch nicht erklĂ€ren, wieso er den Wegpunkt BITOD im vietnamesischen Luftraum als Referenzpunkt erwĂ€hnte, was zu weiterer Verwirrung ĂŒber die ZustĂ€ndigkeit fĂŒhrte.cite-ref-100[F 8] Kuala Lumpur hĂ€tte bereits um 2:27 Uhr, als die Benachrichtigung von Vietnam einging, eine Distress Phase und anschließend die Folgephasen feststellen mĂŒssen, unterließ dies jedoch.cite-ref-101[F 9] Um 2:00 Uhr informierte der zustĂ€ndige Radarlotse ĂŒber einen weiteren Lotsen den Vorgesetzten, der sich zu dieser Zeit im Schlaf- und Ruheraum befand. Der Vorgesetzte telefonierte daraufhin mit dem Kontrollzentrum von Malaysia Airlines, wo man ihm beschied, laut dem Flight Explorer sei MH370 ĂŒber Kambodscha. Das GesprĂ€ch wurde nicht aufgezeichnet. Der Vorgesetzte gab sich damit zufrieden und kehrte um 02:30 Uhr in den Ruheraum zurĂŒck, wo er bis 05:30 Uhr blieb, als der erste Alarm ausgelöst wurde. Der Kontroller von Malaysia Airlines gab spĂ€ter an, dass weder er noch das weitere diensthabende Personal hinreichend ausgebildet waren, um zu wissen, dass es sich lediglich um eine Projektion handelte.cite-ref-102[F 10] Der Radarblip von MH370 erschien im PrimĂ€rradar der zivilen LuftĂŒberwachung von Kuala Lumpur, wurde aber nicht in Echtzeit registriert.cite-ref-103[F 11] Den zustĂ€ndigen Bereich besetzten zu dieser Zeit entgegen den Vorschriften unzureichend ausgebildete Personen.cite-ref-104[F 12] Als um 03:30 Uhr der Hinweis der Fluggesellschaft eintraf, die Flugprojektion sei nicht zuverlĂ€ssig, sah man die ZustĂ€ndigkeit bei Vietnam.cite-ref-105[F 13] Es liegen keine Aufzeichnungen vor, dass die malaysische Luftverkehrskontrolle das MilitĂ€r benachrichtigt hat.cite-ref-106[F 14] Das MilitĂ€r identifizierte gleichwohl am selben Tag die unangemeldete Radarechoanzeige von MH370 – und ließ keine AbfangjĂ€ger aufsteigen, weil es sich von einem solchen Zivilflugzeug nicht bedroht sah.cite-ref-107[F 15]

Am Tag nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts erklĂ€rte der Direktor der zivilen Luftfahrtbehörde von Malaysia seinen RĂŒcktritt. Der neue Verkehrsminister Anthony Loke kĂŒndigte eine interne Untersuchung an.cite-ref-108[65]

Suche nach der Maschine

Suche in der Umgebung von Indonesien und Malaysia

An der Such- und Rettungsaktion beteiligten sich die SeestreitkrĂ€fte und SeeaufklĂ€rer Australiens, Vietnams, Indonesiens, Indiens, Malaysias, Thailands, Singapurs, Neuseelands, Japans, der Volksrepublik China, der Philippinen und der Vereinigten Staaten. Sowohl die Nationale Behörde fĂŒr Transportsicherheit der Vereinigten Staaten, aus denen drei der an Bord befindlichen Passagiere stammten, als auch der US-amerikanische Hersteller Boeing, der den Passagierjet gebaut hatte, hatten ihre UnterstĂŒtzung angeboten.

ZunĂ€chst suchte man in der NĂ€he des letzten Funkkontakts nach dem Flugzeug. Die vietnamesische Marine hatte gemeldet, die Boeing sei etwa 280 km von den Thổ-Chu-Inseln entfernt ĂŒber dem Golf von Thailand (zwischen Malaysia und Vietnam) abgestĂŒrztcite-ref-109[66], genauer gesagt, das Signal der Maschine sei dort abgebrochen.cite-ref-110[67] Allerdings fĂŒgte der stellvertretende vietnamesische Verkehrsminister hinzu, dass die vietnamesische Luftverkehrskontrolle am selben Tag die malaysischen Behörden ĂŒber die RichtungsĂ€nderung informiert, aber dazu keine Antwort erhalten habe.cite-ref-111[68] Noch einige Stunden nach dem Verschwinden behauptete der Chef von Malaysia Airlines, das Flugzeug sei bis 02:40 Uhr von der Luftverkehrskontrolle östlich von Malaysia erfasst worden.cite-ref-hodal-112-0[69] Die angebliche anfĂ€ngliche Angabe, ein malaysisches MilitĂ€rradar habe MH370 noch um 02:40 Uhr nahe Pulau Perak, einer Insel in der Straße von Malakka, registriert, hatte das malaysische MilitĂ€r bald danach dementiert.cite-ref-hodal-112-1[69] Das malaysische MilitĂ€r benachrichtigte allerdings noch am 8. MĂ€rz um 10:30 Uhr den Verteidigungs- und Verkehrsminister Hishammuddin Hussein, dass nach Radaraufzeichnungen MH370 ĂŒber die Straße von Malakka geflogen sein könnte. Zwei dort stationierte Schiffe sowie ein Flugzeug wurden um AufklĂ€rung gebeten.cite-ref-113[70]

Im Meer treibende Objekte, die durch AufklĂ€rer oder Satelliten im Bereich der vermuteten Absturzstelle gesichtet worden waren, konnten nach DetailaufklĂ€rungen entweder nicht mehr gefunden oder nicht als zum Flugzeug gehörend identifiziert werden.cite-ref-avh-114-0[71] Ein etwa 20 Kilometer breiter Ölfilm im mutmaßlichen Absturzgebiet nahe dem Fischerhafen Tok Bali im Bundesstaat Kelantan entpuppte sich nach chemischen Analysen entnommener Proben als Schiffstreibstoff.cite-ref-sz-1003-suchzonenausweitung-115-0[72]

Das abzusuchende Seegebiet dehnte Malaysia am Tag nach dem Verschwinden der Maschine auf die Straße von Malakka aus, da es nunmehr möglich erschien, dass das Flugzeug seinen Kurs nach Westen gewechselt hatte, wie das malaysische MilitĂ€r am 11. MĂ€rz mitteilte.cite-ref-reuters20140311-116-0[73] Die Volksrepublik China kĂŒndigte am 10. MĂ€rz an, sich mit zehn Satelliten, die ĂŒber hochauflösende Kameras verfĂŒgten, an der Suche nach dem Zivilflugzeug zu beteiligen.cite-ref-117[74] Am gleichen Tag wurde zudem die Ausweitung der Suchzone bekanntgegeben.cite-ref-sz-1003-suchzonenausweitung-115-1[72] Am 12. MĂ€rz beteiligten sich insgesamt 42 Schiffe und 35 Flugzeuge an der Suche, davon etwa ein Drittel in der Straße von Malakka, der Rest im SĂŒdchinesischen Meer.cite-ref-118[75] Seitdem beteiligte sich auch die indische KĂŒstenwache und suchte in der Andamanensee und im Gebiet der Nikobaren-Inseln. Außerdem stellte die Crowdsourcing-Plattform Tomnod aktuelle Satellitenaufnahmen zur VerfĂŒgung. Millionen von Internetnutzern halfen bei der Suche mit.cite-ref-119[76]

Meldungen der maledivischen Zeitung Haveeru vom 18. MĂ€rz, nach denen Bewohner von Kudahuvadhoo etwa eine Stunde nach dem mutmaßlichen Zeitpunkt des Absturzes ein tieffliegendes Verkehrsflugzeug in Ă€hnlichen Farben wie die der vermissten Maschine gesichtet hĂ€tten,cite-ref-120[77] kommentierte das maledivische MilitĂ€r am folgenden Tag mit der Stellungnahme, es sei kein Hinweis auf ein Radarecho von MH370 in der betreffenden Region empfangen worden, weder vom militĂ€rischen noch vom zivilen Radar der FlughĂ€fen.cite-ref-121[78] Laut Recherchen von Florence de Changy (Le Monde) deuten weder der Zeitpunkt noch die Richtung in irgendeiner Weise auf MH370; es solle sich in Wahrheit um ein Flugzeug der örtlichen Fluggesellschaft gehandelt haben.cite-ref-122[79] Laut Nachforschungen des selbstfinanzierten Privatermittlers Blaine Gibson lĂ€sst sich dagegen nicht klĂ€ren, was fĂŒr ein Flugzeug es war.cite-ref-123[80]

Suche im sĂŒdlichen Indischen Ozean

Die Roaring Forties

Am 13. MĂ€rz meldete das Wall Street Journal, dass die Triebwerke des verschollenen Flugzeugs noch mehr als vier Stunden nach dem letzten Radarkontakt Datenpakete gesendet hĂ€tten.cite-ref-wall-street-journal-124-0[81] Obwohl der malaysische Verteidigungsminister und amtierende Verkehrsminister Hishammuddin Hussein diese Meldung unter Berufung auf Angaben von Malaysia Airlines zunĂ€chst als „fehlerhaft“ dementierte,cite-ref-125[82] erwies sie sich spĂ€ter als teilweise zutreffend: Nach Angaben der BBC vom 14. MĂ€rz 2014 hatte das Satellitensystem des britischen Unternehmens Inmarsat noch bis zu fĂŒnf Stunden nach dem letzten Radarkontakt automatisch erzeugte Signale der Kommunikationsbereitschaft (Handshakes) von MH370 empfangen. Allerdings wurden diese Handshakes nicht von den Triebwerken selbst gesendet.cite-ref-126[83] Ein Sprecher des Pentagon gab noch am 14. MĂ€rz bekannt, die Boeing 777 könne im Indischen Ozean niedergegangen sein, die USA wollten die Suche dorthin verlegen.cite-ref-hodal-112-2[69]

Nach Bekanntwerden des letzten Ping-Signals der Maschine aus einem der beiden Korridore wurde die Suche nach Wrackteilen im SĂŒdchinesischen Meer am 15. MĂ€rz 2014 eingestellt. Man konzentrierte sich nun auf die umgebenden Regionen der beiden Korridore. In den folgenden Wochen wurde das Suchgebiet mehrmals verlegt, nachdem die Analysen der Satellitendaten an Australien weitergegeben worden waren. Hinzu kam: Die Suche nach auf dem Meer treibenden TrĂŒmmern musste – im Unterschied zu Versuchen, die vom Meeresgrund ausgehenden Flugschreibersignale zu orten – die Meeresströmungen einbeziehen, die sich schwer berechnen lassen.

Der sĂŒdliche Korridor wurde unter Koordination der australischen Maritime Safety Authority (AMSA) durchkĂ€mmt. Der malaysische Premierminister Najib Razak hatte den australischen Premierminister Tony Abbott gebeten, die Suche im sĂŒdlichen Korridor zu koordinieren, da diese FlĂ€che im australischen Seenotrettungsgebiet liegt.cite-ref-127[84] Am 17./18. MĂ€rz begann die Volksrepublik China, den Korridor auf ihrem Territorium systematisch zu durchsuchen. Zu dieser Zeit beteiligten sich insgesamt 25 LĂ€nder an der Aktion.cite-ref-avh-114-1[71] FĂŒr den Fall, dass der verschollene Jet in den nördlichen Korridor geflogen wĂ€re, erhofften sich die Ermittler weitere Erkenntnisse durch die Analyse der MilitĂ€rradardaten der Staaten, die es hĂ€tte ĂŒberflogen haben mĂŒssen, insbesondere der Volksrepublik China.cite-ref-128[85] In den folgenden Tagen tauchten jedoch keine solchen Hinweise auf. China war ebenfalls Teil der Drei-LĂ€nder-Vereinbarung zur Suche nach MH370, da die meisten Passagiere chinesische StaatsbĂŒrger waren. Im Zuge der Suche im sĂŒdlichen Korridor ab dem 15. MĂ€rz fragte Australien zahlreiche LĂ€nder, darunter auch Deutschland, nach Bildern von geostationĂ€ren Satelliten, die bei der Suche im möglichen Gebiet helfen sollten.cite-ref-129[E 6]

Mehrere Flugzeuge aus Japan, SĂŒdkorea und den USA konnten nicht wie geplant Ausschau nach Überresten halten, da Indonesien die Überflugrechte verweigerte.cite-ref-130[86] Am 20. MĂ€rz gab der australische Premierminister Tony Abbott bekannt, dass auf Satellitenbildern, die am 16. MĂ€rz etwa 2500 Kilometer sĂŒdwestlich von Perth entfernt im Indischen Ozean aufgenommen wurden, Teile im Wasser zu erkennen seien, die zu einem Flugzeug gehören könnten. Flugzeuge, Marine- und Handelsschiffe mehrerer LĂ€nder wurden zur AbklĂ€rung entsandt.cite-ref-avh-114-2[71]

Die zunĂ€chst in Frage kommende FlĂ€che umfasste etwa 7,68 Millionen kmÂČcite-ref-131[87] und liegt in den Roaring Forties, der Westwindzone, wo schlechtes Wetter, raue See und starke Meeresströmungen nach Osten herrschen. Am 22. MĂ€rz wurde zusĂ€tzlich fĂŒr das Suchgebiet eine Zyklonwarnung gegeben. Das fragliche Gebiet lag etwa 2500 Kilometer vom nĂ€chstgelegenen Festland (Australien) entfernt, was die Suche erschwerte. Von Perth in Australien aus operierende Flugzeuge mussten tĂ€glich etwa vier Stunden anfliegen und ebenso lang wieder zurĂŒckfliegen, so dass nur etwa zwei Stunden tĂ€glich fĂŒr die eigentliche Suche zur VerfĂŒgung standen. Den Meeresboden des Indischen Ozeans prĂ€gt in diesem Seegebiet der von Nord nach SĂŒd verlaufende Indische RĂŒcken.

Vom 22. bis zum 27. MĂ€rz kamen fast tĂ€glich Meldungen, dass auf Bildern von chinesischen oder thailĂ€ndischen Satelliten sowie auf Satellitenbildern, die Airbus Defence and Space zur VerfĂŒgung stellte, mögliche Wrackteile gesichtet worden seien. Australische und chinesische Suchtrupps gaben am 24. MĂ€rz bekannt, möglicherweise BruchstĂŒcke im Indischen Ozean entdeckt zu haben. Ein australisches Bergungsschiff steuerte das Gebiet an. Am 25. MĂ€rz wurde die Suche wegen schlechten Wetters fĂŒr 24 Stunden ausgesetzt.cite-ref-avh-114-3[71]

Die Suche nach dem Wrack wurde zum Wettlauf mit der Zeit. Der Flugschreiber („Black Box“) sollte durch Kontakt mit Wasser aktiviert worden sein und in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden Ultraschallsignale aussenden. Die BatteriekapazitĂ€t des Flugschreibers von MH370 hĂ€tte mindestens einen Monat ausreichen sollen. Internationale Empfehlungen, die nach dem Absturz von Air-France-Flug 447 im SĂŒdatlantik 2009 erarbeitet worden waren, nach denen ein Flugschreiber mindestens 90 Tage aktiv sein sollte, waren bei MH370 noch nicht umgesetzt worden. Das Signal kann nur aus begrenzter Wassertiefe detektiert werden. Bei grĂ¶ĂŸeren Tiefen muss die EmpfĂ€ngersonde an entsprechenden Unterwasserkabeln aufgehĂ€ngt werden. Die Reichweite des Signals hĂ€ngt stark von Gegebenheiten des Meeresbodens ab.cite-ref-black-box-132-0[88]

Das nördliche Suchgebiet

Am 28. MĂ€rz 2014 gab der australische Premierminister bekannt, es gebe Belege dafĂŒr, dass das Flugzeug deutlich weiter nordöstlich abgestĂŒrzt sei, und man das Suchgebiet deswegen verlegen werde. Das neue Suchareal lag nĂ€her zur australischen KĂŒste, außerhalb der Roaring Forties, und umfasste etwa 319.000 kmÂČ. Das internationale Ermittlungsteam hatte herausgefunden, dass Flug MH370 zwischen dem SĂŒdchinesischen Meer, dem letzten Zivilradarkontakt, und dem letzten MilitĂ€rradarkontakt ĂŒber der Straße von Malakka schneller geflogen war, somit mehr Treibstoff verbraucht hatte und auf der SĂŒdroute weniger weit gekommen war als bis dahin angenommen.cite-ref-133[89] Über 50 auf dem Meer treibende Objekte wurden an diesem Tag gesichtet, von denen nur ein Teil geborgen werden konnte.cite-ref-134[E 7] Am 30. MĂ€rz beorderte man schließlich das australische Schiff Ocean Shield mit einem Schleppsensor (Towed Pinger Locator) in die Region, um den Flugschreiber aufzuspĂŒren.cite-ref-avh-114-4[71]

Seit dem 1. April 2014 koordinierte das australische Joint Agency Coordination Centre (JACC) die Suche nach MH370. Es war wenige Tage zuvor eigens zu diesem Zweck gegrĂŒndet worden.cite-ref-jacc-about-135-0[90] Nach dem Chicagoer Abkommen liegt die Verantwortung fĂŒr die Ermittlungen bei Malaysia, wobei Australien die Suche nach dem Wrack im sĂŒdlichen Indischen Ozean als akkreditiertes Mitglied leitet.cite-ref-136[91] Die britische Marine beteiligt sich mit dem U-Boot Tireless und dem Vermessungsschiff Echo.cite-ref-137[92]

Am 5. April 2014 meldete eine chinesische Nachrichtenagentur, ein Flugschreiberdetektor des Suchschiffs Haixun 01 habe ein pulsierendes (Schall-)Signal mit der Frequenz 37,5 Kilohertz empfangen, die zur Frequenz des Flugschreibers der Boeing 777 passe (fragliches-flugschreiber-signal-am-5-april25° 0â€Č S, 101° 0â€Č O-25101).cite-ref-138[93] Offenbar wurde das Signal von einem handgehaltenen Hydrophon etwas ĂŒber eine Minute lang registriert.cite-ref-139[94] Allerdings schlossen die Beteiligten einige Tage spĂ€ter aus, dass dieses Signal zu dem vermissten Flugzeug gehöre.cite-ref-jacc3-140-0[95]

SpĂ€ter am selben Tag (australische Zeitzone) empfing das australische Suchschiff Ocean Shield, das inzwischen zur VerstĂ€rkung des chinesischen Schiffs beordert worden war, in etwa 300 Seemeilen (knapp 600 km) Entfernung ein weiteres Signal.cite-ref-141[96] Das geschah nahe der Luftstraße M641, die von den Kokosinseln nach Perth fĂŒhrt.cite-ref-142[B 4] Der Leiter der Behörde JACC, Angus Houston,cite-ref-jacc-about-135-1[90] bezeichnete trotz aller gebotenen Vorsicht die Entdeckung dieses Signals als „bislang vielversprechendste Spur“cite-ref-jacc1-143-0[97]. Der erste Empfang des Sensors der Ocean Shield bei einem Wendemanöver in geringer Tiefe dauerte 2 Stunden und 20 Minuten, der zweite Empfang bei der RĂŒckfahrt – in einem Umkreis von ca. 1,5 km und nunmehr in 3000 m Tiefe – ungefĂ€hr 13 Minuten. Bei der RĂŒckfahrt seien zwei verschiedene Signale empfangen worden, die mit „Übertragungen des Flugdatenschreibers und des Stimmenrekorders ĂŒbereinstimmten“cite-ref-jacc1-143-1[97]. Die Signale seien auf einer Frequenz von 33,331 Kilohertz in regelmĂ€ĂŸigen Intervallen von 1,106 Sekunden gemessen worden.cite-ref-jacc2-144-0[98] Das Gebiet, in dem nach treibenden TrĂŒmmerteilen zu suchen war, grenzten die Fachleute mit Stand vom 11. April 2014 auf 47.000 kmÂČ neu ein.cite-ref-145[99]

Die Ocean Shield empfing am 8. April zwei weitere angebliche Übertragungen. Um eine ungestörte Suche zu gewĂ€hrleisten, setzten die Leiter kein weiteres Schiff in dieser Gegend ein. Allerdings legte ein Flugzeug des Typs P-3 Orion 84 Sonarbojen in der NĂ€he der Ocean Shield aus, die in mindestens 300 m Tiefe den Ozean abhören konnten. Die Verantwortlichen erklĂ€rten: Da sich Wasserschall nicht geradlinig, sondern (abhĂ€ngig von zahlreichen Faktoren wie Temperatur, Druck und Salzgehalt) diffus ausbreite, sei es schwierig, die Quelle genau zu lokalisieren. Zudem nehme man an, dass der Meeresboden mit meterhohem Schluff bedeckt sei, der Schallwellen ablenken und das Wrack verbergen könne. Da der Sensor der Ocean Shield ein sechsfach grĂ¶ĂŸeres Gebiet als ein Tauchroboter abdecke, erwarte man, dass Tauchroboter, die den Meeresgrund absuchen können, erst zum Einsatz kĂ€men, wenn man damit rechnen mĂŒsse, dass die Batterie des Flugschreibers verbraucht sei. Bis dahin solle versucht werden, das Gebiet so weit wie möglich einzugrenzen. Die Tiefe des Ozeangrunds werde auf 4500 m geschĂ€tzt.cite-ref-jacc2-144-1[98]cite-ref-146[100] Ein zunĂ€chst vielversprechender Signalempfang durch die P-3 Orion vom 10. April ließ sich nicht als zusĂ€tzlicher Hinweis auf den Flugschreiber bestĂ€tigen,cite-ref-147[101] wurde aber nach weiterer Analyse als dem erwarteten Signal eines Flugschreibers „sehr Ă€hnlich“ beschrieben.cite-ref-jacc3-140-1[95] Ab dem 12. April war auch die HMS Echo im Suchgebiet, um den Meeresboden zu kartographieren.cite-ref-jacc3-140-2[95]

Nachdem keine weiteren Signale mehr detektiert worden waren, resĂŒmierte der australische Premierminister Tony Abbott in Peking, dass die SignalstĂ€rke nun schnell abnehme und das Auffinden zumindest einer der beiden Flugschreiber zu einer „gewaltigen Aufgabe“ werde.cite-ref-148[102] Der zu dieser Zeit vermutete Ruheort von MH370 war der kaum kartographierte, nördliche Rand des Zenith-Plateaus an der Grenze zum Wharton-Becken.cite-ref-149[103]

Unterwassersuche durch Tauchroboter

Am 14. April gab Houston, der Leiter des Suchteams, bekannt, man setze nunmehr anstelle des Towed Pinger Locator den Tauchroboter Bluefin-21 ein, dessen TauchgĂ€nge jeweils 24 Stunden dauerten, der in bis zu 4500 m Tiefe vordringen und den Meeresboden mithilfe eines Seitensichtsonars kartographieren könne. Die Suche nach akustischen Signalen des Flugschreibers wurde damit eingestellt.cite-ref-jacc3-140-3[95] Ein Ölfleck, den man an der vermuteten Absturzstelle entdeckte, erwies sich nicht als Flugzeugtreibstoff oder HydraulikflĂŒssigkeit.cite-ref-jacc4-150-0[104] Im Fall des Misserfolgs wurde erstmals eine großflĂ€chige Erforschung des Meeresbodens entlang des vermuteten Flugkorridors, entlang der siebten Satelliten-Ping-Bogenlinie, in Aussicht gestellt.cite-ref-151[105]

Da die Bluefin-21 bei ihrem ersten Einsatz aufgrund einer Sicherheitssperre vorzeitig auftauchte nachdem sie die Tiefengrenze von 4500 m ĂŒberschritten hatte, programmierte man das GerĂ€t neu, um „mit einem akzeptablen Sicherheitsrisiko“ tiefer in den Ozean vorzudringen. Die GrĂ¶ĂŸe des Suchgebiets wurde als Kreis mit einem Radius von 10 km angegeben.cite-ref-152[106]

Die Suche per Schiff und Flugzeug ging zunÀchst weiter,cite-ref-jacc5-153-0[107] wurde wegen schlechten Wetters aber teils unterbrochen.cite-ref-jacc6-154-0[108] Bis zum 26. April scannte der Tauchroboter 95 % des Zielgebiets, ohne Hinweise auf das Flugzeug.cite-ref-jacc6-154-1[108]

Vorbereitung fĂŒr die Tiefseesuche

Am 28. April gaben Tony Abbott und Angus Houston bekannt, dass die Suchaktion nicht mehr der Rettung, sondern der Bergung des Wracks diene (search and recovery). Die Suche nach TrĂŒmmern auf der See werde eingestellt, da diese mittlerweile gesunken sein dĂŒrften. 29 Flugzeuge und 14 Schiffe hatten bis dahin einen Gesamtbereich von 4,5 Millionen kmÂČ durchkĂ€mmt. Stattdessen werde eine erweiterte Unterwassersuche projektiert, welche die gesamte wahrscheinliche Absturzzone von 700 mal 80 km und somit etwa 60.000 kmÂČ umfassen und etwa acht Monate dauern könnte. Die Suche sei schwierig, da wahrscheinlich der gesamte Meeresgrund in diesem Gebiet von Schluff in unbekannter Dicke bedeckt sei. Tony Abbott kommentierte, es bleibe immer noch „ein betrĂ€chtlicher Grad an Zuversicht“, dass die empfangenen Signale vom Flugschreiber stammten; daher werde der Bluefin-21-Tauchroboter, der bis dahin ein Gebiet von 400 kmÂČ kartographiert habe, weiter im Umkreis der empfangenen Signale eingesetzt.cite-ref-155[109]

Nachdem die Ocean Shield zwischendurch zum AuffĂŒllen der VorrĂ€te nach Australien zurĂŒckgekehrt war, verließ sie am 10. Mai wieder den Hafen, um mithilfe der Bluefin-21 das Gebiet um das erste Signal herum, das am 5. April empfangen worden war, abzusuchen.cite-ref-156[110] Das ATSB sei sich nach weiterer Analyse nicht mehr sicher, ob die beiden letzten, am 8. April empfangenen Signale tatsĂ€chlich von dem Flugschreiber stammten, sodass möglicherweise nur die ersten beiden fĂŒr die Suche relevant seien.cite-ref-157[111]

Nach einer Pause wegen eines Defekts wurde der Tauchroboter Bluefin-21 ab 22. Mai 2014 wieder von der Ocean Shield aus eingesetzt. Das chinesische Schiff Zhu Kezhen begann zudem am 21. Mai mit der Mission, den Meeresgrund in der Region bathymetrisch zu kartographieren. Das sollte eine anschließende Erforschung der Tiefsee vorbereiten.cite-ref-158[112] Dieser Einsatz war notwendig, um zu vermeiden, dass Unterwasserfahrzeuge zerschellen.cite-ref-atsbmapping-159-0[113] Die Daten der bathymetrischen Vermessung, interessant fĂŒr die Wissenschaft, sollten in Datenbanken veröffentlicht werden,cite-ref-160[114] die Publikation der bathymetrischen Daten aus Suchphase I (vor der Feinsuche durch Tiefensonar) folgte im Juli 2017.cite-ref-161[115] Durch die bathymetrische Vermessung entdeckte man neue Details der Unterwassergeographie, darunter Unterwasservulkane von 2000 m Höhe.cite-ref-28aug-162-0[116]

Am 29. Mai erklĂ€rte das ATSB, dass die Suche des Tauchroboters in einer Umgebung von 850 kmÂČ um den Empfang der akustischen Signale abgeschlossen sei und diese TeilflĂ€che als Ruheort fĂŒr MH370 ausgeschlossen werden könne. Die erweiterte Unterwassersuche solle im August 2014 beginnen und werde auf 12 Monate projektiert. ZusĂ€tzlich wĂŒrden die gewonnenen Daten weiter analysiert.cite-ref-163[117] Ein ranghoher Offizier der amerikanischen Marine, Michael Dean, gab gegenĂŒber CNN zu bedenken, die Signale könnten von dem Schiff oder dem Schleppsonar selbst erzeugt worden sein.cite-ref-164[118] Der Abschlussbericht des ATSB bestĂ€tigt diese BefĂŒrchtung: demnach habe ein defektes Kabel an Bord der Ocean Shield Artefakte (Scheinergebnisse) erzeugt. Gleichzeitig Ă€ußert sich der Bericht deutlich skeptischer zu der damaligen Hoffnung, dass die Signale tatsĂ€chlich von dem Wrack stammten.cite-ref-165[E 8]

Zwei Unterwassermonitore der Curtin University hatten etwa zum Zeitpunkt des letzten, unvollstĂ€ndigen Satelliten-Handshakes ein GerĂ€usch im Indischen Ozean aufgezeichnet, das möglicherweise von dem Flugzeug stammte, jedoch wahrscheinlicher natĂŒrlichen Ursprungs ist und dessen Quelle man außerdem einige tausend Kilometer weiter nordwestlich vermutet. Dies wurde am 2. Juni bekannt.cite-ref-166[119]cite-ref-167[E 9]

Am 10. Juni unterzeichnete das ATSB einen Vertrag mit dem niederlĂ€ndischen Unternehmen Fugro, das sich auf Tiefseeforschung spezialisiert hat und zusammen mit dem chinesischen Schiff den Meeresgrund um die siebte Ping-Linie des Satelliten-Handshakes kartographieren sollte. Australien veranschlagte fĂŒr die Suche nach MH370 umgerechnet etwa 65 Millionen Euro bis 2016; China und Malaysia versprachen ebenfalls, sich an den Kosten zu beteiligen.cite-ref-168[120]cite-ref-169[121]

Das ATSB legte am 26. Juni 2014 einen Bericht vor, der Details zu der vermuteten Flugroute enthielt und das Zielgebiet fĂŒr die Meeresgrundsuche eingrenzte. Dieses wurde als FlĂ€chenstĂŒck von 60.000 kmÂČ GrĂ¶ĂŸe definiert, das sich in einem 650 km langen Bogen bei einer Breite von 93 km nordwestlich des Broken Ridge erstreckte und mit dem Gebiet der MeeresoberflĂ€chensuche vom 28. MĂ€rz weitgehend ĂŒbereinstimmte. Dabei unterstellte man, der Autopilot habe das Flugzeug bis zum Ausgehen des Treibstoffs gesteuert, da die Besatzung in der letzten Flugphase Richtung Indischer Ozean durch Sauerstoffmangel handlungsunfĂ€hig war oder nicht reagierte. Es bestehe außerdem die Möglichkeit, dass der Autopilot so programmiert war, dass Flugrouten und/oder Wegpunkte gekreuzt oder durchquert wurden, die auf FlughĂ€fen entweder in Australien oder auf den Kokosinseln endeten.

Der stellvertretende Premierminister Australiens, Warren Truss, gab am 6. August bekannt, dass Fugro auch die Unterwassersuche nach dem verschwundenen Flugzeug ĂŒbertragen wurde. ZusĂ€tzlich zu den zwei von Fugro bereitgestellten Schiffen werde sich Malaysia mit vier Schiffen beteiligen. Warren Truss gab sich „vorsichtig optimistisch“, das Wrack zu finden. Die Suche solle im September 2014 beginnen, die Übernahme von Kosten durch Malaysia und andere LĂ€nder sei noch Gegenstand von Verhandlungen, zumal Malaysia Airlines nach dem mutmaßlichen Abschuss von Flug MH17 noch anderweitig involviert sei.cite-ref-jacc0608-170-0[122]cite-ref-jacc0608t-171-0[123] Mehrere Unternehmen hatten sich an der Ausschreibung zur Suche der Maschine beteiligt.cite-ref-172[124] Warren Truss und der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai unterzeichneten am 28. August ein Abkommen, das die Kosten fĂŒr die Suche aufteilte.cite-ref-28aug-162-1[116]

Tiefseesuche nahe dem siebten Bogen

Am 6. Oktober 2014 trat die Suche nach dem verschwundenen Flugzeug schließlich in die angekĂŒndigte neue Phase. Das US-Tiefseeforschungsschiff GO Phoenix begann an diesem Tag, das neue Gebiet nach Wrackteilen zu untersuchen. Die niederlĂ€ndischen Schiffe Fugro Discovery und Fugro Equator sollten bis spĂ€testens Ende Oktober ebenfalls dort eintreffen und den Einsatz unterstĂŒtzen. Allerdings konnte die Fugro Equator infolge technischer Probleme erst am 21. November mit der Arbeit beginnen. Dieser Teil des Ozeanbodens ist extrem zerklĂŒftet. Man setzte Unterwasserfahrzeuge ein, die von den Schiffen gezogen wurden und mit SonargerĂ€ten, Treibstoffdetektoren und Videokameras Hinweise auf das Schicksal von MH370 aufspĂŒren sollten. Die Schiffe hatten ausreichend VorrĂ€te an Bord, um jeweils etwa einen Monat lang auf See zu bleiben, bevor sie zum Hafen zurĂŒckkehren mussten.cite-ref-173[125]cite-ref-174[D 1]

Das ATSB veröffentlichte am 8. Oktober einen ĂŒberarbeiteten Bericht zu neueren Analysen der Satellitendaten und Flugsimulationen, der im Ergebnis die mögliche Fundstelle nunmehr sĂŒdlich des Broken Ridge im Bereich des siebten Bogens verortet. Wesentlicher Grund dafĂŒr war die Bewertung der BFO-Werte des ersten Anrufs um 18:40 Uhr UTC als Indikatoren fĂŒr eine bereits erfolgte Wende nach SĂŒden. Alternativ lassen sich diese Werte jedoch durch eine Änderung in der Flughöhe zu diesem Zeitpunkt erklĂ€ren.cite-ref-report8okt-175-0[126] Das frĂŒhere, im Juni festgelegte Suchgebiet war ohne diese Interpretation berechnet worden. Die Anrufe selbst enthalten die Frequenzverschiebungen (BFO-Werte), aber keine Laufzeiten (BTO-Werte) auf dem entsprechenden Kanal. Durch diese Anrufe konnten also keine weiteren Ortungsringe errechnet werden. Die AbstĂ€nde zum Satelliten sind nur fĂŒr die sechs stĂŒndlichen Handshakes bekannt.cite-ref-pings-28-3[22]

Die Kartierung des Meeresbodens im Umfang von insgesamt 160.000 kmÂČ wurde am 26. Oktober 2014 fĂŒr die Tiefseesuche am siebten Bogen abgeschlossen.cite-ref-176[D 2] Am 17. Dezember 2014 meldete das australische Koordinationszentrum, dass die laufende Suche nach Wrackteilen auf dem Meeresboden bis zum Mai 2015, also vor den stĂŒrmischeren Wintermonaten, weitgehend abgeschlossen sein dĂŒrfte, sofern keine unvorhergesehenen Verzögerungen eintrĂ€ten.cite-ref-177[D 3] Zur weiteren UnterstĂŒtzung entsandte man am 29. Januar das Schiff Fugro Supporter in das Gebiet.cite-ref-178[D 4] Vom 1. bis zum 4. Februar sowie vom 14. bis 16. MĂ€rz setzte man die Erkundungen wegen Zyklonwarnungen aus.cite-ref-179[D 5] Dabei fand die GO Phoenix einige StĂŒcke, die von Menschen geschaffen sein könnten, allerdings kaum FlugzeugtrĂŒmmern Ă€hneln, sondern vielleicht Schiffscontainer sind.cite-ref-180[D 6] Außerdem entdeckte man ein Schiffswrack.cite-ref-181[D 7]

Warren Truss meinte am 1. MĂ€rz 2015, dass die Suche nicht ewig weitergehen könne und derzeit Australien, China und Malaysia miteinander diskutierten, ob angesichts der Kosten die Suche nach Mai in das bis zu 1,1 Millionen kmÂČ große Gebiet um die PrioritĂ€tszone herum fortgefĂŒhrt werden solle.cite-ref-182[127] Am 16. April einigten sich die beteiligten Regierungen (Australien, China und Malaysia) darauf, die Aktion ein Jahr fortzusetzen, um weitere 60.000 kmÂČ zu durchkĂ€mmen.cite-ref-183[128] Am 6. Mai kĂŒndigte man an, die Arbeiten wĂ€hrend der Wintermonate der sĂŒdlichen HemisphĂ€re zu unterbrechen.cite-ref-184[D 8] Bald darauf wurde die Fugro Supporter aus dem Suchgebiet abgezogen.cite-ref-185[D 9] Am 20. Juni beendete die GO Phoenix die Suche im nördlichen Gebiet,cite-ref-186[D 10] da Malaysia ihren Vertrag ohne BegrĂŒndung kĂŒndigte.cite-ref-187[129]

Am 3. Juni einigten die beteiligten Regierungen sich darauf, die Suche zu beenden, falls im erweiterten Zielgebiet von 120.000 kmÂČ nichts gefunden werden sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren ĂŒber 50.000 kmÂČ untersucht worden. Außerdem kĂŒndigte man an, die Suche ĂŒber die Wintermonate hinaus grundsĂ€tzlich fortzusetzen.cite-ref-188[D 11]

Anfang September trafen sich Vertreter aus Malaysia und Australien in Canberra und sprachen ĂŒber die Fortsetzung ab den Sommermonaten. Ergebnisse hieraus wurden nicht bekannt; chinesische Vertreter sagten trotz Einladung ab.cite-ref-189[D 12] Chinas Premier Li Keqiang stellte bei einem Treffen mit dem australischen Premier Malcolm Turnbull im November 20 Millionen australische Dollar (umgerechnet rund 14 Mio. Euro) fĂŒr die weitere Suche nach dem Wrack in Aussicht.cite-ref-190[130]

Einige Objekte von mittlerem Interesse untersuchte Ende September ein hochauflösendes Sonar in grĂ¶ĂŸerer Tiefe, da ein Tauchroboter erst im Sommer eingesetzt werden konnte. Diese FundstĂŒcke gehörten laut BehördeneinschĂ€tzung nicht zu einem Flugzeug.cite-ref-191[D 13] Im November musste die Suche zweimal aufgrund von KrankheitsfĂ€llen abgebrochen werden und die Fugro Discovery zum Hafen in Fremantle zurĂŒckkehren.cite-ref-192[131] Ab dem 15. November fĂŒhrte die Fugro Equator wieder bathymetrische Vermessungen durch, da man nun einen Bereich weiter sĂŒdlich und außerhalb des ursprĂŒnglich vermessenen Gebiets absuchte.cite-ref-193[D 14]

Das ATSB veröffentlichte am 3. Dezember 2015, nachdem ĂŒber 75.000 kmÂČ abgesucht worden waren, einen neuen Bericht, der auf Grundlage der Bayesschen Statistik fĂŒr die noch ausstehenden 44.000 kmÂČ die PrioritĂ€tszone im SĂŒden des Suchgebiets festlegte. Diese Berechnung beruhte darauf, dass man ab der letzten Wende nach SĂŒden einen geradlinigen Flugverlauf bei konstanter Höhe und Geschwindigkeit annahm. Die Erkundungen sollten bis Juni 2016 fortgefĂŒhrt werden.cite-ref-194[132] Das neue Gebiet lag außerhalb des weiter nördlich gelegenen Hotspots, der vom britischen Unternehmen Inmarsat berechnet worden war und auf dessen Daten die Annahme eines Absturzes im sĂŒdlichen Indischen Ozean beruhte.cite-ref-195[C 4]

Ebenfalls ab dem 3. Dezember begann ein neues Suchschiff, die Havila Harmony, damit, besonders unzugĂ€ngliche Stellen des Meeresbodens mit einem Tauchroboter zu untersuchen. Am 19. Dezember 2015 entdeckte das Sonar einen Fund, den am 2. Januar 2016 ein Tauchroboter als weiteres Schiffswrack, wohl aus dem 19. Jahrhundert, identifizierte.cite-ref-196[D 15] Nachfolgende Untersuchungen ergaben Anfang 2018, dass es sich bei den beiden gefundenen Wracks um die West Ridge und W. Gordon oder Magdala handelt – Kohlefrachter, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts durch eine Explosion an Bord sanken.cite-ref-spon-1206175-197-0[133] Am 24. Januar 2016 verlor die Fugro Discovery ihr Unterwassersonar, als bei einer Kollision mit einem Unterwasservulkan, der 2.200 Meter ĂŒber den Meeresboden aufragt, die Kabel rissen. Die Fugro Discovery kehrte zum Hafen zurĂŒck und bereitete ein Ersatzsonar vor.cite-ref-198[134] Das verlorene Sonar barg zwei Wochen spĂ€ter die Besatzung der Havila Harmony.cite-ref-199[D 16]

Das chinesische Schiff Dong Hai Jiu 101 verließ am 29. Januar den Hafen von Singapur, um sich an der Suche zu beteiligen. Es wurde von den gleichen Unternehmen betrieben wie die zuvor gekĂŒndigte GO Phoenix.cite-ref-200[135] Am 21. MĂ€rz verlor die Dong durch einen Kabelriss ebenfalls ihr Schleppsonar.cite-ref-201[D 17] Am 18. April barg dieses ein Tauchroboter.cite-ref-202[D 18] Seit dem 8. Mai konnte wetterbedingt die Suche mit Unterwassersonar nicht fortgefĂŒhrt werden;cite-ref-203[D 19] erst am 15. Juni nahm die Dong die Sucharbeiten vorĂŒbergehend wieder auf.cite-ref-204[D 20]

Ende Juli 2016 gaben Australien, China und Malaysia in einem gemeinsamen Brief an die Angehörigen bekannt, dass die Suche ausgesetzt werden sollte, falls man im gegenwĂ€rtigen Gebiet nichts entdecken werde. Die Aktion könne wiederaufgenommen werden, falls glaubhafte Hinweise auf den Verbleib von Flug MH370 gefunden werden sollten.cite-ref-205[136] Am 11. August beendete die Fugro Discovery die Suche nach MH370.cite-ref-206[D 21] Mit Stand vom 30. November 2016 sind ĂŒber 110.000 kmÂČ durchsucht worden.cite-ref-207[D 22] Die Dong Hai Jiu 101 schloss am 3. Dezember ihre Erkundungen ab. Laut einer australischen Tageszeitung verbrachte die Dong Hai Jiu nur 17 bis 30 Tage mit der Suche nach dem Wrack und könnte in der ĂŒbrigen Zeit Spionage betrieben haben.cite-ref-208[137]

Aufgrund der wetterbedingten Verzögerungen verlĂ€ngerten die Verantwortlichen die Suche bis Januar 2017. Dabei klĂ€rte ein Tauchroboter einige Sonarkontakte nĂ€her ab. Anschließend sollten einige Modelle des Flaperons (siehe unten) mit SatellitenempfĂ€ngern ausgesetzt werden, um so mit Hilfe von langjĂ€hrigen Driftdaten möglichst neue Hinweise auf den Absturzort zu erhalten.cite-ref-209[D 23]

In einem Bericht vom 20. Dezember 2016 kam das ATSB zu dem Schluss, dass die Suche im veranschlagten Gebiet mit mindestens 95-prozentiger Sicherheit abgeschlossen ist. Die Annahme eines geradlinigen Kurses nach der finalen Wende in Richtung SĂŒden kann damit weitgehend ausgeschlossen werden. Das ATSB vermutet, dass stattdessen ein anderer Autopilotenmodus eingestellt war, der in zunehmender NĂ€he zum magnetischen SĂŒdpol einen bogenförmigen Flugverlauf ergibt. Auch auf Grundlage von Driftstudien gefundener TrĂŒmmerteile sowie den nach treibenden TrĂŒmmern abgesuchten Gebieten der MeeresoberflĂ€che vermutet das ATSB, dass MH370 im ehemaligen nördlichen Suchgebiet entlang der Bogenlinie, zwischen dem 36. und 32. Breitengrad SĂŒd, abgestĂŒrzt ist. Dieses Gebiet wurde bis Juni 2015 teilweise untersucht und anschließend aufgegeben. Auch die Hypothese eines breiteren Absturzgebiets stellt dieser Bericht wieder in Frage – stattdessen sei es aufgrund der Untersuchungen zu den FlĂŒgelklappenteilen sowie der beiden letzten BFO-Werte sehr wahrscheinlich, dass MH370 innerhalb von 15, allenfalls 25 Seemeilen und nicht, wie zuvor angenommen, innerhalb von 40 Seemeilen links und rechts des Bogens abgestĂŒrzt sein muss. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit ergibt sich fĂŒr den 35. Breitengrad in unmittelbarer NĂ€he des Inmarsat-Hotspots.cite-ref-210[138] Am 17. Januar 2017 stellte man die Suche schließlich ein. Die Gesamtkosten dieser Phase der Ermittlung belaufen sich auf etwa 200 Millionen australische Dollar (140 Mio. Euro), wobei Australien 60 Millionen trug und China 20 Millionen ĂŒbernahm, den Großteil zahlte Malaysia.cite-ref-211[139] Im Vergleich dazu hat die Suche nach Air France 447 lediglich 21 Mio. Euro gekostet. Am 3. Oktober erschien schließlich der 440-seitige Abschlussbericht des ATSB zur Suche nach MH370.cite-ref-212[E 10]

Wiederaufnahme der Suche durch Ocean Infinity 2017–2018

Bereits im August 2017 hatte das US-amerikanische Privatunternehmen Ocean Infinity, das sich auf Tiefseeforschung spezialisiert, der malaysischen Regierung angeboten, nach dem Wrack von MH370 zu suchen und nur im Erfolgsfall eine PrĂ€mie zu erhalten (no cure, no fee).cite-ref-213[140] Seitdem dauerten die Verhandlungen an. Das australische Verkehrsministerium meldete schon am 19. Oktober 2017 die FortfĂŒhrung der Suche.cite-ref-214[141] Der Vertrag wurde schließlich am 10. Januar 2018 feierlich unterzeichnet. Zugesagt wurden 20 Mio. $ fĂŒr den Fall, dass MH370 innerhalb der ersten 5.000 kmÂČ gefunden werden sollte, fĂŒr jeweils weitere 10.000 kmÂČ erhöhte sich diese Summe auf 30 und 50 Mio. $. Sollte das Wrack außerhalb der vom ATSB vorgeschlagenen 25.000 kmÂČ aufgespĂŒrt werden, waren sogar 70 Mio. $ zu zahlen.cite-ref-215[142] Ocean Infinity sollte zunĂ€chst das vom ATSB bevorzugte Gebiet absuchen (um 35° S), anschließend das von Ozeanographen der Western Australia University aufgrund von Driftstudien ermittelte FlĂ€chenstĂŒck (um 32,5° S). Falls nötig, sollte möglichst bis mindestens 30° S weitergesucht werden, da interessierte Privatpersonen und unabhĂ€ngige Experten (IG), die Victor Iannello koordinierte, diese Region aufgrund verschiedener Überlegungen als aussichtsreich einschĂ€tzten. Bis zu acht autonome Tauchroboter gleichzeitig sollten innerhalb von 90 Suchtagen von der norwegischen Seabed Constructor aus das Gesamtgebiet durchkĂ€mmen.cite-ref-216[143]

Dieser neue Versuch begann am 22. Januar. Zu den 90 Suchtagen zĂ€hlten nur die Zeiten, in denen die Seabed Constructor im Suchgebiet operierte. Der Zyklus zur Neubetankung und RĂŒckkehr nach Fremantle dauerte jeweils 26 Tage. Die Erkundungen sollten daher bis Mitte Juni weitergehen.cite-ref-217[144] Bis zum 8. April hatte die Seabed Constructor die drei vom ATSB vorgeschlagenen priority areas mit einer GesamtflĂ€che von 38.214 kmÂČ ohne Erfolg durchkĂ€mmt. Dabei setzte man am 4. April einen ferngesteuerten Tauchroboter mit Infrarotkamera ein, der aber nur geologische Formationen entdeckte, ebenso an zwei weiteren Punkten, die am 10. April aus der NĂ€he untersucht wurden. Am 17. April verlautete, dass die Entscheider die avisierte Zone vom Breitengrad 29° S auf 26° S deutlich erweiterten. Bis zum 22. Mai suchte man insgesamt 96.200 kmÂČ ab.cite-ref-218[145]

Das von Premierminister Najib Razak angefĂŒhrte ParteienbĂŒndnis Barisan Nasional verlor am 9. Mai 2018 die malaysische Parlamentswahl, nachdem man Najib Korruption vorgeworfen hatte. Seit der UnabhĂ€ngigkeit Malaysias verlor damit zum ersten Mal das RegierungsbĂŒndnis die Macht. Der Wahlsieger und frĂŒhere Premier Mahathir bin Mohamad wurde am 10. Mai 2018 als neuer Premierminister vereidigt. Er erfĂŒllte daraufhin sein Wahlversprechen, das Hafturteil gegen Anwar Ibrahim (ergangen am Tag des Verschwindens von MH370) annullieren zu lassen, so dass der Weg fĂŒr die Nachfolge Anwars nach etwa zwei Jahren frei war. Darauf kĂŒndigte Mahathir den Vertrag mit Ocean Infinity zum 29. Mai 2018. Der designierte Nachfolger Anwar kĂŒndigte an, den Fall neu aufzurollen und insbesondere die stark verzögerte Reaktion von Luftkontrolle, MilitĂ€r und Fluggesellschaft zu untersuchen. Sollten sich neue Hinweise ergeben, könnte die Suche wiederaufgenommen werden.cite-ref-219[146] Am 29. Mai 2018 kĂŒndigte Ocean Infinity an, dass die Suchaktion auch angesichts der ungĂŒnstigen winterlichen WetterverhĂ€ltnisse auslaufen werde.cite-ref-infinity-4-1[4]

Entwicklungen ab 2021

Der Luftfahrtingenieur Richard Godfrey veröffentlichte Ende 2021 in einem Blog eine Auswertung, die anhand von WSPR-Whispernet-Daten die Position des vermissten Flugzeugs auf den Großkreisen zwischen den Sendern und EmpfĂ€ngern der Amateurfunkstationen fĂŒr die entsprechenden Zeitpunkte ermitteln soll. Er hat dazu in frei zugĂ€nglichen Funkdatenbanken die Whispernet-Daten des Amateurfunks zwischen dem 7. und 8. MĂ€rz 2014 verwendet und auf mögliche Überschneidungen mit der Flugroute geprĂŒft. Der so identifizierte mögliche Flugpfad soll eine Warteschleife und einige kleinere KursĂ€nderungen enthalten. Diese Auswertung fĂŒhrte zu einer FlĂ€che von etwa 300 kmÂČ, die großenteils bereits in der ersten Suchphase berĂŒcksichtigt wurde, aber wiederholt werden sollte.cite-ref-220[147] Die ĂŒbrigen Mitglieder der gleichen Gruppe unabhĂ€ngiger Ermittler und weitere Experten wandten ein, die Methode sei ungeeignet, ein Flugzeug wie hier ĂŒber weite Strecken nachzuverfolgen. Der NobelpreistrĂ€ger und Funkexperte Joe Taylor bezeichnete die Idee sogar als nutty („durchgeknallt“).cite-ref-221[148] Das ATSB ĂŒberprĂŒfte trotzdem nochmals zusammen mit Geoscience Australia die bei der frĂŒheren Suche gewonnenen Sonarbilder, kam jedoch zu keinem anderen Ergebnis.cite-ref-222[149]

Ein System von Hydrophonen in der NĂ€he der Stadt Perth, das Australien im Rahmen eines Systems zur Überwachung des Atomwaffensperrvertrags betreibt, hatte nach 01:30 UTC (09:30 MYT) am Tag des Absturzes ein GerĂ€usch registriert, das laut einer australischen Analyse von 2014 aufgrund von Triangulation wahrscheinlich nicht von MH370 stammt.cite-ref-223[B 5]cite-ref-224[150] Bei einer Neuauswertung von 2024 empfahl eine Forschergruppe aus Cardiff den Einsatz von Schallkanonen, um weitere, jedoch nichttriangulierbare Signale in zeitlicher NĂ€he zum Absturz abklĂ€ren zu können. Die Forscher argumentieren aufgrund eines Vergleichs mit historischen FlugzeugabstĂŒrzen, dass ein Absturz in der NĂ€he des siebten Bogens, zumal mit hoher Geschwindigkeit, akustisch registriert worden sein mĂŒsste.cite-ref-225[151]

Erneute Suche durch Ocean Infinity seit Februar 2025

Im Dezember 2024 stimmte die malaysische Regierung einer weiteren Suchaktion durch das amerikanisch-britische Unternehmen Ocean Infinity im sĂŒdlichen Indischen Ozean grundsĂ€tzlich zu.cite-ref-226[152] Die Suche begann Ende Februar 2025 und konzentriert sich auf eine 15.000 Quadratkilometer große FlĂ€che, rund 1500 Kilometer vor der KĂŒste von Perth. Bei dem auf 18 Monate angelegten Projekt, das hauptsĂ€chlich wĂ€hrend der Sommermonate der sĂŒdlichen HemisphĂ€re, also im europĂ€ischen Winter und FrĂŒhjahr, stattfinden soll, setzt das Suchschiff Armada 78 06 technologisch deutlich verbesserte Unterwasserdrohnen aus, die bis zu 100 Stunden am StĂŒck den Meeresgrund durchsuchen können.cite-ref-227[153] Nur fĂŒr den Fall einer erfolgreichen Suche erhĂ€lt das Unternehmen eine VergĂŒtung – in Höhe von 70 Millionen USD.cite-ref-228[154] Die Suche wurde im April 2025 aufgrund der Wetterbedingungen pausiert. Eine Fortsetzung wurde fĂŒr Ende 2025 angekĂŒndigt.cite-ref-229[155] Die neuerliche Suche soll mit Unterbrechungen insgesamt 55 Tage laufen, ab 30. Dezember 2025.cite-ref-230[156] -->

Funde angeschwemmter TrĂŒmmerteile

Flaperon auf der Insel La Réunion im Juli 2015

Am 29. Juli 2015, knapp anderthalb Jahre nach dem Verschwinden, fand ein Einwohner bei Saint-AndrĂ© auf der Insel La RĂ©union bei SĂ€uberungsarbeiten ein etwa zwei Meter langes angeschwemmtes, beidseitig mit Entenmuscheln (sessilen Krebstieren) bedecktes Wrackteil. Ein befreundeter Pilot teilte ihm mit, es könnte sich um das rechte Flaperon einer Boeing 777 handeln.cite-ref-231[157] Ein solches Bauteil besteht ĂŒberwiegend aus kohlenstofffaserverstĂ€rktem Kunststoff (CFRP) mit Wabenkern aus Aramidcite-ref-232[158] und schwimmt daher gut. Noch vor Ort untersuchte man Alter und Herkunft der Tiere.cite-ref-233[159] Die Regionalzeitung Le Journal de l’üle de la RĂ©union veröffentlichte eine Nahaufnahme des angeschwemmten Fragments, auf der die Nummer 657-BB zu erkennen ist, die gemĂ€ĂŸ dem Wartungshandbuch Boeings dem Flaperon Leading Edge Panel einer Boeing 777 zugeordnet ist.cite-ref-234[160] Am 31. Juli urteilte Martin Dolan, der Leiter der fĂŒr die Suche zustĂ€ndigen australischen Behörde ATSB, es sei „sehr wahrscheinlich“, dass dieses Wrackteil zu dem verschwundenen Flugzeug gehöre, da kein weiterer Fall eines vermissten Flaperons einer Boeing 777 bekannt sei.cite-ref-235[161]

Das Wrackteil traf am 1. August in Toulouse am Zentrum DGA Techniques aĂ©ronautiques ein, wo Experten es ab dem 5. August gerichtlich angeordnet begutachteten. Sowohl Malaysia als auch Australien hatten verlangt, das FundstĂŒck rĂŒckzufĂŒhren, Frankreich hatte dies aber abgelehnt, da bereits im MĂ€rz 2014 ein Ermittlungsverfahren der französischen Justiz eingeleitet worden war. Untersucht wurde ab Mai 2014 ein Anfangsverdacht auf FlugzeugentfĂŒhrung und Totschlag (dĂ©tournement d’aĂ©ronef aggravĂ© par la mort d’une ou plusieurs personnes) sowie FlugzeugentfĂŒhrung im Zusammenhang mit Terrorismus (dĂ©tournement d’aĂ©ronef en relation avec une entreprise terroriste). Hintergrund ist der Tod von vier französischen StaatsbĂŒrgern an Bord der Maschine. Außerdem wurde das TrĂŒmmerteil auf französischem Hoheitsgebiet gefunden.cite-ref-236[162]cite-ref-mackowiak-237-0[163] Um abzuklĂ€ren, ob das Wrackteil zu dem verschwundenen Flugzeug gehörte, wurden Vertreter aller an der Untersuchung beteiligten Staaten eingeflogen.cite-ref-238[164]

Am 5. August 2015 bestĂ€tigte der malaysische Premierminister Najib Razak, dass die internationalen Experten „schlĂŒssig bestĂ€tigt“ hatten, das gefundene Wrackteil gehöre zur vermissten Malaysia-Airlines-Maschine. Damit liege ein physischer Beleg vor, dass der Flug im sĂŒdlichen Indischen Ozean geendet habe.cite-ref-239[165] Der stellvertretende Staatsanwalt von Paris, Mackowiak, sprach von einer „sehr starken Vermutung“, die sich aufgrund gemeinsamer technischer Merkmale ergeben habe.cite-ref-mackowiak-237-1[163] Nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers handelte es sich dabei um ein Wartungssiegel und den Farbanstrich, die mit den Unterlagen von Malaysia Airlines ĂŒbereinstimmten.cite-ref-240[166] Am 19. August hatte das Ermittlerteam den ersten Teil der Untersuchung abgeschlossen; zu gegebener Zeit sollte darĂŒber berichtet werden.cite-ref-241[D 24] Am 3. September 2015 bestĂ€tigte die französische Staatsanwaltschaft definitiv, dass eine Nummer im Inneren des Flaperons mit der Seriennummer der FlĂŒgelklappe des vermissten Flugzeugs verknĂŒpft werden konnte. Die Zeitung Le Monde berichtete außerdem ĂŒber einen Empfang von Familienangehörigen der vier Franzosen an Bord von MH370 durch den französischen StaatsprĂ€sidenten François Hollande am gleichen Tag. Die Angehörigen sollen demnach informiert worden sein, dass das Wrackteil keine Sprengstoffspuren aufweise. Die Analyse der Entenmuscheln der Spezies Lepas anatifera habe ergeben, dass sich deren Kolonie in gemĂ€ĂŸigten oder tropischen GewĂ€ssern mit Temperaturen von mindestens 18 Grad Celsius auf dem Wrackteil angesiedelt haben musste. Das Flaperon soll dabei knapp unterhalb der WasseroberflĂ€che getrieben sein.cite-ref-242[167]

Nach dieser Entdeckung suchten Behörden und Einwohner die KĂŒste sowie angrenzende GewĂ€sser von La RĂ©union grĂŒndlich ab und ĂŒbergaben eine Reihe von gefundenen GegenstĂ€nden der Polizei. Ein Team internationaler Ermittler prĂŒfte relevante StĂŒcke vor Ort – ohne Erfolg. Die KĂŒstenwache von Mauritius suchte die Umgebung mit Flugzeugen und Booten ab, und auch bei Madagaskar, den Komoren, den Seychellen und den Malediven wurde genau nachgesehen.cite-ref-243[168] Am 17. August gab man die Suche nach treibenden TrĂŒmmerteilen vor La RĂ©union auf, nachdem man 10.000 kmÂČ MeeresoberflĂ€che abgesucht hatte.cite-ref-244[169] Auch einige auf den Malediven gemeldete Relikte stammen nach PrĂŒfung nicht von einem Flugzeug.cite-ref-245[170]

Weitere TrĂŒmmerteile in SĂŒdostafrika ab dem Jahre 2016

Ende Februar 2016 fand Blaine Gibson, ein amerikanischer Schatzsucher, Weltreisender und Teil einer Gruppe unabhĂ€ngiger Ermittler, mit UnterstĂŒtzung von Ortskundigen an einem Strand in Mosambik ein weiteres TrĂŒmmerteil, ungefĂ€hr einen Meter lang und stark beschĂ€digt, anscheinend das rechte Höhenleitwerk (horizontal stabilizer) einer Boeing 777 mit Aufschrift „NO STEP“, wie am 3. MĂ€rz verlautete.cite-ref-246[171] Das BruchstĂŒck wurde den örtlichen Behörden ĂŒbergeben und traf am 10. MĂ€rz in Malaysia ein. Am gleichen Tag meldete sich eine sĂŒdafrikanische Familie, deren Sohn beim Urlaub in Inhambane in Mosambik bereits im Dezember ein weiteres stark beschĂ€digtes TrĂŒmmerteil entdeckt hatte und dieses nach KwaZulu-Natal mitgenommen hatte, anscheinend das rechtsseitige Flap Track Fairing # 7 einer Boeing mit Code 676EB.cite-ref-247[172] Nachdem beide Teile zunĂ€chst in Malaysia gelagert worden waren, erreichten sie am 20. MĂ€rz Australien.cite-ref-248[173] Am folgenden Tag untersuchten australische Wissenschaftler die beiden Überreste auf Spuren marinen Lebens, Farbanstrich und Markierungen.cite-ref-249[D 25] Im Ergebnis stellte das ATSB fest, dass beide Teile wegen ĂŒbereinstimmender Merkmale „fast sicher“ von dem vermissten Flugzeug stammen.cite-ref-250[174] Insbesondere entspricht die Schablonierung der SchriftzĂŒge auf beiden Teilen derjenigen von Malaysia Airlines. Die Beschriftung auf einem Befestigungselement des Höhenleitwerks wurde in der laufenden Produktion nicht mehr verwendet und entsprach derjenigen der Rumpfnummer 405, die auf die Rumpfnummer 404 der 9M-MRO folgt. RĂŒckstĂ€nde von marinem Leben auf beiden Teilen konservierte man und untersuchte sie.cite-ref-251[175]

Ein ArchĂ€ologe fand am 22. MĂ€rz 2016 in Mossel Bay in SĂŒdafrika ein weiteres stark beschĂ€digtes TrĂŒmmerstĂŒck mit Teilen des Logos von Rolls-Royce, das als Triebwerksverkleidung identifiziert wurde.cite-ref-252[176] Das Fragment war bereits am 23. Dezember 2015 nahe Mossel Bay am Strand fotografiert, aber nicht erkannt worden. Zu diesem Zeitpunkt war es mit Entenmuscheln („barnacles“)cite-ref-2405atsb-253-0[177] bewachsen.cite-ref-254[178] Am 30. MĂ€rz fand ein StrandgĂ€nger auf der Insel Rodrigues, die zu Mauritius gehört, ein weiteres Fragment.cite-ref-255[179] Beide Teile brachte man nach Australien, wo Überreste mariner Lebewesen entfernt und konserviert wurden. Am 12. Mai kam das ATSB zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Schablonierung des Logos, die derjenigen von Malaysia Airlines und nicht dem Original von Rolls-Royce entsprach, sowie weiterer Merkmale das Teil der Triebwerksverkleidung von einer Boeing 777 von Malaysia Airlines stammt. Das auf Rodrigues entdeckte Teil gehörte zu der Innenverkleidung eines Schranks nahe der TĂŒr R1 (vorne rechts) aus der Flugzeugkabine. Aufgrund des besonderen Laminatmusters konnte man es einer Boeing 777 von Malaysia Airlines zuordnen. Beide Teile stammen so fast sicher von der 9M-MRO.cite-ref-2405atsb-253-1[177]

Am 23. Juni 2016 tauchten Bilder einer in Tansania gefundenen vermuteten Sektion des rechten outboard flap einer Boeing 777 auf.cite-ref-256[180] Sie wurde zur Untersuchung nach Australien gebracht und ist das grĂ¶ĂŸte bislang gefundene Wrackteil.cite-ref-257[181] Am 15. September 2016 bestĂ€tigte das ATSB, dass es sich aufgrund der gefundenen Teilenummern, Zeitstempel und Fertigungsauftragsnummern, die sich mit den Aufzeichnungen des italienischen Herstellers deckten, eindeutig um eine Sektion des rechten outboard flap der 9M-MRO handelt.cite-ref-258[182] Am 7. Oktober konnte das ATSB außerdem ein trailing edge, das im Mai auf Mauritius gefunden worden war, anhand einer Teile- und Fertigungsauftragsnummer dem linken outboard flap zuordnen. Es ist damit das erste Teil, das nachweislich vom linken FlĂŒgel stammt.cite-ref-259[183]

Bis zum 14. Oktober 2016 hatte man insgesamt 22 vermutete Teile des Flugzeugs in Madagaskar, Tansania, Mosambik, SĂŒdafrika sowie auf La RĂ©union und Mauritius gefunden. Vier davon stammen vermutlich aus dem Innenraum, eines vom Seitenleitwerk, der Heckflosse.cite-ref-260[184] Blaine Gibson fand einige dieser Überreste Anfang Juni in Madagaskar und beklagte sich darĂŒber, dass die Teile, darunter die Bildschirmhalterung eines Sitzes, erst nach sechs Monaten abgeholt wurden. Im Dezember suchten einige Angehörige auf eigene Faust an StrĂ€nden von Madagaskar.cite-ref-261[185]

Untersuchungsergebnisse zu den bis dahin gefundenen Teilen veröffentlichte Ende Februar 2017 diesmal die malaysische Seite. Als Resultat konnten zwölf Teile als wahrscheinliche TrĂŒmmer der 9M-MRO identifiziert werden, darunter besonders Teile von beiden FlĂŒgeln, ĂŒberwiegend Bauteile von Klappen, von der vorderen Fahrwerksklappe, vom stark beschĂ€digten Seitenleitwerk sowie aus dem Innenraum die Bildschirmhalterung mit Stoffrest und ein Bauteil mit Laminatmuster. Die meisten dieser Relikte konnten einer Boeing 777 zugewiesen werden; die Fundorte sprachen fĂŒr einen Ursprung nahe dem siebten Ping-Ring. In einigen FĂ€llen gelang aufgrund der Gestaltung eine genauere Zuordnung zu einer Boeing 777 von Malaysia Airlines. Einige dieser TrĂŒmmerteile wiesen BruchschĂ€den an den RĂ€ndern auf, jedoch keine DruckschĂ€den im Wabenkern.cite-ref-262[186]

Infolge der Funde erhielt Blaine Gibson Morddrohungen. Ein malaysischer Diplomat, der mit der Überbringung von Material von Blaine Gibson beauftragt war, wurde vor der Überbringung in Antananarivo auf Madagaskar ermordet aufgefunden – ein Zusammenhang mit MH370 erscheint unklar.cite-ref-263[187]

Die meeresbiologischen Proben von fĂŒnf in Australien untersuchten Wrackteilen waren in der Regel sehr jung. Die marinen Lebewesen hatten sich nicht lĂ€nger als ein bis drei Monate vor dem Anlanden an den Wrackteilen festgesetzt. Nur bei einer einzigen Probe konnte ein Wachstum von acht bis zwölf Monaten nachgewiesen werden. Alle Proben wurden als ursprĂŒnglich tropischen GewĂ€ssern entstammend beurteilt.cite-ref-264[E 11]

Anfang 2019 bestĂ€tigte Malaysia, dass einige weitere FundstĂŒcke, die Blaine Gibson aus Madagaskar den Behörden ĂŒbergeben hatte, vermutlich von MH370 stammen, darunter ein Fragment einer Bodenplatte aus dem Innenraum.cite-ref-265[188]

Im Februar 2021 wurde ein weiterer möglicher Fund aus Jeffreys Bay, SĂŒdafrika, mit einer LĂ€nge von etwa einem Meter bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um einen spoiler wing panel einer Boeing 777, wobei der Farbanstrich zu Malaysia Airlines passt.cite-ref-266[189] Das StĂŒck stammt wahrscheinlich – wie die meisten gefundenen TrĂŒmmerteile – vom rechten FlĂŒgel.cite-ref-267[190]

Driftmodelle

Die australische Verkehrssicherheitsbehörde ATSB sowie das staatliche Forschungsinstitut CSIRO sehen in dem Flaperon-Fund eine BestĂ€tigung fĂŒr das festgelegte Suchgebiet, wobei eine RĂŒckverfolgung der Treibbewegungen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum sehr unprĂ€zise sei. Zum Fundort des Höhenleitwerks in Mosambik meint CSIRO, dieser widerlege das festgelegte Suchgebiet nicht, könne es aber auch nicht unbedingt bestĂ€tigen.cite-ref-csiro-268-0[191]cite-ref-269[D 26]

UnabhĂ€ngige Institute bezweifelten dagegen erheblich die Vereinbarkeit des Suchgebiets mit den ersten Funden von TrĂŒmmerteilen. Forscher des Helmholtz-Zentrums fĂŒr Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) stellten am 1. September 2015 Ergebnisse einer Strömungsmodellierung vor, die auf dem Flaperon-Fund basierte. Diese Studie deutet darauf hin, dass die Absturzstelle mindestens 3500 km nördlich des damaligen Suchgebiets liegen könnte. Ausgehend von der Umgebung der Insel, wurden virtuelle Partikel auf Basis von Strömungsdaten 16 Monate zurĂŒckverfolgt. Nicht berĂŒcksichtigt wurden zunĂ€chst unmittelbare Einwirkungen von Wind oder Wellen. Die Unsicherheiten seien groß.cite-ref-270[192] Das ATSB kommentierte, diese Studie werde nichts am Suchgebiet Ă€ndern.cite-ref-271[193] Doch kamen auch weitere Driftstudien in den Folgemonaten, die teilweise die WindeinflĂŒsse mitberĂŒcksichtigen, in der Summe zu dem Ergebnis, dass der Fund mit dem sĂŒdlichen Suchgebiet nur mit signifikantem Windeinfluss vereinbar sei und besser zu einem nördlicheren Ursprungsort passe. Zudem sei bei dem sĂŒdlichen Suchgebiet zu erwarten, dass TrĂŒmmer zunĂ€chst an der australischen WestkĂŒste angespĂŒlt werden mĂŒssten.cite-ref-272[194]

Der Journalist und Wissenschaftsautor Jeff Wise veröffentlichte am 2. Mai 2016 eine Kopie des Untersuchungsberichts zu den Strömungsmodellierungen zum Flaperon-Fund, die vom staatlichen französischen Wetterdienst MĂ©tĂ©o-France am 8. Februar 2016 fertiggestellt wurde. Dieser Bericht war als Teil der gerichtlich angeordneten Begutachtung zunĂ€chst nicht zur Veröffentlichung bestimmt.cite-ref-273[195] Darin werden insbesondere zwei grundsĂ€tzlich verschiedene Szenarien vorgestellt: einmal eines auf Grundlage der Auftriebsstudien des DGA, zum anderen eine Modellierung, bei der das Flaperon unterhalb der WasseroberflĂ€che treibt. Diese letztere Möglichkeit sei dadurch nahegelegt, dass das Flaperon beidseitig mit Entenmuscheln bedeckt gewesen sei. Im ersten Fall ergibt sich als mögliche Schnittmenge des Ursprungsortes mit der siebten Bogenlinie ein Korridor, der sich westsĂŒdwestlich von Australien erstreckt und mit dem festgelegten Suchgebiet zusammenfĂ€llt. In diesem Szenario betrĂ€gt die Wahrscheinlichkeit, dass das Flaperon grundsĂ€tzlich aus dem östlichen Teil des Indischen Ozeans stammt, höchstens 21 %. Bei der Alternative wĂ€re ein Korridor westlich oder nordwestlich von Australien, aber deutlich nördlich des vom ATSB festgelegten Suchgebiets, ein möglicher Ursprungsort. Die entsprechende Wahrscheinlichkeit liegt bei mindestens 70 %.cite-ref-274[196]

Das Kieler Institut Geomar veröffentlichte schließlich am 10. Mai 2016 in Zusammenarbeit mit britischen und französischen Instituten eine verfeinerte Studie der Driftmodellierungen des Flaperons und bezog dabei die beiden neueren Funde aus Mosambik mit ein. Das neue Modell berĂŒcksichtigte insbesondere den Stoke Drift, also die durch Wind verursachte Wellenbewegung.cite-ref-275[197] Als Fazit befanden die Forscher, das Suchgebiet sei weiter sĂŒdlich zu verorten, als sie das in ihrer Analyse vom September 2015, nach dem Fund des ersten TrĂŒmmerteils, ermittelt hatten. Dennoch betrage die Wahrscheinlichkeit, dass das Flaperon aus dem festgelegten Suchgebiet stamme, weniger als 1,3 %. Die Chance, dass es aus einem insgesamt 2,5 Millionen kmÂČ großen Gebiet nördlich davon stamme, sei 95 %. Das europĂ€ische Forschungskonsortium geht wegen des gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber die OberflĂ€che des Flaperons verteilten Entenmuschelbewuchses ebenfalls davon aus, dass das Flaperon ĂŒberwiegend unterhalb der WasseroberflĂ€che getrieben ist.cite-ref-276[198] Eine italienische Forschergruppe veröffentlichte außerdem im Juli 2016 Ergebnisse von Driftsimulationen aufgrund der bis dahin bestĂ€tigten Funde (auf La RĂ©union, in Mosambik, SĂŒdafrika und auf Rodrigues). Im Ergebnis sehen die Forscher eine Schnittmenge mit der siebten Bogenlinie, die sich allerdings nur teilweise mit dem Suchgebiet ĂŒberlappt und sich weiter nördlich davon (von 28° bis 35° S) ausdehnt.cite-ref-277[199] Im April 2019 veröffentlichte Geomar einen weiteren Aufsatz, der letztlich den wahrscheinlichsten Absturzort bei 34° bis 35° S verortet.cite-ref-278[200] Zu einem teils Ă€hnlichen Ergebnis kam etwa gleichzeitig ein Team der University of Miami zusammen mit der FU Berlin, wonach ein Hotspot fĂŒr das Wrack bei 36° S liegt, ein zweiter, wahrscheinlicherer aber weiter nördlich, um 25° S.cite-ref-279[201]

Das Forschungsinstitut CSIRO legte im April 2017 die Ergebnisse der Untersuchungen zu den Flaperon-Replica vor (siehe oben). In Übereinstimmung mit den Ergebnissen des First Principles Review des ATSB nehmen die Forscher an, dass ein Absturz um die 35° S mit den bekannten Daten (Zeitpunkt des Eintreffens des Flaperons auf La RĂ©union sowie weiterer TrĂŒmmerteile in Afrika, ausbleibende TrĂŒmmer in Australien) am besten zu vereinbaren sei. Auch ein Absturz zwischen 30,5° und 32° S sei gut möglich.cite-ref-280[202]cite-ref-281[203] Anhand neu ausgewerteter Bilder des Erdbeobachtungssatelliten PlĂ©iades-1A vom 23. MĂ€rz 2014, zirka zwei Wochen nach dem Verschwinden, wollte CSIRO durch eine weitere Publikation im Juni einen Absturz um 35° S noch naheliegender erscheinen lassen: Die Bilder zeigen zwar menschengemachte Objekte – diese lassen sich aber nicht einem Flugzeug zuordnen.cite-ref-282[204]

Zwei Gutachten französischer Meeresbiologen zu den Mikroorganismen auf dem flaperon wurden erst mit dem Abschlussbericht vom 30. Juli 2018 veröffentlicht. Laut der ersten Expertise könnten die grĂ¶ĂŸten und Ă€ltesten Organismen der Gattung Lepas (Anatifa) anatifera striata, die besonders westlich von Australien beheimatet ist, 15 bis 16 Monate gewachsen sein, also bereits etwa einen Monat nach dem Absturz das flaperon kolonisiert haben. HierfĂŒr sind Temperaturen von ĂŒber 18 bis 20 Grad Celsius notwendig. Laut dem zweiten Gutachten kann das Alter der Exemplare nicht genauer als auf „einige Monate“ eingegrenzt werden; die fĂŒr die Besiedelung notwendigen Temperaturen liegen sogar bei 28,5 Grad. Die kleinsten und jĂŒngsten Exemplare stammen dagegen aus GewĂ€ssern mit etwa 24,5 Grad, was den Wassertemperaturen um La RĂ©union entspricht. Das flaperon muss daher aus ostnordöstlicher Richtung bis zum Fundort gedriftet sein.cite-ref-283[F 16] Der Absturz könnte also deutlich weiter nördlich passiert sein als bis dahin angenommen. Damit in Einklang steht eine Great-Circle-Route, die der dĂ€nische Ingenieur Martin Kristensen von der UniversitĂ€t Aarhus Ende 2018 veröffentlichte: demnach könnte die Absturzstelle bei der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean liegen, wenn die finale Wende nach SĂŒden erst sehr spĂ€t kam.cite-ref-284[205]

Ermittlungen und offizielle Berichte

Der malaysische Polizeichef Khalid Abu Bakar gab in den Tagen nach dem Verschwinden bekannt, dass die Behörden in alle Richtungen ermittelten, gemĂ€ĂŸ den strafrechtlichen Kategorien der Sabotage, EntfĂŒhrung und des Terrorismus, um den Vorfall aufzuklĂ€ren.cite-ref-285[206] Die malaysische Polizei teilte noch im MĂ€rz mit, sie sei nicht bereit, Ergebnisse der Ermittlungen zu veröffentlichen, um die Untersuchungen oder ein etwaiges spĂ€teres Gerichtsverfahren nicht zu gefĂ€hrden.cite-ref-286[207]cite-ref-msian-287-0[208] Der malaysische Verteidigungsminister und amtierende Verkehrsminister Hishammuddin Hussein bekrĂ€ftigte auf einer Pressekonferenz vom 19. MĂ€rz 2014, dass die Passagiere, die Piloten und die Besatzung als unschuldig zu gelten hĂ€tten, bis das Gegenteil bewiesen sei.cite-ref-288[209] Der malaysische Polizeichef gab im April zu bedenken, die Ursachen fĂŒr das Verschwinden könnten auch nach Abschluss der Ermittlungen unbekannt bleiben.cite-ref-289[210] Er forderte außerdem, dass der Flugschreiber, sollte er gefunden werden, von seiner Behörde untersucht werden solle, die allerdings ĂŒber keinen sachkundigen Experten verfĂŒge und dafĂŒr auf externe Fachleute angewiesen sei.cite-ref-290[211]

Die polizeilichen Ermittlungen schließen die Herkunft der mitgefĂŒhrten Fracht, insbesondere der vier Tonnen Mangostane, sowie des Flugzeugessens mit ein.cite-ref-msian-287-1[208]cite-ref-smh1-291-0[212] Der britische Geheimdienst MI6, die amerikanische CIA, das FBI und der chinesische Geheimdienst beteiligten sich daran, den Vorfall aufzuklĂ€ren.cite-ref-292[213] Bis Anfang April 2014 wurden etwa 170 Personen befragt, sowohl Angehörige von Bordinsassen als auch Personal, das Zugang zu der Maschine hatte.cite-ref-293[214] Am 15. April gab der malaysische Verkehrsminister bekannt, dass außerdem ein Ermittlungsteam unter malaysischer Leitung mit internationaler Beteiligung der Staaten Australien, China, USA, Großbritannien und Frankreich gebildet werde, das die FlugtĂŒchtigkeit, die Betriebsgeschichte des Flugzeuges und medizinisch-psychologische Aspekte der Menschen an Bord untersuchen werde.cite-ref-h2o0504-294-0[215] Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden im Zwischenbericht vom 8. MĂ€rz 2015 veröffentlicht.

Laut Medienberichten vom 24. April 2014 hatten die malaysischen Behörden einen ersten vorlĂ€ufigen Bericht zum Vorfall erarbeitet und der International Civil Aviation Organization (ICAO) ĂŒbergeben, ohne dieses Dokument, wie in Ă€hnlichen FĂ€llen ĂŒblich, vorab zu veröffentlichen.cite-ref-295[216] In einem Interview mit CNN kĂŒndigte der malaysische Premierminister Najib Razak daraufhin die Herausgabe des Berichts fĂŒr die darauffolgende Woche an, sobald er intern von Experten durchgesehen worden sei.cite-ref-cnn2-296-0[217] Der Bericht erschien schließlich am 1. Mai 2014 auf der Facebook-Seite des amtierenden malaysischen Verkehrsministers. Die Dokumentation empfiehlt, standardmĂ€ĂŸig eine Positionsbestimmung von Verkehrsflugzeugen in Echtzeit zu erwĂ€gen.cite-ref-report-25-4[20]cite-ref-297[218] Am 11. November 2015 beschloss man auf einer UNO-Konferenz in Genf, ein solches satellitengestĂŒtztes System innerhalb eines Jahres verbindlich einzufĂŒhren.cite-ref-298[219]

Anfang Mai wurden in Kuala Lumpur und im Bundesstaat Kedah im Nordwesten Malaysias elf angebliche Terroristen mit Verbindungen zu al-Qaida verhaftet. Die Abteilung fĂŒr Terrorismusabwehr hielt einen Zusammenhang mit dem Verschwinden des Flugzeugs fĂŒr möglich,cite-ref-299[220] eine Sprecherin der Polizei schloss dies aus.cite-ref-300[221]

Einer indonesischen Nachrichtenquelle zufolge habe der indonesische Polizeichef bei einer Besprechung von Fluggesellschaftsvertretern und hochrangigen Polizeibeamten im September 2014 unter Hinweis auf ein GesprĂ€ch mit dem pensionierten malaysischen Polizeichef ausgesagt, dass ihm die GrĂŒnde fĂŒr das Verschwinden von MH370 bekannt seien. Der amtierende malaysische Polizeichef zeigte sich schockiert ĂŒber diese Äußerung.cite-ref-301[222]

Am 29. Januar 2015, also an dem Tag, an dem die Maschine offiziell fĂŒr verunglĂŒckt erklĂ€rt wurde, kĂŒndigte die malaysische Regierung die Veröffentlichung eines vorgeschriebenen Zwischenberichts fĂŒr den 7. MĂ€rz an, einen Tag vor dem ersten Jahrestag des Vorfalls. Da die Ursache des Unfalls nicht geklĂ€rt werden könne, bevor Wrackteile und insbesondere die Flugschreiber gefunden seien, solle dieser Bericht lediglich die Untersuchungsergebnisse zur Sicherheit des Flugzeugs und nicht die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen (criminal investigation) enthalten.cite-ref-29jan-302-0[223]

Der gut 500-seitige Zwischenbericht wurde am 8. MĂ€rz veröffentlicht. Er enthĂ€lt insbesondere Angaben zum Flugverlauf, zu psychologischen, medizinischen und finanziellen HintergrĂŒnden der Besatzung, zur Sicherheit, Betankung, Fracht und zu den Kommunikationssystemen der verschwundenen Boeing 777 sowie die Kommunikationsprotokolle der zivilen LuftĂŒberwachung. Der Bericht umfasst unter anderem die folgenden Angaben zu FlugtĂŒchtigkeit und Betriebsgeschichte:

‱ Die Unterlagen entsprachen den Standards zur FlugtĂŒchtigkeit.
‱ Das Sauerstoffsystem fĂŒr die Besatzung war bei einer RoutineĂŒberprĂŒfung am Abflugtag wiederaufgefĂŒllt worden.cite-ref-303[A 18]
‱ Dabei wurde auch ein Software-Downgrade des Flugunterhaltungssystems durchgefĂŒhrt.cite-ref-304[A 19]
‱ Die damit verbundenen Satellitentelefone in der Business-Class waren bei diesem Flugzeug nur fĂŒr Anrufe an andere Sitze an Bord geeignet.cite-ref-305[A 20] Das Flugunterhaltungssystem – und damit die Möglichkeit, Nachrichten von der Kabine zum Boden zu schicken – konnte vom Cockpit aus deaktiviert werden.cite-ref-306[A 21]
‱ Die Flugshow-Funktion im Unterhaltungssystem war seit Ende Oktober 2013 defekt, die geschĂ€tzte Ankunftszeit wurde nicht angezeigt.cite-ref-307[A 22]
‱ Die Batterie des Unterwasser-OrtungsgerĂ€ts fĂŒr den Flugdatenschreiber war Ende 2012 abgelaufen.cite-ref-308[A 23]
‱ FĂŒr den Abschlussbericht wurden zusĂ€tzliche Erkenntnisse zum Treibstoffverbrauch sowie zur Höchstflugdauer in Aussicht gestellt.cite-ref-309[A 24]
‱ Der Purser (ranghöchster Flugbegleiter) war im Juni 2013 wegen eines epileptischen Anfalls stationĂ€r behandelt worden.cite-ref-310[A 25]

Dieser Bericht fasste zudem die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen zu psychologischen, medizinischen und finanziellen HintergrĂŒnden der Besatzung zusammen. Als Grundlage dienten interne und externe Unterlagen sowie Befragungen von Angehörigen, Bekannten und behandelnden Ärzten. Demnach hatte der KapitĂ€n im Unterschied zum Ersten Offizier keine Lebensversicherung abgeschlossen, die ein Motiv fĂŒr Selbstmord hĂ€tte sein können. Gegen chronische Schmerzen, die er sich aufgrund einer Verletzung der WirbelsĂ€ule zugezogen hatte, nahm er gelegentlich Schmerzmittel, wurde aber in regelmĂ€ĂŸigen Untersuchungen als weiter fĂŒr seinen Beruf geeignet befunden. Auch sein Bruttoeinkommen sowie seine Ausgaben ließen nichts Ungewöhnliches erkennen. Der KapitĂ€n zeigte auch keine signifikante Änderung in seinem Lebensstil, seinen zwischenmenschlichen Konflikten oder bei familiĂ€rem Stress. Kein Besatzungsmitglied hatte sich auffĂ€llig anders als sonst verhalten oder Alkohol oder andere Drogen missbraucht. Der Bericht interpretierte die Bilder der Überwachungskameras so, dass sich beide Piloten am Tag des Abflugs normal verhielten.cite-ref-311[A 26]

Am zweiten Jahrestag des Unfalls erschien vorschriftsgemĂ€ĂŸ ein zweiter Zwischenbericht, der diesmal nur drei Seiten umfasste. Mit Stand vom 8. MĂ€rz 2016 behandelt die Untersuchung insbesondere folgende Fragen: KursĂ€nderung weg von der vorgegebenen Route des Flugplans; Arbeitsprozesse des Luftverkehrsdienstes; Profil der Cockpitbesatzung (flight crew); Erkenntnisse zur Absturzart aufgrund der Untersuchung des Flaperons. Der Abschlussbericht sollte erscheinen, nachdem entweder das Wrack gefunden sein oder die Suche eingestellt werde.cite-ref-312[224]

Der Zwischenbericht zum dritten Jahrestag stellte auf Grundlage bis dahin gefundener TrĂŒmmer weiter fest, dass der Innenraum des Flugzeuges wahrscheinlich auseinanderbrach, entweder noch in der Luft (als Folge des Absturzes) oder beim Aufprall auf die MeeresoberflĂ€che. Der Abschlussbericht wurde fĂŒr die kommenden Monate angekĂŒndigt.cite-ref-313[225]

Der Abschlussbericht erschien am 30. Juli 2018 und legt sich ebenfalls nicht auf eine Ursache fĂŒr das UnglĂŒck fest. Die wiederholten Änderungen des Kurses nach dem Abbrechen des Kontakts waren jedenfalls auf manuelle Eingaben zurĂŒckzufĂŒhren. Ohne die Aufzeichnungen aus dem Flugschreiber war die Untersuchungskommission außerstande, eine plausible technische Ursache zu ermitteln, welche die Deaktivierung von Systemen, das Abweichen von der normalen Route Richtung Peking und den weiteren Flugverlauf hĂ€tte erklĂ€ren können. Nichts sprach dafĂŒr, dass irgendjemand anderer als einer der beiden Piloten gewendet hĂ€tte. Eine Intervention durch einen Dritten konnte allerdings nicht ausgeschlossen werden.cite-ref-314[F 17] Der Bericht vom 30. Juli 2018 enthĂ€lt außerdem die folgenden ĂŒber den Zwischenbericht hinausgehenden Neuigkeiten und Ergebnisse:

‱ Boeing trat Spekulationen entgegen, das Flugzeug könnte durch Fernsteuerung entfĂŒhrt worden sein. Diese Spekulationen gingen von einem Patent (US 7,142,971 B2) von 2006 fĂŒr eine Technik aus, mit deren Hilfe den Piloten die Kontrolle ĂŒber die Maschine entzogen werden kann. Das Patent wurde nie umgesetzt und insbesondere nicht in diesem Flugzeug (Baujahr 2002) verbaut.cite-ref-315[F 18]
‱ Es gibt keine Hinweise darauf, dass ein Mitglied des Kabinenpersonals Flugtraining erhalten hatte.cite-ref-316[F 19]
‱ Die medizinischen Unterlagen der Fluggesellschaft enthielten keine Kopien von Patientenakten anderer Kliniken. Es sei nicht auszuschließen, dass der FlugkapitĂ€n gegen Bargeld Schmerzmittel gekauft habe, da er solche fĂŒr seine WirbelsĂ€ulenverletzung nicht ĂŒber Kreditkarte erworben habe. Gleichwohl spreche nichts fĂŒr gesundheitliche BeeintrĂ€chtigungen, VerhaltensauffĂ€lligkeiten, persönliche Probleme oder Konflikte mit dem Kopiloten. Der Unfallflug war der erste gemeinsame Flug der beiden Piloten. Ebenfalls deute nichts darauf hin, dass der FlugkapitĂ€n psychiatrisch behandelt wurde; allerdings kontrollierte die Fluggesellschaft die geistige Verfassung des Flugpersonals nicht streng.cite-ref-317[F 20]
‱ Bei der polizeilichen Untersuchung des Flugsimulators des Piloten konnten Spezialisten insgesamt 2.700 ĂŒberwiegend vorprogrammierte Koordinaten wiederherstellen. Sieben Koordinaten, die auf eine Zwischenspeicherung zurĂŒckgehen und in Schattenkopien vom 3. Februar 2014 entdeckt wurden, bilden zusammengenommen eine Route von Kuala Lumpur ĂŒber die Andamanen in den sĂŒdlichen Indischen Ozean; jedoch konnte niemand ermitteln, ob diese Koordinaten auf eine gemeinsame Datei zurĂŒckgehen, ob also der FlugkapitĂ€n eine Route Ă€hnlich der von MH370 simuliert hat.cite-ref-318[F 21]

Theorien

Nach dem Chicagoer Abkommen liegt die Verantwortung zur Ursachenforschung bei Malaysia; Australien ist dagegen nicht autorisiert, sich zu möglichen Ursachen zu Ă€ußern.cite-ref-jacc0608t-171-1[123] Der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai, der inzwischen den Verteidigungsminister und amtierenden Verkehrsminister Hussein in dieser Funktion abgelöst hatte, kĂŒndigte an, dass die Ermittlungen erst abgeschlossen werden könnten, wenn das Wrack und der Flugschreiber gefunden wĂŒrden.cite-ref-28aug-162-2[116] Entsprechend enthielten weder der Zwischenbericht vom 8. MĂ€rz 2015 noch irgendeiner der vorausgegangenen offiziellen Berichte Angaben zur möglichen Ursache.

Selbst wenn der Flugschreiber gefunden werden sollte, werden sich möglicherweise entscheidende Fragen nicht klĂ€ren lassen: Der standardmĂ€ĂŸig verbaute Stimmenrekorder (CVR) speichert regulĂ€r nur die letzten zwei Stunden vor dem Absturz, lediglich der Flugdatenschreiber (FDR) speichert Parameter fĂŒr den gesamten Flug. Beim Unfall von Air-France-Flug 447 war ersterer zur Unfallrekonstruktion sehr hilfreich. Bei MH370 sind aber womöglich entscheidende VorfĂ€lle schon sieben Stunden vor dem Absturz passiert.cite-ref-black-box-132-1[88] Zudem halten es die Unfallermittler fĂŒr wahrscheinlich, dass der linke Stromkreis zeitweise unterbrochen war. Der Stimmrekorder hĂ€ngt ausschließlich an diesem Stromkreis.cite-ref-319[A 27]

Die folgenden Hypothesen und Szenarien sind von Fachleuten ernsthaft öffentlich diskutiert und offiziell erwogen worden, wobei auch eine Kombination mehrerer Szenarien möglich ist.cite-ref-ras-320-0[226] Es handelt sich derzeit lediglich um Spekulationen, die auf Indizien beruhen.

Sabotage-, EntfĂŒhrungs- oder Suizidtheorie

Der malaysische Premierminister Najib Razak erklĂ€rte am 15. MĂ€rz 2014 unter Berufung auf ĂŒbereinstimmende Ergebnisse der FAA, des NTSB, der AAIB und der malaysischen Behörden gegenĂŒber der Weltpresse, dass „mit einem hohen Grad an Sicherheit“ die Übertragung von ACARS-Daten deaktiviert war, bevor das Flugzeug die malaysische OstkĂŒste erreichte (also bereits gegen 01:07 Uhr), und dass der Transponder bald darauf im Grenzgebiet des malaysischen und vietnamesischen Luftraums abgeschaltet wurde. Die anschließenden RichtungsĂ€nderungen des Flugzeugs bis zu dessen letzter Erfassung durch MilitĂ€rradar stĂ€nden in Einklang mit vorsĂ€tzlichen Handlungen durch jemanden im Flugzeug. Trotz Medienberichten, dass MH370 entfĂŒhrt worden sei, werde man den Vorfall unter allen möglichen Gesichtspunkten betrachten.cite-ref-pmstatement-1-3[1] Zuvor hatte ein malaysisches Mitglied der Untersuchungskommission der Associated Press anonym mitgeteilt, dass die Ermittler „beweiskrĂ€ftig“ zu der Ansicht gekommen seien, dass MH370 entfĂŒhrt wurde.cite-ref-321[227] Ermittler aus den USA waren bereits am 13. MĂ€rz mit der Erkenntnis, dass ACARS um 01:07 Uhr deaktiviert wurde, anonym an die Öffentlichkeit gegangen.cite-ref-322[228] Nach Najib Razak hĂ€tten sich die Ermittlungen aber auf vier mögliche ErklĂ€rungen, „EntfĂŒhrung, Sabotage, persönliche oder psychische Probleme der Besatzung oder der Passagiere“, konzentriert und seien angesichts dieser neuen Erkenntnisse auf die Besatzung und Passagiere an Bord verlagert worden.cite-ref-323[229] Der Verkehrs- und Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein nannte als mögliche ErklĂ€rungen fĂŒr das Abschalten von Kommunikationsmitteln ein vorsĂ€tzliches Abschalten, ein Abschalten als Folge einer Nötigung oder aufgrund einer Explosion.cite-ref-hodal-112-3[69]

Am 18. MÀrz bestÀtigte Hishammuddin Hussein die Aussage des ehemaligen Chefs von Malaysia Airlines, es sei unmöglich, das Deaktivieren von ACARS nÀher einzugrenzen als zwischen 01:07 und 01:37 Uhr.cite-ref-324[230] Auf einer Pressekonferenz am Vortag hatte dieser zusammen mit dem Chef des zivilen Luftfahrtamts mitgeteilt, beiden Instituten lÀgen keine Hinweise auf einen Logoff-Vorgang vor.cite-ref-325[231] ACARS kann bei diesem Flugzeugtyp deaktiviert werden, wenn zunÀchst in den VHF-Modus und dieser vom Daten- auf Stimmmodus umgestellt wird.cite-ref-326[232] In diesem Fall werden weiterhin handshakes beantwortet und eingehende Nachrichten angezeigt, es werden aber keine Nachrichten mehr gesendet.cite-ref-327[F 22]

Es wird somit erwogen, dass möglicherweise die Crew selbst an einer EntfĂŒhrung beteiligt war, da zahlreiche VorgĂ€nge auf ein großes Fachwissen beim FlugzeugfĂŒhrer hindeuteten (Rogue Pilot Theory).cite-ref-nyt0503-328-0[233]cite-ref-suizid-329-0[234] Insbesondere spekulierten Medien ĂŒber die Theorie eines Mitnahmesuizids durch einen Piloten.cite-ref-dt-330-0[235]cite-ref-bbc0306-331-0[236] Gegen diese ErklĂ€rung fĂŒhrte man auf einer Fachtagung in London die lange Flugdauer an,cite-ref-ras-320-1[226] und auch die offiziellen Ermittlungen haben keine einschlĂ€gigen Selbstmordmotive bei den Piloten ergeben. Dennoch soll der Kurs von Flug MH370 nach Darstellung der New York Times gezielt ĂŒber das Flight Management System geĂ€ndert worden sein.cite-ref-nyt-jetpath-53-1[36] Auch die Radardaten legen nahe, dass das Flugzeug nach der KursĂ€nderung mindestens den Wegpunkt VAMPI passiert und eventuell weitere Punkte angesteuert hat, die im Flight Management System nacheinander oder auf einmal programmiert werden können.cite-ref-332[A 28]cite-ref-nyt0503-328-1[233]cite-ref-333[237] Dabei kann ein alternativer Flugplan eingegeben und anschließend aktiviert werden.cite-ref-334[B 6] Auch das Erlöschen des Transpondersignals sowie des ACARS-Systems geschah möglicherweise aufgrund eines Eingriffs durch Cockpitinsassen, da ein Laie dazu vermutlich nicht in der Lage gewesen wĂ€re.cite-ref-nyt-jetpath-53-2[36] Der Zeitpunkt des Verschwindens im „Niemandsland“ zwischen dem malaysischen und vietnamesischen Luftraum wurde außerdem als ideal fĂŒr eine mögliche EntfĂŒhrung diskutiert. Auch die mehrfachen RichtungsĂ€nderungen und der wahrscheinliche Flugverlauf an Landesgrenzen, mit dem etwa die indonesische LuftraumĂŒberwachung umgangen worden sein soll, sprĂ€chen fĂŒr ein absichtsvolles Handeln.cite-ref-cnn-0407-46-1[31]cite-ref-bbc0306-331-1[236] Das Flugzeug besaß eine elektronisch verriegelbare CockpittĂŒr.cite-ref-335[A 29] Damit war es den Leuten im Cockpit grundsĂ€tzlich möglich, Passagiere und Besatzung auszusperren, wenn trotz Eingabe eines Notfallcodes die TĂŒr von innen aktiv elektronisch blockiert war. Die TĂŒr ließ sich ĂŒberdies von innen mechanisch verriegeln.

Die australischen Behörden sowie das internationale Ermittlerteam vermuten außerdem, dass der Autopilot den Schwenk nach SĂŒden in Richtung Indischer Ozean veranlasste und die Maschine bis zum Ende steuerte, wĂ€hrend die Besatzung in der finalen Flugphase durch Sauerstoffmangel handlungsunfĂ€hig war oder nicht reagierte (unresponsive crew/hypoxia event). Man nimmt fĂŒr den letzten Abschnitt im sĂŒdlichen Indischen Ozean einen geraden Verlauf an, etwa in Richtung SĂŒdpol. Diese gerade Flugrichtung in die NĂ€he des magnetischen SĂŒdpols erfordert, manuell einen bestimmten Autopilotenmodus zu wĂ€hlen. Nach dem Ausgehen des Treibstoffs soll das Flugzeug in spiralförmigem Fall in den Ozean gestĂŒrzt sein.cite-ref-336[B 7]cite-ref-337[238] Nach Auskunft der International Civil Aviation Organization (ICAO) zur Suche nach MH370 ist es außerdem grundsĂ€tzlich möglich, die Notfunkbaken (ELTs), die bei Kontakt mit Wasser ein Signal aussenden sollen oder auch manuell von der Kabine aus ausgelöst werden können, im Cockpit zu deaktivieren.cite-ref-338[239]

Der angebliche Anstieg der Maschine ĂŒber die zugelassene Höchstgrenze hinaus wird gelegentlich als gezieltes Manöver gedeutet, um zusammen mit einem forcierten Druckabfall Passagiere und Besatzung handlungsunfĂ€hig zu machen.cite-ref-nyt1-57-1[39] Vom Cockpit aus ist es möglich, ĂŒber die Auslassventile den Druckausgleich manuell zu regulieren. Bei einem Druckabfall Ă€quivalent zu mindestens 13.500 Fuß (4100 Meter) wĂ€ren jedoch automatisch Atemmasken im Passagierraum heruntergefallen, die ĂŒber Sauerstoff fĂŒr 22 Minuten verfĂŒgen. Die Sauerstoffmaske im Cockpit hĂ€tte eine Person bis zu 27 Stunden mit Atemluft versorgen können. Außerdem befanden sich im Kabinenraum 15 Sauerstoffflaschen fĂŒr die Flugbegleiter, die je nach Einstellung jeweils fĂŒr bis zu zweieinhalb Stunden gereicht hĂ€tten, jedoch keine Druckatmung zulassen.cite-ref-339[A 30] Die Hinweise auf einen extremen Höhenanstieg sind zudem höchstwahrscheinlich falsch.cite-ref-height-60-1[41] Ebenfalls im Einklang mit dem offiziellen Szenario eines fĂŒhrerlosen Fluges in der letzten Phase steht die Möglichkeit, dass durch einen zusĂ€tzlichen Schaden an der AußenhĂŒlle, etwa durch das Bersten eines Fensters, ein rapider Druckabfall eingetreten sein könnte.cite-ref-zurich-340-0[240] Möglich ist daher auch ein fehlgeschlagener EntfĂŒhrungsversuch.cite-ref-341[241] Insbesondere wurde als Ergebnis einer Fachtagung in London gegen das monokausale Szenario einer EntfĂŒhrung durch die Cockpitbesatzung das Argument angefĂŒhrt, dass sich die Flugbegleiter gegen einen solchen Versuch hĂ€tten wehren mĂŒssen.cite-ref-ras-320-2[226] Laut New York Times hat ein psychologischer Gutachter die Unfallermittler darauf hingewiesen, es sei fĂŒr einen Selbstmörder Ă€ußerst ungewöhnlich, seinen Plan ĂŒber mehrere Stunden zu verfolgen. Ein Druckabfall hĂ€tte auch etwa als Folge einer gescheiterten EntfĂŒhrung eintreten können.cite-ref-342[242] GĂ©rard Feldzer, Direktor des MusĂ©e de l’air et de l’espace, sieht ebenfalls einen Widerstand der Passagiere als Folgehypothese, um den spĂ€teren Verlauf von MH370 zu erklĂ€ren.cite-ref-343[243]

Dennoch bleibt unklar, welche Rolle die beiden Piloten bei der KursĂ€nderung gespielt haben und aus welchem Grund sie geschehen ist. Die malaysische Polizei durchsuchte deshalb am 15. MĂ€rz 2014 HĂ€user an den Wohnorten des FlugkapitĂ€ns Shah und des Kopiloten Hamid in Kuala Lumpur.cite-ref-hausdurchsuchung-344-0[244] Eine malaysische Boulevardzeitung, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, schrieb unmittelbar darauf unter Berufung auf eine „ungenannte Quelle“, dass sich auf Flugsimulatoren ĂŒblicherweise auch die Insel Diego Garcia findet.cite-ref-345[245] Dies fĂŒhrte zu einer im Internet populĂ€ren Verschwörungstheorie, die sich auf eine mittlerweile widerlegte angebliche Sichtung auf den Malediven stĂŒtzte. Der ehemalige malaysische Premier, Mahathir Mohamad (1981–2003), veröffentlichte daraufhin einen Blogbeitrag, in dem er die Ansicht vertrat, Boeing und die CIA könnten das Flugzeug mit einer Fernsteuerung entfĂŒhrt haben.cite-ref-346[246] Konkrete Verdachtsmomente oder Motive haben die Ermittler bislang aber nicht bekanntgegeben. Die Auswertung des privaten Flugsimulators des KapitĂ€ns sowie insbesondere der Dateien, die er am 3. Februar 2014 darauf gelöscht haben soll,cite-ref-bbcsim-347-0[247] ergab zunĂ€chst nichts VerdĂ€chtiges. Auch auf den PCs der beiden Piloten fand sich nichts Belastendes, wobei die ÜberfĂŒhrung des Flugsimulators des KapitĂ€ns in das Marine Corps Base Quantico noch andauertecite-ref-348[248] und nach Angaben des Daily Mail der private Laptop des KapitĂ€ns nicht gefunden wurde.cite-ref-dailymail-349-0[249] Allerdings widersprach der malaysische Polizeichef wĂ€hrend einer Pressekonferenz vom 2. April Berichten, wonach die Untersuchung des Flugsimulators durch seine Behörde und das FBI keinerlei AuffĂ€lligkeiten ergeben habe.cite-ref-msian-287-2[208] Peter Foley, der Leiter der Suche durch das ATSB, hĂ€lt das Szenario eines willentlichen Druckabfalls fĂŒr möglich – doch hĂ€tte der Pilot dann wahrscheinlich nicht die Folgen der Dekompressionskrankheit ĂŒberstanden: Vor allem der FlugkapitĂ€n Zaharie Shah wies mehrere Risikofaktoren auf (Alter, Körpergewicht, Rauchen).cite-ref-350[250]

Am 22. Juni 2014 berichtete die Sunday Times, dass die Ermittler mittlerweile den KapitĂ€n des Flugzeugs als den HauptverdĂ€chtigen identifiziert hĂ€tten, falls ein Sabotageakt vorlĂ€ge. Der Verdacht ergebe sich daraus, dass der KapitĂ€n auf seinem privaten Flugsimulator eine Route zu einer kleinen Landebahn auf einer ungenannten abgelegenen Insel im sĂŒdlichen Indischen Ozean aufgezeichnet habe. Er habe diese Route vor dem Abflug gelöscht, das FBI habe sie aber wiederherstellen können. Außerdem habe der KapitĂ€n, der als kontaktfreudig und arbeitsam beschrieben wurde, im Gegensatz zu den ĂŒbrigen Besatzungsmitgliedern fĂŒr die Zeit nach dem Flug weder private noch dienstliche Termine vereinbart.cite-ref-bbcsim-347-1[247]cite-ref-times-351-0[251] Laut Telegraph hĂ€tten andere mögliche Ursachen, einschließlich technischen Versagens oder einer Beteiligung des Kopiloten oder anderer Personen an Bord, nach und nach ausgeschlossen werden können.cite-ref-route-352-0[252] Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein widersprach dem Bericht und bezeichnete die Veröffentlichung als verantwortungslos.cite-ref-nyt2-58-1[40]cite-ref-353[253] In sozialen Netzwerken interessierte sich der KapitĂ€n als liberaler Moslem fĂŒr politische Fragen und produzierte Heimwerkervideos auf YouTube, in denen er auch seinen Flugsimulator vorstellte. Er kritisierte die von ihm empfundene UnfĂ€higkeit malaysischer Behördenvertreter, einschließlich des Verteidigungsministers Hishammuddin Husseins, die Korruption und den Nepotismus der Regierung sowie die durch staatliche EinschĂŒchterung defizitĂ€re Demokratie und sympathisierte mit inhaftierten Protestlern und den Bersih-Kundgebungen, die freie Wahlen forderten. Im Zusammenhang mit Malaysia Airlines wies er insbesondere auf Berichte hin, denen zufolge die Regierung bei den Parlamentswahlen in Malaysia 2013 die Fluggesellschaft angewiesen haben sollte, angeblich gekaufte WĂ€hler aus dem Ausland einzufliegen, die mit Ausweisen versorgt worden sein sollen, außerdem auf die Degradierung eines Offiziers in der Butterworth-MilitĂ€rbasis in Penang, der angeblichen Wahlbetrug durch wasserlösliche Tinte aufdecken wollte.cite-ref-354[254] Die beiden Piloten hatten nicht darum gebeten, gemeinsam an Bord zu gehen. Der Kopilot sollte aber frĂŒher Dienstvorschriften missachtet und zwei junge Frauen in das Cockpit eingeladen haben.cite-ref-355[255]

Mögliche Motive seien gemĂ€ĂŸ diesen Zeitungsberichten Beziehungsprobleme, finanzielle Schwierigkeiten und UnterstĂŒtzung der oppositionellen People’s Justice Party sowie des OppositionsfĂŒhrers Anwar Ibrahim, der wenige Stunden vor dem Abflug in einem als politisch motiviert gesehenen Prozess wegen angeblicher homosexueller Handlungen verurteilt worden war.cite-ref-times-351-1[251]cite-ref-route-352-1[252]cite-ref-356[256] Diese Mutmaßung war neben anderen lancierten GerĂŒchten zunĂ€chst von der britischen Boulevardzeitung Daily Mail geĂ€ußert worden, wonach der KapitĂ€n bei der Verurteilung angeblich anwesend gewesen und aus Verstörung darĂŒber das Flugzeug spĂ€ter vom Kurs abgebracht haben soll.cite-ref-dailymail-349-1[249] Der Schwager des Piloten aus dessen Heimatort Penang, der sich im Auftrag der Witwe zu den Darstellungen Ă€ußerte, widersprach den GerĂŒchten ĂŒber Beziehungsprobleme und erzĂ€hlte der Presse, dass der KapitĂ€n zu Hause ĂŒber den Prozessausgang informiert worden sein soll. Außerdem soll er 2014 den Flugsimulator nach einem Systemabsturz erfolglos neu formatiert und daher keine extremen Landungen und Starts mehr darauf geĂŒbt haben. Auch Peter Chong, der SekretĂ€r des Anwalts von Anwar Ibrahim und politische Vertraute des KapitĂ€ns, bestĂ€tigte, dass dieser auf keinen Fall eine solche Entscheidung in wenigen Stunden getroffen haben könnte; auch habe er seinen Simulator nicht verheimlicht, sondern Freunden und Kollegen gezeigt.cite-ref-357[257]cite-ref-358[258] Laut Washington Post belegen die AktivitĂ€ten auf sozialen Netzwerken tatsĂ€chlich, dass Mitarbeiter von Malaysia Airlines den Flugsimulator kannten.cite-ref-359[259] Anwar Ibrahim berichtete, dass er mit dem KapitĂ€n bekannt und entfernt verschwĂ€gert sei, nachdem ihm Fotos gezeigt worden waren; er bezeichnete allerdings das GerĂŒcht als Versuch der malaysischen Regierung, vom „eigenen Versagen“ abzulenken.cite-ref-360[260] Er kritisierte auch das politische System dafĂŒr, dass BeschĂ€ftigte der staatlichen Fluggesellschaft Malaysia Airlines aus dem Umkreis des KapitĂ€ns, die ihm Auskunft gegeben hĂ€tten, fristlos gekĂŒndigt wĂŒrden, falls bekannt werde, dass sie in irgendeiner Weise mit der Opposition verbunden seien.cite-ref-361[261]

Der Journalist und Wissenschaftsautor Jeff Wise veröffentlichte am 22. Juli 2016, dem Tag der Bekanntgabe, dass die Suche eingestellt werden sollte, AuszĂŒge aus einem vertraulichen Dokument der polizeilichen Untersuchung in Malaysia, wonach der FlugkapitĂ€n auf seinem Simulator wenige Wochen vor dem Unfallflug angeblich eine Route in den sĂŒdlichen Indischen Ozean geplant habe. Diese Route enthalte sechs Datenpunkte und ende nördlich des Suchgebiets, ungefĂ€hr dort, wo das ATSB die Suche im Sommer 2014 beginnen lassen wollte. Aufgrund von Abweichungen zwischen der simulierten und tatsĂ€chlichen Route sei der Zusammenhang jedoch nicht schlĂŒssig.cite-ref-362[262] Diese Route fĂŒhrte zu einer kleinen Landebahn nahe der McMurdo-Station auf einer der Antarktis vorgelagerten Insel.cite-ref-363[263] Das ATSB bestĂ€tigte, dass die Spur auf dem Flugsimulator auf die „Möglichkeit einer Planung“ hindeute und im Abschlussbericht berĂŒcksichtigt werden solle.cite-ref-364[D 27] Die malaysischen Behörden teilten dagegen zunĂ€chst mit, dass ihnen keine Hinweise darauf vorlĂ€gen, dass der FlugkapitĂ€n eine solche Route „weniger als einen Monat vor dem Verschwinden“ geplant habe.cite-ref-365[264] SpĂ€ter bestĂ€tigten sie diese Route jedoch, die allerdings nur eine von tausenden und kein Beweis fĂŒr einen Mitnahmesuizid sei.cite-ref-366[265] Die französische Journalistin und Buchautorin Florence de Changy hat Zugang zu dem polizeilichen Bericht zu den HintergrĂŒnden der beiden Piloten erhalten, einschließlich des Zusatzberichts zum Flugsimulator. Der Bericht sage Ă€hnlich wie der Zwischenbericht aus, dass keine Hinweise auf VerhaltensĂ€nderungen bei den Piloten gefunden wurden; der FlugkapitĂ€n Zaharie sei trotz seiner oppositionellen Haltung zum Premierminister auch nicht politisch fanatisiert gewesen. Die Untersuchung habe unter anderem KommunikationsdatensĂ€tze geprĂŒft.cite-ref-367[266] Der Abschlussbericht des ATSB im Oktober 2017 gab sogar an, die Weitergabe des polizeilichen Berichts zum Flugsimulator am 19. April 2014 sei ein Grund gewesen, das Gebiet um die damaligen vermeintlichen Blackbox-Signale grĂŒndlich zu untersuchen. Die Simulation wurde am 2. Februar durchgefĂŒhrt und zeigt zunĂ€chst eine Route von Kuala Lumpur nach Dschidda in der Provinz Mekka in Saudi-Arabien. Zwei Tage spĂ€ter sollte der FlugkapitĂ€n diese Route tatsĂ€chlich fliegen. Zwischen diesem Flug und dem Unfallflug lag ein weiterer Nachtflug von Kuala Lumpur nach Peking.cite-ref-368[E 12]

Der vertrauliche Bericht der malaysischen Polizei wurde im Januar 2017 ĂŒber das Webportal Scribd der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht. Mitglieder der Independent Group, eines freiwilligen Zusammenschlusses unabhĂ€ngiger Ermittler, halten es fĂŒr bemerkenswert, dass der FlugkapitĂ€n Zaharie unmittelbar vor dem Abheben und bevor er die Rolle des pilot flying an den Kopiloten abgab, in dem sozialen Netzwerk WeChat aktiv war. Der Polizeibericht gibt hierĂŒber keine weiteren AufschlĂŒsse.cite-ref-369[267]

Tony Abbott, der wÀhrend der offiziellen Suche nach MH370 Premierminister von Australien war, berichtete in einem im Februar 2020 ausgestrahlten Interview, dass die malaysische Regierung in den ersten Wochen nach dem Flugunfall von einem Pilotensuizid ausging. Der ehemalige malaysische Premierminister Najib Razak entgegnete daraufhin, man habe dieses Szenario nie ausgeschlossen.cite-ref-370[268]

Der erste Logon

Ein weiteres Indiz fĂŒr eine EntfĂŒhrung oder Sabotage sind zwei unplanmĂ€ĂŸige Handshakes, die um 2:25 Uhr Ortszeit (MYT), also noch vor der mutmaßlichen Wende nach SĂŒden, aber nachdem das Flugzeug vom MilitĂ€rradar verschwunden war, von der Satellitendateneinheit von MH370 ausgelöst wurden. Zwei vorausgehende Versuche der Bodenstation, durch eine ACARS-Textnachricht um 2:03 und 2:05 Uhr mit der Satellitendateneinheit des Flugzeuges in Kontakt zu treten, waren unerwidert geblieben, jedoch war die Satellitendateneinheit nicht einfach im Cockpit heruntergefahren worden (da das Kontrollzentrum hierĂŒber automatisch informiert worden wĂ€re). Die Verbindung war nunmehr wieder normal verfĂŒgbar – im Gegensatz zu der vorausgegangenen elektronischen Kommunikation zwischen Satellitendateneinheit und Bodenstation enthielten die Handshakes ab 2:25 Uhr jedoch weder die Flugnummer von MH370 noch ACARS-Übertragungen. Das Flugunterhaltungssystem baute wieder eine Verbindung auf, sendete aber keine Daten mehr. Es wurden auch keine Stimm- oder Textnachrichten gesendet.cite-ref-371[A 31]cite-ref-372[B 8] Die Flugnummer kann manuell gelöscht werden.cite-ref-373[F 23] Alle ACARS-Übertragungen liefen ĂŒber Satellitenkommunikation und nicht ĂŒber VHF/UKW, was in FestlandsnĂ€he eigentlich ĂŒblich ist.cite-ref-374[A 32] Wie erst mit der Veröffentlichung des vollstĂ€ndigen ACARS-Protokolls am 30. Juli 2018 bekannt wurde, kam die Anweisung hierzu vor dem Abflug vom Kontrollzentrum der Fluggesellschaft, die im Zwischenbericht veröffentlichte Version enthielt diese EintrĂ€ge nicht.cite-ref-375[269]cite-ref-376[F 24]

Ein solcher Handshake wĂ€hrend des Fluges ist ungewöhnlich, und das internationale Ermittlerteam hĂ€lt als Ursache eine vorausgehende Unterbrechung der Stromversorgung der Satellitendateneinheit im Flugzeug fĂŒr wahrscheinlich.cite-ref-377[F 25] Diese Unterbrechung hĂ€tte entweder durch den gleichzeitigen Ausfall des linken und rechten AC-Bus (und somit der gesamten regulĂ€ren Elektronik) oder durch manuelle Stilllegung des linken AC-Bus sowie der Schaltung, die im Notfall die Satellitendateneinheit mit Strom aus dem rechten AC-Bus versorgt hĂ€tte, verursacht worden sein können.cite-ref-378[A 33]cite-ref-379[B 9] Wie dieser Befund zu deuten ist, bleibt unklar, doch gilt es als wahrscheinlich, dass die Stromunterbrechung und anschließende Wiederherstellung von Hand herbeigefĂŒhrt wurden, um Kommunikationssysteme stillzulegen. Dieser Eingriff ist insbesondere am Overhead Panel im Cockpit möglich.cite-ref-380[270] Die Verbindung zur Satellitendateneinheit war zwischen 1:07, dem Zeitpunkt der letzten nachgewiesenen Verbindung, und 2:03 ausgefallen. Durch den um 2:25:27 Uhr erfolgten Login der Satellitendateneinheit konnte das Flugzeug spĂ€ter wieder teilweise geortet werden. Die Satellitendateneinheit benötigt ungefĂ€hr 60 Sekunden, um sich einzuloggen, sobald sie wieder mit Strom versorgt wird.cite-ref-pings-28-4[22]cite-ref-381[271] Um 2:22:12 Uhr sah das MilitĂ€rradar das Flugzeug „abrupt verschwinden“,cite-ref-382[A 34] so dass sich möglicherweise ein zeitlicher und ursĂ€chlicher Zusammenhang ergibt.

Unfalltheorie

Unter der Ladung befanden sich Lithium-Ionen-Batterien, die in den Frachtpapieren als entzĂŒndlich gekennzeichnet waren; diese waren gemĂ€ĂŸ den Sicherheitsbestimmungen der IATA und ICAO verpackt. Die Batterien mit einem Gesamtgewicht von 221 kg gehörten zu einer knapp 2,5 Tonnen schweren Ladung, die Walkie-Talkies von Motorola einschließlich LadegerĂ€ten und Zubehör enthielt. Diese Luftfracht durchlief nur beim Zubringerunternehmen, aber nicht am Flughafen, eine SicherheitsprĂŒfung.cite-ref-383[A 35]cite-ref-384[272]

Experten fĂŒr Flugsicherheit wie David Learmount von Flight International halten allerdings ein Feuer als Ursache fĂŒr den Verlust fĂŒr unwahrscheinlich, da in diesem Fall ein Notruf ĂŒber Funk zu erwarten gewesen wĂ€re.cite-ref-385[273] Eine Fachtagung in London kam zu dem Ergebnis, dass bei einem Brand an Bord das Flugzeug kaum noch stundenlang hĂ€tte weiterfliegen können.cite-ref-ras-320-3[226] Daniel Knecht, Leiter des Untersuchungsdienstes der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle in Payerne, hĂ€lt es ebenso fĂŒr unwahrscheinlich, dass durch eine technische Störung oder einen Brand alle Kommunikationssysteme gleichzeitig ausgefallen sein könnten, da diese an unterschiedliche Speisungen angeschlossen sind.cite-ref-zurich-340-1[240] Das Flugzeug war mit fĂŒnf FunkgerĂ€ten, zwei Transpondern und einer Satellitendateneinheit ausgestattet.cite-ref-386[B 10] RĂ©mi Jouty, Direktor der französischen Flugunfalluntersuchungsbehörde BEA, hĂ€lt ein einfaches technisches Versagen ebenfalls fĂŒr unvorstellbar und nimmt an, dass die klare Absicht bestand, das Flugzeug verschwinden zu lassen.cite-ref-387[274] Der britische Telegraph berichtete am 25. MĂ€rz 2014 unter Hinweis auf eine „offizielle Quelle“, dass die beteiligten Ermittler kein Szenario entwerfen konnten, das die anscheinend vorsĂ€tzlichen RichtungsĂ€nderungen mit mechanischen Ursachen oder einem Feuer in Einklang gebracht hĂ€tte.cite-ref-dt-330-1[235] Eine technische Ursache schließen die Ermittler dennoch nicht aus.cite-ref-388[275]cite-ref-389[F 26]

Einige Medien berichteten darĂŒber, das ATSB sehe in seinem Bericht vom 3. Dezember 2015 einen Stromausfall als Ursache fĂŒr den Unfall als wahrscheinlich an. Das ATSB veröffentlichte daraufhin einen ĂŒberarbeiteten Bericht, in dem das Wort „Stromausfall“ durch „Stromausfall der Satellitendateneinheit“ ersetzt wurde. Die Annahme eines fĂŒhrerlosen Fluges beziehe sich nur auf die spĂ€tere Flugphase und enthalte keine Vorfestlegung zur Ursache des Unfalls.cite-ref-390[276] In Reaktion auf Medienberichte, die das ATSB dafĂŒr kritisierten, das Szenario eines Sauerstoffverlusts gegenĂŒber einem kontrollierten Flug bis zum Ende zu bevorzugen, erklĂ€rte der stellvertretende Premier von Australien, Warren Truss: „Ich habe immer bestĂ€tigt, dass es schwierig ist, sich irgendein Szenario vorzustellen, das nicht irgendeinen Faktor menschlicher Intervention enthĂ€lt.“cite-ref-391[277]

Zwei Wrackteile, die Blaine Gibson im September 2016 dem ATSB ĂŒbergab und die angeblich Brandspuren aufweisen, konnten bislang nicht schlĂŒssig dem Flugzeug zugeordnet werden, da die Seriennummern fehlen. Die angeblichen Brandspuren erwiesen sich als Harzschicht, nur an drei winzigen Stellen wurden HitzeschĂ€den festgestellt. Da Brandgeruch nachgewiesen werden konnte, nimmt man an, dass diese HitzeschĂ€den erst nach dem Anlanden eingetreten sind.cite-ref-392[278]

Der Abschlussbericht trat Spekulationen entgegen, dass ein Leck in der Sauerstoffversorgung im Cockpit Feuer ausgelöst haben könnte.cite-ref-393[279] Das System war regelmĂ€ĂŸig gewartet und technische Empfehlungen von Boeing (Service Bulletin 777-35A0027), die DrucksauerstoffschlĂ€uche im Cockpit zu ersetzen, am 17. Januar 2014 umgesetzt worden.cite-ref-394[F 27] Ebenfalls untersuchte man eine mögliche Reaktion der Lithiumbatterien mit dem sauren Fruchtwasser der Mangostane, von denen eine Palette neben den Batterien gestanden hatte. Die malaysischen Ermittler kamen zu dem Ergebnis, eine solche Reaktion sei sehr unwahrscheinlich und könne jedenfalls nicht den Flugverlauf erklĂ€ren.cite-ref-395[F 28]

Terrorismustheorie

Am 21. MĂ€rz 2014 bestĂ€tigte Malaysia, dass eine ÜberprĂŒfung der Passagiere im Hinblick auf eine mögliche Verbindung mit Terrororganisationen durch auswĂ€rtige Geheimdienste keine Verdachtsmomente ergeben habe. Am 2. April 2014 sagte der malaysische Polizeichef, dass die Passagiere als unverdĂ€chtig galten, aber „der Rest nicht“cite-ref-396[280]. Allerdings belegt der an einzelne Journalisten zugespielte polizeiliche Bericht zu den Passagieren nicht, dass die IdentitĂ€t aller FluggĂ€ste geklĂ€rt werden konnte. Die Überwachungskamera des Flughafens zeigt außerdem SicherheitslĂŒcken bei den Kontrollen im Boardingbereich.cite-ref-397[281]

Keine terroristische Organisation hat sich glaubhaft zu einem Anschlag bekannt.cite-ref-398[282] Die Möglichkeit, das Flugzeug könnte gelandet worden sein, um fĂŒr einen spĂ€teren Terroranschlag eingesetzt zu werden, hatten die Ermittler in den ersten Tagen erwogen, aber danach ausgeschlossen.cite-ref-nyt1-57-2[39] Trotzdem hatte die in Taiwan operierende China Airlines am 3. MĂ€rz 2014 eine Terrorwarnung fĂŒr den Flugverkehr erlassen und war am Tag darauf von einem anonymen chinesischen Anrufer vor einem Anschlag mit Bezug zum Flughafen Peking gewarnt wordencite-ref-399[283] (dem Zielflughafen von MH370).

Folgen

Kritik an den malaysischen Behörden

Einige Tage nachdem klargeworden war, dass das Flugzeug nicht im Golf von Thailand abgestĂŒrzt ist, erhob die westliche Presse VorwĂŒrfe gegen die malaysischen Behörden: Warum hatte die malaysische Luftwaffe in keiner Weise reagiert, obwohl auf MilitĂ€rradaren ein unidentifiziertes Flugobjekt im Luftraum Malaysias auftauchte?cite-ref-400[284] Wenn ein Flugzeug ohne Transpondersignal gesichtet wird, sollten kurz darauf AbfangjĂ€ger aufsteigen. Das Flugzeug hĂ€tte im Falle einer EntfĂŒhrung mit terroristischem Hintergrund in die Petronas Towers in Kuala Lumpur hineinfliegen können.cite-ref-401[285] Jeder Staat in dieser Region verfĂŒgt ĂŒber hochentwickelte militĂ€rische Radarsysteme, die eine Boeing leicht orten können.cite-ref-402[286]

Hochrangige malaysische Offiziere erklĂ€rten, MilitĂ€rradare könnten das Flugzeug entdeckt haben, man habe aber nichts unternommen, da es als „nicht feindlich“ bewertet wurde.cite-ref-nyt1-57-3[39]cite-ref-cnn2-296-1[217] Auf Wunsch der malaysischen Regierung sollten die VorgĂ€nge am Boden erst nach dem Auffinden des Flugschreibers offiziell untersucht werden; die Opposition forderte dagegen eine sofortige parlamentarische Befragung. Es soll zu Koordinationsschwierigkeiten zwischen der zivilen FlugĂŒberwachung und dem MilitĂ€r gekommen sein, da beide Abteilungen trotz des fehlenden Notrufs von technischen Ursachen ausgingen und nicht vermuteten, die Linienmaschine könne entfĂŒhrt worden sein. Mit Erscheinen des Zwischenberichts am 8. MĂ€rz 2015 veröffentlichte man schließlich die GesprĂ€chsprotokolle der Bodenstationen – eine Kommunikation mit dem MilitĂ€r geht daraus nicht hervor. Reuters hatte allerdings unter Berufung auf einen hochrangigen MilitĂ€rbeamten berichtet, dass die Flugkontrolle gegen 2:00 Uhr (als MH370 die MilitĂ€rbasis Butterworth in Penang ĂŒberflogen hatte) das MilitĂ€r benachrichtigt habe, ein Flugzeug werde vermisst.cite-ref-milit-r-94-1[62] Laut Quellen der Australian Broadcasting Corporation hĂ€tten bis zu fĂŒnf Offiziere ihren Dienst am Radarkontrollzentrum in Butterworth verrichten sollen. In einem Interview mit dem Sender im Verteidigungsministerium nahm der malaysische Verteidigungsminister und amtierende Verkehrsminister, Hishammuddin Hussein, das MilitĂ€r in Schutz: „Wenn man es nicht abschießt, warum soll man [einen Kampfjet] hochschicken?“ und: „Ich wĂ€re schlimmer dran, wahrscheinlich.“ Auf die Frage, ob das zivile Luftfahrtamt das MilitĂ€r ĂŒber das Verschwinden informiert habe, antwortete er mit „ja“, Ă€ußerte sich aber nicht zur genauen Zeit. Er blieb dabei, das MilitĂ€r habe MH370 in Echtzeit erfasst.

Der OppositionsfĂŒhrer Anwar Ibrahim – dessen Verurteilung wenige Stunden vor dem Abflug als Anlass fĂŒr eine mögliche EntfĂŒhrung vermutet wurde – erlĂ€uterte dagegen dem Sender, es sei eigentlich Standard, dass Kampfjets aufsteigen, um ein solches Flugzeug zu begleiten, aber: „Das wurde nie gemacht.“ Er bezeichnete dies als Skandal und Bedrohung der nationalen Sicherheit. Dies hĂ€tten „sowohl der Verteidigungs- als auch der Verkehrsminister“ ignoriert.cite-ref-403[287] FĂŒr Anwar Ibrahim, der persönlich veranlasst hatte, das Radarsystem einzurichten, sei dieses eines der höchstentwickelten der Welt.cite-ref-opposition-404-0[288] Aus den Reihen der malaysischen Opposition kam weitere Kritik an Mitgliedern des seit der UnabhĂ€ngigkeit von 1957 regierenden ParteienbĂŒndnisses Barisan Nasional, das 2008 die fĂŒr VerfassungsĂ€nderungen notwendige Zweidrittelmehrheit verloren und weniger Stimmen als die Opposition erhalten hatte. So forderte ein ehemaliger Marineadmiral und Mitglied der People’s Justice Party, der eine parlamentarische Auseinandersetzung ĂŒber die Rolle des MilitĂ€rs angestoßen hatte und genau wie Anwar Ibrahim anscheinend mit dem KapitĂ€n von MH370 bekannt gewesen war,cite-ref-405[289] die militĂ€rische FĂŒhrung solle sich gegenĂŒber dem Volk fĂŒr die ausgebliebene Reaktion verantworten: „Ich denke, sie sollten ihre Posten rĂ€umen, damit andere dem Land dienen können.“cite-ref-406[290] Im September 2014 wurde der Oberbefehlshaber der malaysischen LuftstreitkrĂ€fte pensioniert.cite-ref-407[291]

Die Reaktionen der Luftverkehrskontrolle und die damit verbundenen VorgĂ€nge wurden immer stĂ€rker kritisiert.cite-ref-408[292] Man beanstandete vor allem, dass die Fluggesellschaft zunĂ€chst gemeldet hatte, das Flugzeug sei in „normalem Zustand“ und auf der vorgesehenen Route unterwegs. Noch ĂŒber eine Stunde nach dem Verschwinden, um 2:36 Uhr, sandte die Fluggesellschaft der malaysischen Luftverkehrskontrolle die vermeintlich exakten Koordinaten des Fluges. Erst gegen 3:30 Uhr, mehr als zwei Stunden nach dem Verschwinden, wies die Fluggesellschaft das Kontrollzentrum darauf hin, dass die Angabe auf einer „Projektion“ beruhe, die fĂŒr die Positionsbestimmung „nicht verlĂ€sslich“ sei.cite-ref-report-25-5[20] Eine investigationsjournalistische Reportage der öffentlich-rechtlichen Australian Broadcasting Corporation zeigte sich ĂŒberrascht, dass die Fluggesellschaft eine irrefĂŒhrende Positionsbestimmung an die Luftverkehrskontrolle geschickt hatte, bevor sie ĂŒberhaupt versuchte, das Flugzeug zu kontaktieren (um 2:40 Uhr), und dass keine weiteren Anrufe belegt sind, bevor die Maschine hĂ€tte landen sollen. Nach Ansicht der Reporter habe die Luftraumkontrolle der Person am Steuer erlaubt, die Boeing 777 verschwinden zu lassen. Das zivile Luftfahrtamt und die Fluggesellschaft lehnten die Einladung zu einem Interview in der Sendung ab.cite-ref-409[293]

Auch der OppositionsfĂŒhrer Anwar Ibrahim warf in einem Interview mit dem britischen Telegraph der malaysischen Regierung vor, wichtiges Wissen gezielt zurĂŒckzuhalten, und machte vor allem das MilitĂ€r verantwortlich. Er forderte eine AufklĂ€rung unter internationaler Leitung und fĂŒgte hinzu: „Ich bin nicht in der Lage, einen Kommentar darĂŒber abzugeben, ob [die Behörden] an einem Terrorakt mitschuldig sind.“ Aus regierungsnahen Kreisen wurde ihm jedoch vorgeworfen, den Vorfall fĂŒr politische Zwecke zu instrumentalisieren und zusammen mit der Opposition die westlichen Medien zu beeinflussen.cite-ref-opposition-404-1[288] Hishamuddin Hussein bestritt die VorwĂŒrfe der Beihilfe seitens malaysischer Behörden.cite-ref-h2o0504-294-1[215] Im Februar 2015 musste Anwar Ibrahim seine Haftstrafe fĂŒr angebliche homosexuelle Handlungen antreten. Auch vor dem Hintergrund von Korruptionsskandalen in der Regierung wurden Politiker, Menschenrechtsvertreter und Journalisten in den Monaten danach verhaftet und Zeitungen verboten.cite-ref-410[294]

Die Informationspolitik der malaysischen Regierung wurde insbesondere von chinesischer und US-amerikanischer Seite zunĂ€chst als konfus, zu zögerlich und zum Teil widersprĂŒchlich bemĂ€ngelt.cite-ref-411[295] So begann etwa die Suche in den Korridoren erst am 17. MĂ€rz, nach Bekanntgabe durch die malaysischen Behörden, obwohl Inmarsat die Satellitendaten spĂ€testens am 12. MĂ€rz (EST) zur VerfĂŒgung gestellt hatte.cite-ref-412[296] Dabei hĂ€tte wertvolle Zeit verstrichen sein können, da sich die Aussichten, auf dem Meer treibende TrĂŒmmerteile zu finden, in den ersten Wochen nach einem Flugunfall rapide verschlechtern.cite-ref-413[297] Über drei Wochen nach Veröffentlichung des letzten Funkspruchs aus dem Cockpit gab man eine Korrektur des Wortlauts heraus. Die ursprĂŒngliche Version lautete: „Alles klar, gute Nacht.“cite-ref-414[298] Hintergrund war, dass westliche Journalisten und Angehörige die malaysischen Behörden gedrĂ€ngt hatten, das Protokoll und die Audioaufzeichnungen der GesprĂ€che im Cockpit zu veröffentlichen, welche die Behörden unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zurĂŒckhalten wollten. Es blieb außerdem zunĂ€chst unklar, wer die letzten Worte gesprochen hatte. ZunĂ€chst sollen die Behörden vermutet haben, dass es wahrscheinlich der Kopilot war, bevor sich herausstellte, dass es der KapitĂ€n war.cite-ref-415[299] Nachrichtenberichte, wonach die Audiodateien nachbearbeitet worden seien, kommentierte Hishammuddin Hussein, er habe dazu keine Informationen.cite-ref-416[300] Erst auf Druck der Angehörigen sowie der Öffentlichkeit, die Datenbasis fĂŒr die errechnete sĂŒdliche Flugroute freizugeben, machte man die Inmarsat-Satellitenrohdaten am 27. Mai 2014 publik.cite-ref-417[301] Zweifel an den aufgrund dieser Daten gezogenen Schlussfolgerungen sind bis jetzt nicht bekannt geworden.cite-ref-418[302] Der chinesische Botschafter in Kuala Lumpur, Huang Huikang, rĂ€umte SchwĂ€chen in der Abstimmung zwischen einzelnen Abteilungen ein, die aber angesichts der außergewöhnlichen Situation verstĂ€ndlich seien, und kritisierte die westliche Berichterstattung: „Sie haben falsche Nachrichten veröffentlicht, Konflikte geschĂŒrt und sogar GerĂŒchte verbreitet.“cite-ref-smh1-291-1[212]

Malaysische Behördenvertreter erklĂ€rten gegenĂŒber den Angehörigen der Passagiere an Bord von MH370, es gebe Hinweise, die unter Verschluss stĂ€nden und der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt werden könnten. Dazu gehörten die Funkprotokolle der Luftverkehrskontrolle, die Radardaten und die Sicherheitsaufzeichnungen des Flughafens. Die Presse war zu diesem Treffen erstmals zugelassen.cite-ref-419[303] Ein Grund fĂŒr die zögerliche Veröffentlichung von militĂ€rischen Radardaten durch die beteiligten Staaten dĂŒrfte das gegenseitige Misstrauen zwischen den LĂ€ndern der Region sein: Man befĂŒrchtete, dass dadurch die KapazitĂ€ten der eigenen militĂ€rischen Radarsysteme offengelegt wĂŒrden.cite-ref-420[304]cite-ref-421[305] Am 9. MĂ€rz 2014, einen Tag nach dem Verschwinden, ereignete sich ein großangelegter Hackerangriff auf das malaysische Luftfahrtamt und Malaysia Airlines, wie erst Monate spĂ€ter bekannt wurde. Dabei wurden als geheim klassifizierte Dokumente zu MH370 an eine chinesische IP-Adresse weitergeleitet.cite-ref-422[306] Am folgenden Tag erschien ein Video der Überwachungskamera, das angeblich die beiden Piloten zeigt, bei denen der Metalldetektor ausschlĂ€gt, auf YouTube.cite-ref-423[307] Am 21. MĂ€rz veröffentlichte der britische Telegraph erstmals das Funkprotokoll zwischen Flugzeug und Tower. Dabei handelte es sich um eine RĂŒckĂŒbersetzung aus dem Chinesischen.cite-ref-424[308]

Der Verteidigungsminister, amtierende Verkehrsminister und Cousin des Premierministers, Hishammuddin Hussein,cite-ref-hussein-40-1[26] der die malaysische Suche nach Flug MH370 geleitet und öffentlich vertreten hatte, wurde am 26. Juni 2014 durch Liow Tiong Lai in der Funktion des Verkehrsministers ersetzt.cite-ref-425[309] Nachdem durch den veröffentlichten Zwischenbericht vom 12. MĂ€rz 2015 bekannt geworden war, dass der zustĂ€ndige Fluglotse in Kuala Lumpur angegeben hatte, er habe seinen schlafenden Vorgesetzten wecken mĂŒssen, kĂŒndigte Liow Tiong Lai Konsequenzen an, falls sich der Vorwurf bestĂ€tigen sollte, nannte aber keinen Zeitrahmen. Er erklĂ€rte, sein Ministerium wolle zunĂ€chst die Veröffentlichung des Berichts abwarten, bevor die Angelegenheit untersucht werde.cite-ref-426[310]

Die International Civil Aviation Organization (ICAO) kritisierte die „politische Verstrickung auf der höchsten Ebene“. So habe Malaysia erst am 25. MĂ€rz 2014 die Ergebnisse der Analyse der Satellitendaten, die an das BĂŒro des malaysischen Premiers weitergereicht worden war, an Australien weitergegeben, obwohl dieses bereits seit dem 17. MĂ€rz die Suche im Indischen Ozean koordinierte. Außerdem hĂ€tten die Australier Schwierigkeiten gehabt, die Frachtliste zu erhalten, obwohl diese hilfreich gewesen wĂ€re, um Treibgut zu identifizieren. NĂ€heres zur Koordination der Suche sei von Journalisten oder aus diplomatischen KanĂ€len ĂŒbermittelt worden. Nach vorlĂ€ufiger Beurteilung durch die ICAO „wurden wahrscheinlich keine ausreichenden Ressourcen genutzt, und/oder es gab keine ausreichende Dringlichkeit bei der Reaktion“. So sei durch die schlechte Zusammenarbeit zwischen den zivilen und militĂ€rischen Behörden bei der anfĂ€nglichen Suche mindestens eine Woche vergeudet worden. Die Richtung schien dabei von hohen malaysischen Beamten vorgegeben zu sein. Es habe außerdem eine „prominente gleichzeitige Ursachenuntersuchung“ (high profile concurrent investigation) gegeben, die „potenziell wertvolle Hinweise“ geliefert und die Such- und Rettungsaktion teilweise geleitet habe. Zudem habe es 7 Stunden und 21 Minuten gedauert, bis die Bereitschaftsstufe ausgerufen wurde, bei der die zivile und militĂ€rische LuftraumĂŒberwachung der Region angewiesen ist, nach dem vermissten Flugzeug Ausschau zu halten.cite-ref-427[311]

Angehörige und Schadensersatzklagen

Malaysia Airlines sandte ein Team aus, das sich um die Angehörigen der Passagiere kĂŒmmern sollte.cite-ref-428[312] Das Unternehmen ließ verlautbaren, dass es fĂŒr den Transport der Angehörigen nach Kuala Lumpur sowie deren Unterbringung, medizinische Versorgung und psychologische Betreuung aufkommen werde.cite-ref-429[313] Insgesamt flogen 115 Angehörige der chinesischen Passagiere nach Kuala Lumpur.cite-ref-430[314] Malaysia Airlines bot den Angehörigen eine vorlĂ€ufige „finanzielle UnterstĂŒtzung“ von 5000 Dollar an, die vor allem einige chinesische Angehörige zunĂ€chst ablehnten.cite-ref-431[315] Am 12. MĂ€rz 2014 beschloss Malaysia Airlines, die Flugnummern MH370 und MH371 fĂŒr ihre Flugroute von Kuala Lumpur nach Peking und zurĂŒck ab sofort nicht mehr zu verwenden. Sie sollten durch die Nummern MH318 und MH319 ersetzt werden.cite-ref-432[316] Am 1. Mai wurden die Angehörigen gebeten, die bereitgestellten HotelrĂ€ume zu verlassen und nach Hause zurĂŒckzukehren.cite-ref-433[317]

Die Allianz-Versicherung, bei der die Boeing 777-200 versichert war, begann am 17. MĂ€rz 2014, die Versicherungssumme an die Angehörigen und an die Fluggesellschaft auszuzahlen, auf Basis des Montrealer Übereinkommens.cite-ref-434[318] Eine Rechtsanwaltskanzlei in Chicago bereitete eine Schadensersatzklage gegen den Hersteller wegen Konstruktions- und HerstellungsmĂ€ngeln vor.cite-ref-435[319] Diese wurde vorerst zurĂŒckgewiesen.cite-ref-436[320]

Wiederholt kam es zu Tumulten, als Vertreter von Malaysian Airlines oder der malaysischen Regierung von wĂŒtenden Angehörigen auf Pressekonferenzen beschimpft oder angegriffen wurden.cite-ref-437[321] Malaysia Airlines benachrichtigte einige Angehörige am 24. MĂ€rz 2014 unmittelbar vor der offiziellen VerkĂŒndigung lediglich durch eine SMS, die als taktlos empfunden wurde, ĂŒber das Flugende im Indischen Ozean.cite-ref-438[322] Nachdem der malaysische Premierminister daraufhin den endgĂŒltigen Verlust des Flugzeuges im Indischen Ozean ohne Überlebende bekanntgegeben hatte, demonstrierten die Angehörigen organisiert vor der malaysischen Botschaft in Peking. Dies ist außergewöhnlich fĂŒr China, wo unangemeldete Demonstrationen verboten sind. Die Protestierenden durchbrachen eine Polizeiabsperrung und forderten vor der Botschaft in Sprechchören und auf Transparenten, den Botschafter zu sprechen und die Wahrheit ĂŒber die Ereignisse zu erfahren.cite-ref-439[323] Am 24. MĂ€rz 2014 brach Feuer in einer Reparaturhalle der Fluggesellschaft aus, dann wurden VorwĂŒrfe laut, Wartungsunterlagen könnten durch Sabotage vernichtet worden sein.cite-ref-440[324]

Am 8. Juni starteten Angehörige eine einmonatige Crowdfunding-Kampagne, um 5 Millionen Dollar zu sammeln, mit denen sie einen potenziellen Whistleblower zum Reden bringen wollten.cite-ref-441[325] Die Aktion wurde am 8. August eingestellt, nachdem 100.000 Dollar zusammengekommen waren.cite-ref-442[326] Angehörige der vermissten FluggĂ€ste bildeten eine Interessensgemeinschaft, Voice 370, die vor allem ĂŒber die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook mit der Öffentlichkeit kommuniziert.cite-ref-443[327] Sie kritisierte insbesondere eine Äußerung des Direktors von Malaysia Airlines vom 5. November, dem zufolge die Maschine bis etwa Ende 2014 fĂŒr verloren erklĂ€rt werden wĂŒrde, weil sie befĂŒrchtete, die Suche könne damit eingestellt werden.cite-ref-444[328]

Die Angehörigen eines Passagiers von MH370 in Malaysia reichten im Oktober 2014 die erste Klage wegen Vertragsbruchs gegen die Fluggesellschaft sowie gegen die malaysische Regierung, das zivile Luftfahrtamt, die Einwanderungsbehörde und die Luftwaffe wegen FahrlĂ€ssigkeit ein.cite-ref-445[329] Am 29. Januar 2015 erklĂ€rte die malaysische Regierung das Flugzeug offiziell fĂŒr verunglĂŒckt (accident), die Passagiere und Besatzung fĂŒr mutmaßlich tot. Dies gilt als Voraussetzung fĂŒr EntschĂ€digungszahlungen. Laut der PresseerklĂ€rung des zivilen Luftfahrtamts von Malaysia fasst das Chicagoer Abkommen unter accident auch das Vermissen eines Flugzeuges, nachdem die Such- und Rettungsaktion eingestellt wurde.cite-ref-29jan-302-1[223] Am 2. Juni einigte sich die Regierung außergerichtlich und gĂŒtlich mit den Angehörigen dieses Passagiers. Beobachter sehen darin einen möglichen Auslöser fĂŒr weitere Klagen.cite-ref-446[330] Die Höhe der Schadensersatzforderungen richtet sich stark nach dem Rechtssystem und Verdienstverlusten im Ursprungsland. Nach dem Montrealer Übereinkommen haben die Angehörigen bis zu zwei Jahre ab der verpassten planmĂ€ĂŸigen Landung Zeit, Schadensersatzforderungen geltend zu machen. Vor Ablauf der Frist reichten mehrere Familien weitere Klagen ein, die auch dem Ziel dienen sollen, vor Gericht zu klĂ€ren, ob die Besatzung das Flugzeug vorsĂ€tzlich vom Kurs abgebracht hat.cite-ref-447[331]

Rezeption

Der Vorfall war eines der international am meisten beachteten Nachrichtenereignisse des Jahres 2014 und wurde in mehreren Fernsehdokumentationen und BĂŒchern behandelt.cite-ref-448[332] Insbesondere der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtete zeitweise rund um die Uhr, obwohl sich der Stand kaum Ă€nderte, und musste sich deshalb etwa von Barack Obama sowie dem in den USA Ă€ußerst prominenten Journalisten Larry King Kritik gefallenlassen.cite-ref-449[333] Obama war zuvor als erster amerikanischer PrĂ€sident seit 48 Jahren nach Malaysia gereist, um sich unter anderem ĂŒber die Suche nach MH370, die Ursachenfindung und UnterstĂŒtzung durch das FBI zu unterrichten.cite-ref-450[334] Der eigentliche Grund des lange geplanten Besuches war es allerdings, eine Koalition von VerbĂŒndeten gegen die Interessen Chinas zu schmieden, das Ende 2013 damit begonnen hatte, in der SĂŒdchinasee kĂŒnstliche Inseln anzulegen und somit seine HoheitsansprĂŒche auf Kosten der Anrainerstaaten zu erweitern.cite-ref-451[335] Das Thema wurde außerdem auf zahlreichen Internetblogs und -foren diskutiert. Über 3.500 Anfragen und Hinweise von Wissenschaftlern und Privatpersonen gingen bis Oktober 2017 beim ATSB ein.cite-ref-452[E 13]

Im Mai 2014, weniger als drei Monate nach dem Verschwinden des Flugzeugs, erschien das erste Buch ĂŒber MH370, geschrieben von einem Journalisten, der aufgrund der Beobachtung eines Arbeiters auf einer Ölplattform vermutete, die Boeing könnte im Zuge einer gemeinsamen MilitĂ€rĂŒbung der USA und Thailands (die zwei Tage nach dem Vorfall beganncite-ref-453[336]) abgeschossen und die Katastrophe vertuscht worden sein. Angehörige kritisierten die Veröffentlichung als verfrĂŒht,cite-ref-454[337] ein Rezensent verriss das Buchcite-ref-455[338]. Etwa zur gleichen Zeit wurde ein Film angekĂŒndigt, der frei auf dem Geschehen basiert, und ein Trailer auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Mai 2014 gezeigt.cite-ref-456[339]

Der ehemalige Chef einer insolventen neuseelĂ€ndischen Billigfluglinie und ein Journalist veröffentlichten Anfang August 2014 ein weiteres Buch, das verschiedene ErklĂ€rungen nach dem Ausschlussprinzip diskutiert. Die Autoren argumentieren, das Verschwinden sei kein Unfall gewesen, sondern ein gezielter, berechneter Akt des KapitĂ€ns. Nach dem Fazit dieses Buches hat der KapitĂ€n den Kopiloten aus dem Cockpit ausgesperrt, anschließend die Sauerstoffzufuhr im Passagierraum lahmgelegt, jedoch durch die weitere Versorgung im Cockpit ĂŒberlebt, um das Flugzeug nach Ausgehen des Treibstoffs kontrolliert zu wassern und in einem StĂŒck versinken zu lassen.cite-ref-457[340] Malaysia Airlines verwarf diese Schlussfolgerung als Spekulation und drohte rechtliche Schritte an.cite-ref-458[341] Ein Ă€hnliches Szenario stellte eine Folge der Reihe Mayday – Alarm im Cockpit vor.cite-ref-suizid-329-1[234] Der Wissenschaftsautor Jeff Wise, der von CNN wiederholt als Experte fĂŒr MH370 eingeladen worden war, vertrat in einem E-Book die Theorie, dass EntfĂŒhrer durch Manipulationen an der Satellitendateneinheit im Avionics Compartment den ersten Reboot ausgelöst und die anschließenden BFO-Werte manipuliert haben, was bei diesem GerĂ€t möglich war. MH370 sei daher nicht nach SĂŒden, sondern – angeblich im Auftrag von Wladimir Putin – analog der BTO-Werte nördlich zum Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan geflogen.cite-ref-459[342] An Bord des Flugzeuges seien drei ethnische Russen gewesen, von denen zwei ukrainische StaatsbĂŒrger waren und nahe des Avionics Compartment saßen. Putin könnte das Motiv gehabt haben, von der zeitgleich stattfindenden Annexion der Krim abzulenken.cite-ref-460[343]

Eine Dokumentation des französischen Spartenprogramms RMC DĂ©couverte (L’enigme du vol Malaysia Airlines MH370) vom MĂ€rz 2015 stellte ein Szenario vor, bei dem die Passagiere ihre EntfĂŒhrer ĂŒberwĂ€ltigt hatten. Infolge eines Schusswechsels sei dann ein Loch in der AußenhĂŒlle entstanden und der Druck in der Kabine plötzlich abgefallen.cite-ref-461[344]

Die französische Journalistin und Korrespondentin von Le Monde, Florence de Changy, veröffentlichte im MĂ€rz 2016 (vor dem Fund weiterer TrĂŒmmerteile) das Buch Le Vol MH370 n’a pas disparu: La plus grande Ă©nigme de l’histoire de l’aviation civile (deutsch: „Flug MH370 ist nicht verschwunden: Das grĂ¶ĂŸte RĂ€tsel in der Geschichte der zivilen Luftfahrt“), in dem sie ebenfalls dahingehend argumentiert, dass MH370 im SĂŒdchinesischen Meer abstĂŒrzte und die Katastrophe vertuscht wurde. De Changy hatte Zugang zum französischen Untersuchungsbericht zur Identifizierung des Flaperons, in dem sie UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bemerkt haben will.cite-ref-462[345] 2021 veröffentlichte sie das Buch Disappearing Act: The Impossible Case of MH370 (deutsch: „Verschwunden: Was geschah wirklich mit Flug MH370?“).cite-ref-463[346]

Zum zweiten Jahrestag des Unfallflugs veröffentlichte der CNN-Reporter und Luftfahrtexperte Richard Quest ein Buch, in dem er HintergrĂŒnde zur Mediendarstellung und zu seinem Interview mit Fariq Abdul Hamid, dem Kopiloten von MH370, wenige Wochen vor dem Verschwinden darstellt. Er argumentiert darin gegen einen Pilotensuizid, da hierfĂŒr kein Motiv vorliege und ein lebensmĂŒder Pilot nicht hĂ€tte voraussehen können, dass beim Überqueren des malaysischen Festlands keine AbfangjĂ€ger aufsteigen wĂŒrden.cite-ref-464[347] In der US-amerikanischen Dokumentationsserie Mysteries of the Missing (deutsch: „Spurlos verschwunden – Ungelöste Mysterien“) von 2017 sind das Verschwinden und der Absturz des Flugzeugs in der Folge 1 Auf der Suche nach Flug MH370 Gegenstand der Sendung.cite-ref-465[348]

Verstaatlichung von Malaysia Airlines

FĂŒr die Fluggesellschaft markierte der Verlust der Boeing 777 das bis dahin grĂ¶ĂŸte UnglĂŒck in ihrer Geschichte.cite-ref-466[349] Wenige Monate spĂ€ter ĂŒbertraf dies der Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug 17 ĂŒber der Ukraine noch. Zusammen mit dem Unfall von Indonesia-AirAsia-Flug 8501 zĂ€hlt er zu drei Katastrophen, die 2014 malaysische Airlines heimsuchten. Die zuvor schlimmste Tragödie war mit 100 Todesopfern Malaysia-Airlines-Flug 653, der im Jahre 1977 entfĂŒhrt wurde, wobei die Kidnapper die Piloten vor der Landung erschossen. Die IdentitĂ€t der EntfĂŒhrer konnte nie abschließend geklĂ€rt werden.

Nachdem MH370 verschwunden war, brachen die Umsatzzahlen von Malaysia Airlines ein. Der Fluggesellschaft schlug in der Öffentlichkeit Ablehnung entgegen; so stieß deren Werbe-Tweet „Sie möchten irgendwohin fliegen, aber wissen nicht, wohin?“ grĂ¶ĂŸtenteils auf UnverstĂ€ndnis.cite-ref-467[350] Nach dem Verlust von MH17 verschĂ€rfte sich die wirtschaftliche Lage weiter. Als Folge beider Katastrophen sowie der insgesamt mangelhaften ProfitabilitĂ€t wurde am 29. August 2014 die bevorstehende Entlassung von 6000 Mitarbeitern und somit 30 % der gesamten Belegschaft bekanntgegeben. Außerdem sollte die Fluglinie, die bereits zu 69 % der Regierungsfonds Khazanah Nasional hielt, komplett verstaatlicht werden. Ihr wirtschaftliches Überleben sei damit jedoch nicht gesichert, hieß es.cite-ref-468[351]

Seit Herbst 2014 gehört die Airline zu 100 % dem Regierungsfonds Khazanah Nasional. Man hat erwogen, ihren Namen zu Ă€ndern – doch hat nach EinschĂ€tzung ihres neuen Chefs Christoph MĂŒller die Kundentreue auf dem Heimatmarkt wieder zugenommen.cite-ref-469[352] Am 1. Juni 2015 wurde allen 20.000 Mitarbeitern von Malaysia Airlines (MAS) gekĂŒndigt; 14.000 Mitarbeitern sagte das Management zu, sie in der Nachfolgegesellschaft Malaysia Airlines Berhad (MAB) zum 1. September 2015 wiedereinzustellen. Am 23. Dezember 2015 beantragte Malaysia Airlines Berhad zusammen mit dem zivilen Luftfahrtamt, der Luftwaffe sowie der Regierung Malaysias beim malaysischen High Court, die Klage von fĂŒnf Angehörigen abzuweisen, da Malaysia Airlines Berhad erst nach dem Unfall von MH370 gegrĂŒndet wurde.cite-ref-470[353] Der Gerichtshof lehnte den Antrag am 30. MĂ€rz 2016 ab; damit war der Weg fĂŒr das erste Gerichtsverfahren in Malaysia frei.cite-ref-471[354] Anfang September 2016 verfĂŒgte der Gerichtshof, Malaysia Airlines Berhad solle den klagenden Angehörigen relevante Dokumente aushĂ€ndigen.cite-ref-472[355]

Weblinks und Literatur

Commons

: Malaysia-Airlines-Flug 370

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Offizielle Quellen

‱ Offizieller erster vorlĂ€ufiger Bericht, Audioaufzeichnung der Funkkommunikation, Frachtliste und weitere Dokumente, herausgegeben vom malaysischen Verkehrsministerium und zusammengestellt von CNN (englisch)
‱ Rohdaten der Inmarsat-Satelliten-Handshakes, herausgegeben vom ATSB, Dezember 2014
‱ Offizielle Verlautbarungen zu MH370, einschließlich der Frachtliste, herausgegeben vom malaysischen Verkehrsministerium (englisch). Die Frachtliste ist vollstĂ€ndig, enthĂ€lt aber nicht die Unterlagen zu der Motorola-Fracht (Walkie-Talkies mit Lithiumbatterien, LadegerĂ€ten und Zubehör) sowie zu den Mangostanen, da beide Teil der Ermittlungen sind.
‱ Assistance to Malaysian Ministry of Transport in support of missing Malaysia Airlines flight MH370 on 7 March 2014 UTC – Zusammenstellung von Untersuchungsberichten, herausgegeben vom ATSB (englisch)
‱ Regierungsbericht des Australian Transport Safety Bureau (ATSB) vom 26. Juni 2014, aktualisiert am 13. August 2014: MH370 – Definition of Underwater Search Areas (englisch)
‱ Regierungsbericht des Australian Transport Safety Bureau (ATSB) vom 8. Oktober 2014 – MH370 – Flight Path Analysis Update (englisch)
‱ Regierungsbericht des Australian Transport Safety Bureau (ATSB) vom 3. Dezember 2015, aktualisiert am 10. Dezember 2015: MH370 – Definition of Underwater Search Areas (englisch; die Aktualisierung besteht darin, dass auf Seite 9 power loss zu power loss to the SDU [Satellite Data Unit] korrigiert wird: ATSB, updates: reports)
‱ Samuel Davey, Neil Gordon, Ian Holland, Mark Rutten, Jason Williams (Defence Science and Technology Group, Australia): Bayesian Methods in the Search for MH370 (Prepublication Draft), Berlin: Springer, ISBN 978-981-10-0378-3 (ErlĂ€uterungen zu der im Suchbericht vom 3. Dezember 2015 angewendeten Methode) (englisch)
‱ Ian D. Holland (Defence Science and Technology Group, Australia): The Use of Burst Frequency Offsets in the Search for MH370, arxiv:1702.02432 (7. Februar 2017), 10 S. (mathematische Analyse zu den BFO-Werten) (englisch)
‱ Regierungsbericht des Australian Transport Safety Bureau (ATSB) – First Principles Review, 2–4 November 2016 vom 20. Dezember 2016 (englisch)
‱ Pressemitteilungen und Informationen zu Flug MH370, herausgegeben von Malaysia Airlines zu Flug MH370 (englisch)
‱ Offizielle Verlautbarungen des malaysischen Verkehrsministeriums zu Flug MH370, archiviert auf archive.org (Memento vom 17. Juli 2014 im Internet Archive) (englisch)
‱ Offizielle Angaben zur Suche von MH 370 vom Australian Transport Safety Bureau (ab 26. Mai 2014) (englisch)
‱ Pierre Daniel (MĂ©tĂ©o-France): Rapport d’étude – DĂ©rive Ă  rebours de flaperon, 8. Februar 2016 [PDF] (Driftstudie des staatlichen französischen Wetterdienstes MĂ©tĂ©o-France, französisch)
‱ Chris Ashton, Alan Shuster Bruce, Gary Colledge and Mark Dickinson (Inmarsat): „The Search for MH370“, In: The Journal of Navigation (2015), 1–22 [PDF] (wissenschaftlicher, peer-reviewter Artikel zur Chronologie der Rekonstruktion der vermuteten Flugroute) (englisch)
‱ Offizieller Zwischenbericht (herausgegeben vom Sicherheitsuntersuchungsteam zu MH370 des malaysischen Verkehrsministeriums) – Interim Statement: Safety Investigation for MH370 (9M-MRO) und Factual Information: Safety Investigation for MH370. The Malaysian ICAO Annex 13 Safety Investigation Team for MH370, 8. MĂ€rz 2015 (englisch)
‱ Debris Examination Report. The Malaysian ICAO Annex 13 Safety Investigation Team for MH370, 28. Februar 2017 (englisch)
‱ Regierungsbericht des Australian Transport Safety Bureau (ATSB) vom 3. Oktober 2017 – The Operational Search for MH370 (englisch)
‱ Veröffentlichung der bathymetrischen Daten aus der Suche nach MH370 durch Geoscience Australia – MH370 – Phase One Data Release (ohne Datum, englisch)
‱ Offizieller Abschlussbericht (herausgegeben vom Sicherheitsuntersuchungsteam zu MH370 des malaysischen Verkehrsministeriums) – Safety Investigation Report: Malaysia Airlines Boeing B777-200ER (9M-MRO). The Malaysian ICAO Annex 13 Safety Investigation Team for MH370, 30. Juli 2018 (englisch)
‱ AnhĂ€nge zum offiziellen Abschlussbericht, einschließlich der französischen Analyse zum Flaperon, herausgegeben vom malaysischen Verkehrsministerium (englisch)

SachbĂŒcher

‱ Richard Quest: The Vanishing of Flight MH370: The True Story of the Hunt for the Missing Malaysian Plane, New York: Berkley 2016. AuszĂŒge: Richard Quest: The Vanishing of Flight MH370: The Inside Story of CNN’s Coverage. In: Flying Magazine. 15. April 2016, abgerufen am 1. Oktober 2016.
‱ Ewan Wilson und Geoff Taylor: Goodnight Malaysian 370: The Truth behind the Loss of Flight 370, City Hamilton: Wilson Aviation Ltd. 2014
‱ Christine Negroni: The Crash Detectives: Investigating the World’s Most Mysterious Air Disasters, London: Atlantic Books 2016. AuszĂŒge: Christine Negroni: Good Night, Malaysian. In: The Australian. 1. Oktober 2016, abgerufen am 1. Oktober 2016.
‱ Larry Vance: MH370: Mystery Solved, Group of Three Publishing 2018

Dokumentationen

‱ «Good night, Malaysian 370» Multimedia-Reportage der Neuen ZĂŒrcher Zeitung, 6. MĂ€rz 2015. Es handelt sich um eine Reportage aus kurzen Textelementen und mehreren damit synchronisierten kurzen Videosequenzen mit Plangrafiken. Diese Reportage basiert auf einem Interview mit Sarah Bajc, die alle offiziellen Angaben anzweifelt. Finanziert durch eine Crowdfunding-Kampagne, wurde zunĂ€chst ein Whistleblower gesucht und mangels Erfolgs anschließend ein Privatdetektiv engagiert.
‱ Caro Meldrum-Hanna (Autor), Kerry O’Brien (Moderator), Wayne Harley (Produzent), Lost: MH370. Investigationsjournalistische Reportage des öffentlich-rechtlichen Senders Australian Broadcasting Corporation – ABC, enthĂ€lt Interviews insbesondere mit dem malaysischen Verteidigungsminister und amtierenden Verkehrsminister, Hishammuddin Hussein, sowie mit AnhĂ€ngern der Opposition und Personen aus dem Umkreis des Piloten (englisch)
‱ Folge einer kanadischen Dokumentarreihe des National Geographic Channel von Cineflix Productions: Air Crash Investigation: What Happened to MH370? (englisch)
‱ Simulation der Strömungsbewegungen des Meeres, erarbeitet vom Imperial College London und dem australischen Exzellenzzentrum fĂŒr Klimaforschung (englisch)
‱ JeffWise.net – Aviation, laufend aktualisierte BlogbeitrĂ€ge eines investigativen Journalisten und Wissenschaftsautors (englisch)
‱ The Disappearance of MH370, laufend aktualisierte BlogbeitrĂ€ge und Diskussionsforum, betrieben von Victor Iannello, Mitglied einer Gruppe unabhĂ€ngiger Ermittler (englisch)
‱ Anja Jardine: Flug ins Nichts. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 3. MĂ€rz 2017 (mit Hugo-Junkers-Preis ausgezeichnete Reportage)
‱ MH370: connaitra-t-on la vĂ©ritĂ©, Expertendiskussion von Le Figaro, unter anderen mit Jean-Paul Troadec, ehemaliger Leiter der BEA, der an eine EntfĂŒhrung glaubt, nicht aber an einen Pilotensuizid, da die EntfĂŒhrung sehr aufwendig und möglicherweise von einer Gruppe organisiert war (französisch)
‱ Folge von 60 Minutes Australia: MH370 – The Situation Room auf YouTube (englisch). Expertendiskussion mit Larry Vance und Simon Hardy, die beide einen Pilotensuizid annehmen, sowie John Cox (Luftfahrtsicherheitsexperte), Martin Dolan (ATSB) und Charitha Pattiaratchi (Ozeanograph der University of Western Australia)
‱ MH370: The Plane That Disappeared, eine Netflixdokumentation, die am 8. MĂ€rz 2023, genau neun Jahre nach dem Verschwinden von Flug MH370, erschien (englisch)cite-ref-473[356]
‱ Flug MH370 – Verschollen ĂŒber dem Meer in der ZDF-Mediathek. Sendungsseite (sechs Teile), abrufbar bis 8. August 2026. Erstausstrahlung bei France TĂ©lĂ©visions. Federation Studios, 2024.

Einzelnachweise

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cite-note-33. ↑ Joint Communique. JACC, 17. Januar 2017, abgerufen am 17. Januar 2017.
cite-note-infinity-44. ↑ MH370: Four-year hunt ends after private search is completed. BBC News, 29. Mai 2018, abgerufen am 29. Mai 2018 (englisch).
cite-note-55. ↑ MH370: Loke assures to get cabinet approval to resume search. bernama.com, 3. MĂ€rz 2024, abgerufen am 8. MĂ€rz 2024 (englisch).
cite-note-66. ↑ Adrian Horton: ‘The greatest aviation mystery of all time’: what really happened to flight MH370? In: theguardian.com. 6. MĂ€rz 2023, abgerufen am 23. Februar 2024 (englisch).
cite-note-101. MH370 Passenger Manifest. (PDF; 269 kB) Malaysia Airlines, 8. MĂ€rz 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 8. MĂ€rz 2014; abgerufen am 22. September 2015 (englisch, offizielle Passagierliste).
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cite-note-9059. ↑ Ein Pilot einer anderen Boeing 777 gab gegenĂŒber einer Zeitung an, auf Anfrage der vietnamesischen Luftverkehrskontrolle noch „kurz nach 01:30 Uhr“ ĂŒber eine Notruffrequenz mit MH370 in Kontakt getreten zu sein und trotz StörgerĂ€uschen sehr undeutlich eine Stimme vernommen zu haben, bevor der Kontakt abgebrochen sei. Missing Malaysia Airlines plane: Pilot contacted MH370 just before it went missing. The Straits Times, 9. MĂ€rz 2014, abgerufen am 31. MĂ€rz 2014 (englisch).
cite-note-9160. ↑ Diese Nachricht wurde nicht ĂŒber die Satellitenverbindung, sondern ĂŒber Radiofrequenz (VHF) verschickt und konnte nicht durchgestellt werden, offenbar weil der Empfang von VHF-Nachrichten manuell deaktiviert war.Radiant Physics/Victor Iannello: Malaysia Responds by Releasing Full Message Log. The Disappearance of MH370 (Blog), 7. September 2018, abgerufen am 9. September 2018 (englisch).
cite-note-9361. ↑ Im ersten vorlĂ€ufigen Bericht heißt es zu dem Signalaustausch um 02:15 Uhr: MH370 was able to exchange signals with the flight. Im Zwischenbericht wurde flight durch Flight Explorer ersetzt.
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